Best Practice

Kraft in Krisen

Kraft aus Geborgenheit

Zwischen Erfolg und Krise liegt manchmal nur ein schmaler Grat. Ob Burn-out, Verlust der Stellung, Kündigung, Konkurs, Scheidung oder Krankheit – in einer Lebenskrise helfen Führungskräften bislang erprobte Fähigkeiten oft nicht mehr weiter.

Wenn alles zerbricht, stellt sich die Frage: „Was bleibt über den Tag hinaus?“, „Was gibt dem Leben wirklich Sinn?“ und „Woher kommt die Kraft zu einem Neuanfang?“

Unter den Führungskräften der IVCG sind viele, die diese Situationen auch persönlich erlebt haben – und dabei durch die Erfahrung der eigentlichen Bedeutung des Christseins in ihrem Leben eine vorher nicht gekannte Kraft und die entscheidende Hilfestellung zur Überwindung der entstehenden Belastungen fanden.

Lesen Sie hier Berichte über solche Erfahrungen namhafter Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesellschaft.

Kraft in Krankheit

Ein emeritierter Professor der Mathematik erlebt die heilende Kraft der Geborgenheit

Es war im März 2002, als der Hausarzt einen Schatten auf meiner linken Lunge entdeckte. Eine sofort von ihm veranlasste Röntgenuntersuchung bestätigte diesen Verdacht, und man zeigte mir auf dem Bild einen schwarzen Fremdkörper, dessen Größe von 6,5 Zentimetern einwandfrei mit dem Lineal zu messen war.

Einige Tage später fand ich mich in einer großen, von einem bekannten Spezialisten geleiteten Lungenklinik wieder. Bei der eingehenden Aufnahmeuntersuchung kam auch er zu der gleichen Diagnose wie seine Kollegen zuvor, sogar mit derselben Größenangabe. „Wir werden das Lungenkarzinom morgen operieren“, meinte er und betonte, dass ich auch mit nur einem Lungenflügel weiterleben könnte.

An jenem Abend, während ich bereits in der Klinik lag, wurde an mehreren Stellen für mich gebetet. Denn meine Frau hatte eine Reihe von Freunden telefonisch verständigt, die Erfahrungen mit dem Gebet im Alltag hatten.

Eine grundlegende Erfahrung

Meine Frau und ich waren zu unterschiedlichen Zeitpunkten in unserem Leben „Christen geworden“. Nach landläufiger Meinung bedeutet Christsein eher eine weltanschauliche Grundeinstellung, meist dokumentiert durch die Teilnahme an einigen Ereignissen im kirchlichen Rahmen, wie z.B. Konfirmation oder Firmung, der Trauung und Beerdigung, auch durch gelegentlche Kirchenbesuche zu Weihnachten oder Ostern. Umso überraschter waren wir, als wir entdeckten, daß es mit dem christlichen Glauben etwas ganz anderes auf sich hat.

Wissenschaftlich war mir die Erkenntnis, dass dieses gewaltige Universum einen Urheber haben muss, nie ein Problem gewesen. Denn schon in meinen frühen Jahren – ausgerechnet während der gottlosen Hitlerzeit - war ich zu einer konkreten, inneren Erfahrung tiefer Geborgenheit in der Obhut dieses Urhebers gekommen. Ich hatte im Glauben erlebt, was passierte, als alle Barrieren zwischen mir und dem Schöpfer beseitigt wurden.

Ich – wie auch meine Frau – hatte begriffen, dass dies dadurch geschen war, dass die Ablehnung (die Bibel spricht von Gericht) dieses Schöpfers gegenüber all den vielen kleinen und großen Ungerechtigkeiten, Lieblosigkeiten und Unwahrheiten, die ich mir „erlaubt“ hatte, ein anderer getragen hatte: Jesus Christus am Kreuz. Als ich akzeptierte, daß es deshalb nun auch für mich diese Ablehnung nicht mehr gab, setzte die erwähnte Erfahrung ein: ich war Christ im ursprünglichen Sinn geworden. Nun bestätigte sich, was Jesus sagte: Wer an meinem Wort bleibt, der wird die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird ihn frei machen.

Geborgenheit

In der Klinik war Ich in einer bemerkenswert fröhlichen, ruhigen, von der besagten tiefen Geborgenheit in Jesus geprägten Stimmung, sehr gespannt darauf, wie er sich in diesem Fall verhalten würde.

So lag ich dann am nächsten Morgen auf dem Operationstisch und wurde zunächst einer sogenannten Endoskopie unterzogen. Jene Minuten werden mir unvergesslich bleiben: Der Professor führte ein dünnes Spezialkabel mit Mini-Kamera in mein rechtes Nasenloch ein und lancierte es schrittweise durch Nase und Luftröhre bis in den Bronchialbereich. Die ganze Zeit über berichtete er mir, was er dabei mit Hilfe der Kamera sah. Als schließlich die kritische Stelle erreicht war, spürte ich bei ihm eine starke Überraschung. „Ein Karzinom ist mit Sicherheit auszuschließen; keinerlei Anzeichen. Der Befund ist so eindeutig, dass ich darauf verzichten kann, Gewebeproben zu entnehmen“, meinte er.

Der Professor stand offenbar vor einem Rätsel. Meine Bemerkung: „Sind das nicht Wunder Gottes, die manchmal über Nacht passieren?“ verstand er offenbar nicht so wörtlich, wie sie gemeint war, sondern wohl als Ironie. Doch war er wie ich froh darüber, dass ich nun sofort die Klinik verlassen konnte.

Wieder zu Hause angekommen, kam mir jetzt alles wie verändert vor. Das Leben setzte sich nicht einfach so fort, als ob nichts gewesen wäre. Mir schien, dass Gott hier in der Tat eines seiner Wunder getan hat - nicht das erste in meinem Leben, wohl aber das erste so große medizinische Wunder. Ich empfand ungeheure Dankbarkeit und sah nun den Rest meines Lebens als eine geschenkte Verlängerung an.

Fazit

Heilung durch Gebet gibt es immer wieder. Aber so wunderbar dies ist, entscheidend ist etwas anderes: die spürbare, unerschütterliche Nähe des Urhebers allen Seins, unabhängig von den äußeren Umständen, sei es Krankheit, Verlust oder ähnliches, auf Grund des oben beschriebenen persönlichen Zugangs zu ihm.

So schwer diese Erfahrung jemandem zu vermitteln ist, der sie noch nicht kennt, so konkret und unmissverständlich ist sie zu erleben. Sie bildet die Basis für eine endgültige Sinnfindung im Leben, gerade weil sie von Erfolgen und Niederlagen, von Stimmungen und Gefühlen unabhängig ist. So heißt es im 23. Psalm, dem bekanntesten unter allen 150: „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde (also trotz der Höhen und Tiefen meines Lebens)“.

Denn das ist meine persönliche Erfahrung: so lange man den Sinn seines Lebens, das Lebensglück, die innere Zufriedenheit oder wie immer man es nennen mag, von Vergänglichem abhängig macht, ist gerade eben auf Grund dieser Vergänglichkeit der Verlust dieser Sinngebung vorprogrammiert. Dagegen weiß man mit innerer Evidenz: die Geborgenheit in Gott enttäuscht nie.

Dass gerade diese Gewissheit – zusammen mit den Gebeten anderer, die dieselbe Erfahrung kennen, - inmitten einer so bedrohlichen Krankheit zur Heilung beitragen kann, das habe ich hier sehr konkret und dankbar erlebt.

Macht des positiven Denkens oder Christlicher Glaube?

Ein ehemaliger Global Product Manager einer weltweit agierenden amerikanischen Firma erfährt, was in Krisen tatsächlich trägt.

Im Aufwind

Jeder Golfspieler kennt den folgenden Spruch: „In Golf and in Life it´s not so important to stay out of trouble, but to get out once you are in it.

Das war lange Zeit die Erfahrung meines Berufslebens. Ich praktizierte die Kraft des positiven Denkens. „PMA“, Positive Mental Attitude. Auch SABTA lernte ich kennen – Sicheres Auftreten bei Totaler Ahnungslosigkeit. Meine Verkaufs- und Managementerfolge waren phänomenal. Immer wenn es hieß „das geht nicht“ oder „das funktioniert so nicht“, war das eine Herausforderung für mich, PMA zu praktizieren. Ich eröffnete ein Büro in Bonn, Stuttgart, Nürnberg, München und führte neue Verkaufsmethoden ein.

Alles war wunderbar bis zu dem Moment, als ich erlebte, dass diese Kraft, die in mein positives Denken hineinfließt, nur solange funktioniert, wie ich die Fähigkeit habe, auch positiv zu denken! In dem Moment, in dem ich diese Kraft nicht mehr hatte, funktioniert das System auch nicht mehr! Die Schwäche dieses PMA Systems liegt in mir! Das sollte eine entscheidende Erfahrung meines Lebens werden.

Zweifel

Während einer langen Autofahrt wurde ich sehr müde, und nur so konnte es passieren, dass ich, als mich ein negativer Gedanke traf, diesem einige Zeit nachging ohne das bewährte System des PMA einzuschalten.. Dieser Gedanke war wie eine innere Stimme, die sagte: „du bist unterwegs in einem Leben, dass dich nicht wirklich ausfüllt und das du so nie wolltest“! Das traf mich so unvorbereitet, dass ich am liebsten voller Frust laut geschrien hätte, denn der Gedanke zeigte, dass irgendetwas in meinem Leben nicht ganz rund lief. Obwohl ich meine Gedanken bald wieder unter Kontrolle hatte, erlebte ich in diesem Moment genau das, was der französische Mathematiker Blaise Pascal so ausdrückte: “Im Herzen eines jeden Menschen befindet sich ein von Gott geschaffenes Vakuum, das durch nichts Erschaffenes erfüllt werden kann, als allein durch Gott, den Schöpfer, so wie er sich in Christus offenbart.”

Ein neuer Weg

Innerhalb einer Woche nach diesem Erlebnis hatte ich geschäftlich mit John Rutherford aus Südafrika zu tun. Mit John hatte ich 10 Jahre vorher heftigste Diskussionen, weil er mir andauernd von den Vorzügen des christlichen Glaubens in den Ohren gelegen hatte. Für einen praktizierenden PMA- Mann sind Christen Schwächlinge, die nicht alleine mit dem Leben zurechtkommen.

Beide waren wir nun 10 Jahre älter und auch ein bisschen weiser, und so kam es dann, dass ich am Ende unserer 14-tägigen Zusammenarbeit, neben der wir uns auch wieder unserem alten Thema zuwandten, die entscheidendste Erfahrung meines Lebens machte. Ich begriff, daß die Erfüllung des von Pascal beschriebenen Vakuums tatsächlich möglich war! Ich musste nur eine einzige Bedingung erfüllen. Ich mußte erkennen, daß die vielen kleinen und großen Fehlverhalten in meinem Leben – obwohl nicht weniger oder mehr als im Leben jeden Durchschnittsbürgers - diese Erfüllung verhinderte, solange die dadurch an anderen entstandene Schuld nicht beglichen wäre. Ich begriff auch, daß ich dieses Begleichen nie aus eigener Kraft zustande bringen konnte, weil der moralische Maßstab dieses Schöpfers viel zu hoch war. Und so kam es, was ich vorher nie für möglich gehalten hätte: daß ich in einem gemeinsamen Gebet mit John akzeptieren konnte, daß diese Begleichung ein anderer stellvertretend für mich bereits geleistet hatte: Jesus Christus am Kreuz.

Die Erfahrung, die dann einsetzte, ist schwer für jemanden zu beschreiben, der sie selbst nicht gemacht hat. Aber es ist die gleiche Erfahrung eines Blaise Pascal, eines Martin Luther, eines Martin Luther King, eines Dietrich Bonhoeffer, des Astronauten James Irvine und von Millionen und Abermillionen Christen weltweit: das Vakuum war gefüllt! Ich hatte den Sinn des Lebens gefunden! Daß in dieser Erfahrung aber auch eine ungeheure Kraft zur Überwindung der Krisen des Lebens steckt, das sollte ich erst dreißig Jahre später in aller Tiefe kennenlernen.

Die Feuerprobe

Ich bekam eine neue Position in einer großen weltweit agierenden amerikanischen Firma mit Sitz in Boston, wo ich wenige Jahre später zum Global Product Manager aufstieg. Ein Traumjob in jeder Beziehung, anspruchsvoll und sehr gut bezahlt. Ich jettete um die Welt, war alle zwei Wochen auf einem anderen Kontinent, und hatte mit vielen verschiedenen Kulturen zu tun. Und dann geschah es.

Im März 2011 wurde bei meiner geliebten Frau Krebs diagnostiziert. Aber das war noch nicht alles. Es war 14 Tage vor Weihnachten 2012 - ich war gerade bei meiner Frau in einer Reha Klinik - als ich einen Anruf meines Chefs aus USA bekam, mit der Aufforderung, am nächsten Tag gegen 16:00 Uhr Ortszeit am Telefon zu sein. Um 16:00 wurde mir dann von meiner Personalchefin mitgeteilt, dass es eine Umstrukturierung innerhalb der Firma gegeben habe und meine Dienste nicht mehr gebraucht würden! Am Ende des Gesprächs tönte es noch aus dem Telefon: „Hast du noch Fragen? Im Alter von 63 Jahren und nach 24 erfolgreichen Jahren wurde mir 14 Tage vor Weihnachten am Krankenbett meiner Frau mitgeteilt, dass ich keinen Job mehr hätte.

Die andere Kraft


Zum ersten Mal wurde mir in diesem Moment der Unterschied zwischen der Kraft des positiven Denkens und der Kraft in der Erfahrung als Christ so richtig bewusst. PMA versagt in dem Moment, wo das Leben uns der Fähigkeit beraubt, positive Gedanken zu formulieren. Wenn die Flut derart massiv daherkommt, und man keinen Halt hat außer sich selbst, dann spült es einen unweigerlich hinweg in die Angst und die Depression.

Aber nun machte sich eine andere Kraft in meinem Leben bemerkbar. Genauer gesagt, es machte sich die Kraft eines anderen bemerkbar. Ich war zwar äußerlich schockiert, aber tief innerlich breitet sich eine Ruhe aus, die durch den Kontrast zu den äußeren Umständen nicht deutlicher hätte sein können. Ich wusste ohne Zweifel: ich bin nicht allein, ich bin gehalten in einer tiefen Geborgenheit, die nicht und durch nichts erschüttert werden kann. Es handelte sich um eine von meiner Kraft und äußeren Umständen unabhängige Unerschütterlichkeit! Nur so konnten mir die Umstände im Tiefsten nichts mehr anhaben.

Ich begriff einmal mehr und tiefer als je zuvor: diese Unerschütterlichkeit kommt dadurch zustande, dass diese Geborgenheit nicht eine selbstgemachte ist, die wieder verschwinden könnte, sondern sie kommt – so seltsam sich das anhören mag für jemanden, der das noch nicht kennt - von dem Schöpfer dieses Weltalls, den ich damals in das Vakuum meines Lebens hereingelassen hatte. Und dieser Schöpfer ist nicht zu erschüttern, er steht über den Umständen. Egal was geschieht: ich weiß mich unerschütterlich geborgen in seiner Hand. Und das gilt auch für den heftigsten aller Umstände: den Tod. Wie schon gesagt: das ist nicht zu begreifen für jemanden, der diese Erfahrung nicht kennt. Aber ich weiß, dass die Geborgenheit fortdauert. Ich habe ewiges Leben.

Das Leben danach

Es gab viele wohlgemeinte Ratschläge dafür, wie ich mich nun verhalten sollte, bis hin zu: nimm Dir einen Rechtsanwalt. Aber dieser innere Frieden befähigte mich zu etwas ganz anderem: den Dialog mit meinem jetzt ehemaligen Chef zu suchen, und zwar ohne jegliche Bitterkeit! Und ich merkte zu meiner Freude, dass er nur Anweisungen vom neuen Vize widerwillig befolgt hatte. Ich spürte seine Dankbarkeit mir gegenüber, dass ich ihn dafür nicht verantwortlich machte. Somit konnte ich ihm sogar noch eine Hilfe sein!

Heute betätige ich mich als ein „Überlebensberater“, bin Mentor für Menschen von 20 bis 60 Jahren und halte Seminare über Instandhaltungsmanagement, und Verkaufstechniken, die mittlerweile sehr gefragt sind.

Die genannte Erfahrung hat mein Leben nicht zerstört, sondern gerade auch in der Kontrasterfahrung meines Christseins zu den Methoden, durch Kontrolle der eigenen Gedanken Kraft zu schöpfen, tiefer und reicher gemacht in der Erkenntnis dessen, was das Christsein wirklich bedeutet und was der Sinn meines Lebens ist. Seltsam nur, daß so wenige diese Möglichkeit kennen. Könnte es daran liegen, daß man – wie auch ich lange Zeit in meinem Leben - zwar vielleicht Vorstellungen davon hat, was in diesem Bestseller aller Zeiten stehen könnte, aber noch nie selbst ernsthaft reingeschaut hat?

Rauswurf aus der Geschäftsleitung

Mitglied der Geschäftsführung einer großen Firma erlebt ein Desaster

Schicksal besiegelt

Als Mitglied der Geschäftsleitung einer großen Firma kam ich nicht umhin, die bevorstehende Fusion mit einer noch größeren Firma im gleichem Geschäftsbereich mit einem gewissen Argwohn zu erwarten.

Im Vorfeld dieser Fusion hatte sich die Geschäftsführung der anderen Firma spiegelbildlich zu unserer aufgestellt. Das heißt, zu jedem Mitglied der Geschäftsführung in unserem Unternehmen gab es ein entsprechendes Pendant in der anderen Firma.

Nun ist es kein Geheimnis, was man mit der Fusion von Firmen beabsichtigt: Größere Marktdurchdringung, eine größere Produktpalette, eine größere Finanzkraft und nicht zuletzt die Einsparung von Kosten. Typischerweise bedeutet das, daß doppelt vorhandene Ressourcen zu einer einzigen ausgedünnt werden, und dieses Prinzip macht normalerweise auch vor einer Geschäftsführung nicht halt.

So kam es dann auch bei uns. Mein Pendant war stellvertretender Geschäftsführer und tief vernetzt mit den Hauptauftraggebern der anderen Fima. Vergleichbare Meriten konnte ich nicht aufweisen und somit war mein Schicksal natürlich besiegelt.

Rüder geht es nicht

Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn ich nicht auf eine völlig unerwartete Art und Weise hinauskomplimentiert worden wäre. Vorgesehen war, daß ich in dem nunmehr fusionierten Fachbereich unter der Leitung meines früheren Pendants eine wichtige Aufgabe übernehmen würde. Von der konstituierenden Sitzung – stilvoll in einem kleinen Schloss geplant - erfuhr ich erst, als einer meiner bisherigen Mitarbeiter mich fragte, mit welchem Transportmittel ich mich denn dorthin begeben würde, und ob er ggfs. bei mir mitfahren könne.

Ich war nicht eingeladen worden! Der Versuch, dies bei meinem neuen Vorgesetzten telefonisch als etwaiges Versehen aufzuklären, schlug fehl. Er nahm einfach nicht ab.

Ein typisches Dilemma

Normalerweise hätte ich mich nun um eine andere Aufgabe in einer anderen Firma bemühen müssen, aber dafür – typisches Dilemma vieler Führungskräfte – war ich in Hierarchie und Gehalt schon zu weit für mein Alter aufgestiegen. Mich hätte keiner mehr genommen. Ich musste bleiben.

Der Schmerz infolge dieser Situation war nicht unerheblich. Frühere Mitarbeiter in meiner Organisation waren nun auf dem gleichen „Level“ wie ich und fanden das ganz amüsant und ließen mich das auch spüren - andere Mitarbeiter schauten mich mitleidig an, was ich als mindestens ebenso verletzend wahrnahm.

Ich bekam eine ziemlich undankbare Aufgabe: die technische Koordination großangelegter Rationalisierungsmaßnahmen der fusionierten Firma. Dabei konnte man sich eigentlich nur Feinde machen und gleichzeitig war klar, daß diese Aufgabe in absehbarer Zeit zu Ende sein würde: eine Perspektive hatte ich nicht mehr.

Ein untypischer Weg

Da kam mir die Bergpredigt in den Sinn. Dort heißt es: Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen.

Schöne Worte, aber menschenunmöglich.

Aber so sind sie auch gemeint.

Das wusste ich schon, denn einige Zeit vorher hatte ich eine schier unglaubliche Erfahrung gemacht, die mein ganzes Leben umgekrempelt hatte. Auf Grund verschiedener Umstände hatte ich mir vorgenommen, den Bestseller aller Zeiten, die Bibel, einmal gründlich zu studieren. Zu meinem größten Erstaunen erkannte ich, daß es offenbar einen gewaltigen Unterschied zwischen der landläufigen Vorstellung und der eigentlichen Bedeutung des Christseins gibt. Ich hatte nicht gewusst, daß es hier um ein unmissverständliches inneres Erkennen geht, das zu einer vorher nicht gekannten Geborgenheit in einem tiefen, endgültigen, ontologischen Sinn führt. Diese Erfahrung, daß einem eigentlich nichts mehr etwas anhaben kann, begann jetzt, ihre Kraft zu entfalten: ich brauchte mich nicht zu bemitleiden – in der genannten inneren Geborgenheit hatte ich ja viel mehr als die verlorene Position. Und damit bekam ich auch den Blick frei für meinen neuen Chef und erkannte, daß er offenbar aus Angst gehandelt hatte – aus Angst, daß ich ihm an seinem Stuhl sägen könnte. Deshalb musste er mich vor allen anderen „verbrennen“.

Und in dieser Erkenntnis konnte ich das tun, was die Bergpredigt nahelegt: für ihn beten.

Ein starkes Ergebnis

Und damit änderte sich alles: Mein innerer Frieden kam zurück, meine Einstellung wurde positiv, meine Motivation stieg, und alle wunderten sich, mit welcher Energie und Freude ich wieder am Arbeitsprozess teilnahm. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Mein Chef wurde die Freundlichkeit in Person, ich wurde in der Firma bekannt als eine Art Mediator zwischen den fusionierten Firmen und schließlich bekam ich eine neue zentrale Position, die mich zutiefst befriedigte.

Die andere Kraft

Feinde zu lieben oder für jemand zu beten, der einen beleidigt, ist Menschen-unmöglich. Und so ist es auch in der Bergpredigt gemeint. Ganz offensichtlich soll man hier mit der Nase darauf gestoßen werden, daß es einen völlig anderen Weg, eine andere Kraftquelle, geben muß, dieses Gebot zu erfüllen. Und diese Kraftquelle hatte sich tatsächlich in meinem Fall unübersehbar manifestiert: als diese erstaunliche Erfahrung der end-gültigen Geborgenheit an der Hand des Schöpfers dieses Weltalls, die die eigentliche Bedeutung des Christseins ausmacht, und die es einem ermöglicht, die Welt mitsamt ihren Krisen ganz neu wahrzunehmen und eben dadurch zu überwinden - ohne Angst oder Wut, sondern in Liebe.

Ein Weg aus der Depression

Ein Prokurist i. R. einer großen Bank erlebt Hilfe, wo keine Hilfe mehr möglich war

Der Einschnitt

Im Alter von 32 Jahren, fast von einem Tag auf den anderen, gibt es einen dramatischen Wendepunkt in meinem Leben. Depression - mit aller Wucht und Härte; entstanden aus einer Krisensituation, von den Ärzten aber als weitgehend auf Veranlagung beruhend diagnostiziert.

Ich, ein Computerexperte, der sich durch und durch für einen rationalen Menschen hält, will nicht wahrhaben, dass ich an einer psychischen Krankheit leiden soll. Für mich ist es eine Krise, die vorübergehen wird - irgendwann. Danach wird wieder alles sein wie zuvor.

Die kommenden Jahre belehren mich eines Anderen. Die Krise ist beigelegt, die Depression bleibt - über Jahre, Jahrzehnte.

Ende der eigenen Kraft

Niemand darf von der Krankheit erfahren. In meinem beruflichen Umfeld höre ich,  wie man über depressive Kollegen und Kolleginnen spricht; Sozialfall ist noch eine der harmlosesten Anmerkungen, „nicht belastbar“ schon ein Aussteuerungsmerkmal. Familie und Freunde, außer meiner Frau, der ich es nicht verheimlichen kann, will ich nicht damit belasten.

Funktionieren im Alltag mit all seinen Belastungen, als wäre ich gesund, auf der einen Seite, eine schwere Depression auf der anderen Seite, zwei Personen in einer. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen. Es geht erstaunlich lange, aber irgendwann ist der Substanzverlust nicht mehr durch Willensanstrengung zu kompensieren. Eine sehr frühzeitige Pensionierung ist unausweichlich.

Der behandelnde Facharzt macht mir angesichts der jahrzehntelangen Krankheitsphase und angesichts meines fortgeschrittenen Alters kaum Hoffnung auf vollständige Heilung. Das entspricht meinem eigenen Empfinden. Besserung erwarte ich nicht mehr.

Ein Hinweis

Unsere Töchter schließen sich einem kirchlichen Jugendkreis an und „bekehren sich“ zu Jesus Christus. Für mich ist das die übliche Schwärmerei heranwachsender Mädchen. Sie wird vorübergehen. Sie geht nicht vorüber. Die jungen Leute sind häufig Gast in unserem Hause. Sie pflegen einen friedlichen, ja liebevollen Umgang miteinander. Christen müssen nach außen hin so auftreten, denke ich. Über kurz oder lang wird man hinter die Fassade sehen. Zum zweiten Mal irre ich. Ihr Verhalten ist echt. Ihren Bekehrungsversuchen weiche ich allerdings aus.

Ein neuer Weg

Nach meiner Pensionierung lädt mich die Tochter eines Freundes zu einer IVCG-Veranstaltung ein. Der Referent, ein Professor der Psychologie, spricht über sein Fachgebiet und seinen Glauben an Jesus Christus. Nach dem Vortrag sage ich ihm, dass mir an seinem Vortrag vieles fremd geblieben ist, aber seine Gewissheit im Glauben habe mich beeindruckt. Er lädt mich zu einem persönlichen Gespräch ein. Eine lange Phase - mehrere Jahre - des Suchens beginnt. Am Ende wage ich die Entscheidung. Ich vertraue mein Leben der Leitung von Jesus Christus an. Dies ist zunächst eine rein rationale Entscheidung. Menschen, die schon seit Jahren diesen Weg gehen, helfen mir zu einem tieferen inneren Verständnis der zentralen Aussagen des Evangeliums. Mein Leben bekommt eine neue Ausrichtung.

Die Kraft eines anderen

Die Depression wütet Jahre weiter, anderes habe ich auch nicht erwartet. Allmählich verspüre ich jedoch, kaum bemerkbar, ein wenig Beruhigung. Diese vertieft und stabilisiert sich immer mehr. Die Reisen nach Teneriffa, ohne die ich es nur mühsam durch den Winter schaffte, brauche ich nicht mehr.

Etwa fünf Jahre nach meiner Entscheidung überrascht mich der Facharzt: „Sie sind geheilt. Wie das geschehen ist, kann ich nicht erklären. Sie brauchen nicht wiederzukommen.“ Etwas hat sich ereignet, das jahrzehntelanger Kampf aus eigener Kraft und auch ärztliche Kunst nicht erreichen konnten!

Wo eine Wirkung ist, muss es eine Ursache geben. Die eigene, bis in die Reserven hinein verbrauchte Kraft scheidet ebenso als Ursache aus wie die Bemühungen der Ärzte, für die ich trotzdem dankbar bin. Es musste also eine sehr viel größere Kraft geben, die das bewirken konnte. Dieser Frage konnte ich erst nachgehen, als sich Denken und Fühlen im gesunden Bereich stabilisiert hatten. Das Sparsamkeitsprinzip, auch als „Ockhams Rasiermesser“ bekannt, besagt, etwas verkürzt ausgedrückt, dass bei mehreren Möglichkeiten der Erklärung die einfachste zu wählen ist. Die bei weitem einfachste Erklärung ist die neue Ausrichtung meines Lebens, in dem ich Jesus Christus die Leitung meines Lebens anvertraut habe und mir daraus sehr viel Kraft zugeflossen ist.

Das Leben heute

Das liegt jetzt etwa 15 Jahre zurück. Die Depression klopft hier und da wieder an. Sie hat aber keine Gewalt mehr über mich. Rückblickend sind diese Jahre die beste Phase in meinem Leben. Die Überwindung der Depression bleibt nicht die einzige Erfahrung. Es kommen viele hinzu - oft in Verbindung mit Gebeten, eigenen und Gebeten anderer für mich. Sie bestärken immer wieder aufs Neue die oben erwähnte Erklärung der Heilung.

Die Aussage Jesu „Wer an meinem Wort bleibt, wird die Wahrheit erkennen, und diese Wahrheit wird ihn frei machen“ ist nicht mehr auf Papier geschriebenes Wort, sondern fester Teil meiner persönlichen Lebenserfahrung.

Was bedeutet „frei“ für mich? Bin ich frei geworden von allen Beeinträchtigungen, die das Leben für jeden mit sich bringt? Nein, sie treffen mich wie jeden anderen, nach wie vor. Sie haben aber nicht mehr die Macht, zu einem bestimmenden Faktor in meinem Leben zu werden.

Jesus Christus hat von sich gesagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“. Im Vertrauen auf diese personifizierte Wahrheit erlebe ich nachhaltig und tragfähig den tieferen Sinn meines Lebens. Hierin erfahre ich die Kraft, die meine alltäglichen Sorgen und Nöte auf ihren Platz verweist, ihnen die zerstörerische Macht nimmt.

Der Apostel Paulus sagt es so: „Siehe, Neues ist geworden“. Das kann als Überschrift über meinem Leben nach der oben berichteten Entscheidung stehen, ganz gewiss.