Best Practice

Erlebnisberichte

Unerwartete Entdeckungen

Irgendwann in ihrem Leben haben die Mitarbeiter der IVCG entdeckt, dass der eigentliche Kern des Christentums unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Denomination die unmissverständlich erfahrbare, tragfähige Antwort auf die Frage nach Sinn und Bewältigung des Lebens beinhaltet.

Dies ist die gleiche Erfahrung wie die eines Martin Luther, Johann Sebastian Bach, des Mathematikers Blaise Pascal, des Astronauten James Irvine … und von Millionen und Abermillionen Menschen weltweit.

Meist kam diese Entdeckung unerwartet und entgegen den landläufigen Vorstellungen vom Christentum als spannende Geschichte.

Lesen Sie hier Berichte namhafter Persönlichkeiten darüber, wie sie zu dieser Erfahrung kamen.

Ein Raumfahrtmanager entdeckt den Sinn des Lebens

Dr. Albrecht Kellner

In Namibia geboren und aufgewachsen.
Studium der Physik in Göttingen und San Diego, Kalifornien. Verheiratet, 2 Söhne.
Beruflicher Werdegang: Vom Software-Entwickler in der Firma Interatom zum Technischen Direktor (i.R.) der Raumfahrtfirma Astrium GmbH, Bremen.
Seit 2013 Mitglied der Exekutive der IVCG.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigte mich schon seit meiner Teenagerzeit und dementsprechend verlief mein Leben mehr oder weniger bewusst als explizite Suche nach dem Sinn des Lebens, als „Expedition zum Ursprung“ (s. auch das gleichnamige Buch, erschienen im SCM Brockhaus Verlag).

Vorstoß des Verstandes

Der erste Schritt war das Studium der Physik. Schon früh musste ich hier allerdings feststellen, dass die Naturwissenschaft – entgegen der landläufigen Meinung – in keiner Weise die Instanz ist, die Antworten auf die Frage des Woher und Wozu hat. Sie erklärt nichts, sondern entdeckt und beschreibt nur Gesetze in der Natur, deren Existenz ihr aber ein vollkommenes Rätsel bleiben.

Pforten der Wahrnehmung

In gewisser Weise folgerichtig wandte ich mich von der rein verstandesmäßigen Suche nach einer Antwort ab und experimentierte mit bewusstseinserweiternden Pflanzen und fernöstlichen Meditationsverfahren. Eine Antwort auf meine Frage brachte das auch nicht, sondern an die Stelle eines tieferen Eindringens in physikalische Phänomene trat nun ein tieferes Eindringen in psychische Phänomene – in beiden Fällen blieb die Welt ein Rätsel.

Ein unerwarteter Hinweis

Eines Tages legte mir jemand nahe, die Bibel zu lesen. Von meiner Konfirmation und den gelegentlichen Kirchenbesuchen zu Weihnachten oder Ostern her zu urteilen war hier allerdings keine Antwort zu erwarten. Umso mehr verblüffte mich, was ich da las. Laut Bibel ging es überhaupt nicht um einen blinden Glauben an unbeweisbare Aussagen und um das ethische Regelwerk einer Religion, sondern um eine konkrete, unmissverständliche innere Erfahrung, die allerdings anderen, die diese Erfahrung nicht haben, nur ansatzweise vermittelbar ist: Man weiß mit innerer Evidenz, dass man von niemand Geringerem als dem Urheber dieses Daseins bedingungslos geliebt ist, in ihm vollkommen geborgen ist und das eigene Leben in einen endgültigen Sinn eingemündet ist.

Hindernisse

Von entscheidender Bedeutung war für mich dabei die Logik des Zuganges zu einer solchen Erfahrung: Laut Bibel ist der Schöpfer (glücklicherweise) seinem Wesen nach vollkommen gut. Anderseits sind wir Menschen alle keine Engel und häufen im Laufe unseres Lebens allerhand Schuld auf, und eine bedingungslose Liebe zu uns in dieser Verfassung würde Gott kompromittieren. Als Voraussetzung für den Zugang konstatiert die Bibel daher folgerichtig, dass man zunächst alle Schuld loswerden muss.

Überwindung der Hindernisse

Und hier stieß ich auf den entscheidenden Punkt, den das Christsein von allen Religionen unterscheidet: Die Bibel sagt eindeutig, kein Mensch sei in der Lage, durch Einhalten religiöser Gesetze, Beten, Fasten, Meditation, Zugehörigkeit zu einer Kirche, durch gute Werke usw. vor dem Urheber des Seins „clean“ zu werden. Seinem unermesslichen Standard könnte damit nie Genüge getan werden. Somit könnte er nur selbst es sein, der das bewerkstelligt. Und genau das ist die Kernaussagen dieses Bestsellers der Welt: Der Urheber des Seins tut es, indem er bedingungslos vergibt. Was für eine Erleichterung empfand ich da gegenüber meinen bisherigen religiös-esoterischen Versuchen, bei denen das menschliche Bemühen (Meditation, Einhaltung der Gebote, Fasten …) die vermeintliche Basis für die Sinnfindung war!

Ein Widerspruch

Aber wird mit der bedingungslosen Vergebung nicht dem Bösen Tür und Tor geöffnet? Doch dann las ich, dass es sich beileibe nicht so verhält. Es kommt eine Abrechnung für alles Fehlverhalten – auch das kleinste. Doch andererseits wäre das ein Widerspruch zur Vergebung aller Schuld! Man kann einem Menschen nicht gleichzeitig vergeben und ihn dennoch für alle Fehler bezahlen lassen.

Eine unerwartete Entdeckung

Und genau hier entdeckte ich wieder die Logik des Evangeliums. Denn es gibt nur eine einzige Auflösung dieses Widerspruchs: Die Abrechnung geschieht, aber nicht mit uns, sondern stellvertretend mit jemand anderem, der selber ohne Schuld ist (damit man nicht sagen kann, er erleidet das aufgrund seiner eigenen Schuld): mit Jesus Christus am Kreuz. Er hat diese Abrechnung für mich bereits geleistet! Zum ersten Mal begriff ich die eigentliche, mir bis dato völlig unbekannte Bedeutung der Kreuzigung Jesu. Sie ist sozusagen ein juristischer Akt, der meinen Freispruch vor der allerhöchsten Instanz ermöglicht.

Ende der Expedition

Den letzten Schritt in der Logik des Evangeliums fand ich in der Anleitung der Bibel, wie man den so durch Jesus gesicherten Zugang für sich persönlich „aktiviert“:

Da es sich bei der Vergebung der Schuld um ein geistiges Geschenk handelt, muss es dementsprechend auch mit einer geistigen Funktion erfasst werden. Diese Funktion ist der Glaube.

Ich tat es, und kam vom Glauben zu der beschriebenen, konkreten Erfahrung. Dann und nicht vorher, setzte bei mir zu meinem eigenen Erstaunen die beschriebene Erfahrung und die Entfaltung des Sinns des Lebens ein. Das hatte ich vorher nicht gewusst. Und doch ist es die klare Aussage des am meisten gekauften aber vielleicht auch am wenigsten gelesenen Buches der Welt.

Ein Millionär wagt im Gefängnis den Neuanfang

Josef Müller

In Fürstenfeldbruck geboren, mit 18 Jahren Autounfall, seit dem querschnittgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen.

Steuerberater mit vier Steuerkanzleien in FFB, München, Starnberg und Wittenberg. Honorarkonsul der Republik Panamá und später Botschafter der Republik Zentralafrika in Monte Carlo. Ehrung durch Ministerpräsident Stoiber.

Kam auf die schiefe Bahn, war über 5 Jahre in Haft.

Im Rollstuhl

Seit meinem 18. Lebensjahr durch einen Autounfall bedingt im Rollstuhl sitzend, führte ich ein filmreifes Leben zwischen Luxuslimousinen, Kaviar, Trüffel und Champagner, Kokain und wilden Partynächten. Als Steuerberater beherrschte ich wie kein Zweiter die Kunst der Geldvermehrung: Riskante Finanzgeschäfte zählten zu meinem täglichen Brot – dabei immer am Rande der Legalität, immer darauf bedacht, nicht von der Steuerbehörde, meiner Frau oder der Polizei erwischt zu werden. Dabei war ich anfangs jahrelang ein genialer und geschätzter Steuerberater im Münchner Jet-Set, dem es als Rollstuhlfahrer gelungen war, nach ganz oben zu kommen und sogar Konsul von Panamá zu werden. Später geriet ich immer häufiger mit dem Gesetz in Konflikt und handelte nach dem Motto: „Solange keiner von meinem Schweizer Konto weiß, bin ich Moralist.“

Heute kann ich rückblickend sagen: Das waren „brutale ethische Aussetzer“ und ich kann den ersten Teil meines Lebens mit den Worten „Gier frisst Hirn“ zusammenfassend auf den Punkt bringen.
Mein Dasein bestand aus einem Mix aus Sein und Schein, mit dem es sich prächtig leben ließ: Josef Müller, der vitale „Dreadnought“, der Fürchtenichts und Kraftprotz im Rollstuhl, der es allen, allen, allen gezeigt hatte.

Im Kreis der Schönen und der Reichen

Ich war der heimliche Star im Kreis der Schönen und Reichen, meine Kontakte reichten bis in höchste gesellschaftliche Kreise: Prinz Charles, Juri Luschkow, die al-Gaddafi-Familie, um nur einige meiner „Freunde“ zu nennen. Meine Visitenkarte kreiste auf den Edelpartys der Yachtbesitzer und auf den Golfplätzen der Schönen und Reichen. Hinter vorgehaltener Hand tuschelte man, dass ich es wie kein zweiter verstand, aus Geld noch mehr Geld zu machen. Mein Ruf eilte mir voraus: Die Münchner Schickeria vertraute mir ihr Geld an – komplett ohne Sicherheiten. Die Gier meiner superreichen Mandanten war mein Motor, meine eigene Gier und Unersättlichkeit der Treibstoff meiner zunehmend dubiosen Geschäfte.

So landete auch Schwarzgeld bei mir, Millionen und Abermillionen, die mir z.B. von „Bruce“, einem – wie sich im Nachhinein herausstellte – Mafia-Gangster aus dem Waffenschieber- und Drogenmilieu, anvertraut wurden. In Hartschalenkoffern transportierte ich 40 Millionen US-Dollar Bargeld aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland, um es hier anzulegen und zu vermehren. Ich kannte keine Grenzen: Trotz Rollstuhl fand ich mich bald wie selbstverständlich im Milieu der Drogenbosse und Finanzkriminellen und machte mich zu ihren Handlangern.

Im Gefängnis

Zwischendurch spürte ich doch hin und wieder eine tiefe Sehnsucht in meinem Herzen – aber nach was genau? Ich hatte doch alles: hübsche Freundinnen, schicke Wohnungen, Häuser, eine Yacht am Gardasee, Luxusautos, Hausangestellte … Ich musste nur mit den Fingern schnippen und meine Wünsche wurden erfüllt. Und trotzdem: Hin und wieder, wenn ich mein „lautes Leben“ leiser werden ließ, spürte ich diese Sehnsucht ganz deutlich. Aber ich lernte, diese Empfindung gekonnt zu überspielen. Nach was sehnte ich mich? Woher kam dieses immer größer werdende Loch der Leere? Ich hatte alles, um es zu schließen, aber nichts half. Erst später sollte mir dies gelingen, aber auf eine Weise, die ich so nie erwartet hätte.

Schließlich geschah es: Als ich von meinem einzigen und langjährigen Freund massiv hintergangen bzw. betrogen worden bin und durch diese kriminelle Handlungsweise auf die Fahndungsliste des LKA kam, erfuhr mein Leben einen sogenannten U-Turn, eine totale und ungeplante Wende. Eine spektakuläre Flucht, mit der ich das LKA und das FBI fast sechs Monate lang frei nach dem Motto „Catch me if you can“ an der Nase herum geführt hatte, läutete das Ende der Ära „Protzkonsul“ ein. Am Ende wanderte ich ins Gefängnis: Fünfeinhalb Jahre München-Stadelheim beendeten schlagartig mein Luxusleben. In dieser Zeit, in der ich in sämtlichen Lebensaktivitäten brutal ausgebremst wurde, bekam ich die Chance, dieser Sehnsucht Raum zu geben und sie „zu identifizieren“.

Im Durchbruch

Es begann schon auf meiner Flucht in Miami, wo mir ein Zettel in die Hände fiel auf dem stand: „Fürchte dich nicht, denn dein Gott ist mit dir, wo du auch gehst!“ – ein Satz aus der Bibel, im Buch Josua 1,9. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit einem der Sätze aus der Bibel und ihrer seltsamen Ausstrahlung in  Berührung kam. Dieser Vers gab mir unheimlich Kraft, ich las ihn 4 bis 5 Mal täglich … und jedes Mal war es wie ein starker Kick der Kraft und Stärke.

Wenige Wochen später – ich war schon im Gefängnis in Wien – fiel mir in der Bibliothek der Anstalt ein abgegriffenes Buch auf mit dem Titel „Neues Leben“. Neues Leben – das konnte ich gebrauchen! Und so begann ich, darin zu blättern. Es war ein Neues Testament. Bei meiner Überstellung nach München nahm ich es mit, schenkte es dann aber einem Mitinsassen. Am nächsten Tag war dieser in eine andere Anstalt verlegt worden. Seine Zelle, an der ich vorbeikam, war leer und geputzt – bis auf dieses Buch, das dort seltsamerweise noch in einer Ecke lag. „Das scheint mich zu verfolgen“, dachte ich, nahm es an mich und begann zu lesen.

Das Ergebnis war umwerfend. Zum ersten Mal in meinem Leben erkannte ich in aller Klarheit, dass ich in meinem bisherigen Leben völlig danebengelegen hatte, dass ich viele Menschen verletzt hatte, dass ich immense Schuld auf mich geladen hatte. Drei Tage lang ging es hinab in die tiefsten Tiefen, bis zu dem Punkt, wo ich mein Leben dem übergab, der von sich sagte: „Ich bin gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ und: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Ich tat es mit den Worten: „Jesus, hier hast du mein Leben. Wenn du diesen kaputten Haufen wieder in Ordnung kriegen kannst – na dann viel Spaß damit!“

In einem neuen Leben

Ich hatte erwartet, dass danach Gewaltiges geschehen würde – zumindest hätte es, als Zeichen der Zustimmung, in meiner Haftraumzelle blitzen und donnern können.

Es tat sich – nichts.

Zunächst.

Doch dann wachte ich zwei Tage später auf und konnte es kaum fassen: Ich war von einer Freude und einem Frieden durchströmt, den ich in dieser überwältigenden Intensität noch nie erfahren hatte! Ich wusste ohne den geringsten Zweifel: Nun hatte ich ein nagelneues Leben bekommen! Meine Freude war so gewaltig, dass Mitinsassen den Anstaltsarzt baten, ihnen auch diese Glücks- und Energiepillen zu geben, die er offenbar mir verabreicht hatte! Ich wusste – so schwer das jemandem zu erklären ist, der diese Erfahrung noch nicht gemacht hat – dass Gott selbst, der Schöpfer dieses Universums, mich liebte, nur weil ich existierte. Nur deswegen! Nicht wegen meines Luxus, meiner Autos, Yachten, Frauen oder wegen des Geldes – denn das interessiert nur Menschen.

Woher ich das wusste? Jesus sagte: „Wer mich sieht, der sieht das Wesen Gottes.“ Und plötzlich war mir dieser Satz, wie die vielen anderen Aussagen in der Bibel, zu einer inneren unumstößlichen Gewissheit geworden. Und jetzt wolle ich diesen Jesus richtig kennenlernen! Ich erhielt von der Evangelischen Allianz ein Stipendium für ein Studium bei der BFU – einer theologischen Fernschule. Dieses Studium brachte mich über die Zeit im Gefängnis und als ich nach fünfeinhalb Jahren im August 2010 entlassen wurde, war ich ein vollkommen neuer Mensch geworden. 37 Kilo weniger, meine Identität war nicht mehr bei den Menschen, sondern bei Gott, und ich war glücklich und frei. Innerlich frei! Und das hatte ich noch nie in meinem Leben erlebt, das konnten mir der ganze Reichtum und all der Luxus nicht bieten. Ein Glück der Superklasse – dank der Lebensänderung infolge einer bis dato mir völlig unbekannten Erkenntnis, wer dieser Jesus wirklich ist.

Was ich dort im Gefängnis erlebte, wie ich mein Handeln heute sehe, welche dramatische Wendung mein Leben plötzlich nahm und die Erkenntnis, dass diese Befähigung zu einem neuen, zum ersten Mal wirklich sinnerfüllten Leben für alle Menschen verfügbar ist, ließen mir keine Ruhe. Ich schrieb diese Erfahrungen in einem Buch auf („Ziemlich bester Schurke – wie ich immer reicher wurde“, ’fontis by Brunnen Verlag CH) und reise mittlerweile durch alle deutschsprachigen Länder, erzähle aus meinem wilden Leben, „predige“ gegen Gier und zeige auf, wie man wahren Reichtum und ein brennendes Feuer finden kann. Vor allem freut es mich, u.a. auch bei Veranstaltungen der IVCG gerade den Menschen, die täglich im Geschäftsleben stehen, diese Nachricht weiterzuleiten um ihnen diesen heutzutage fast vollständig in Vergessenheit geratenen Weg des Evangeliums von Jesus Christus zu einem echt sinnerfüllten Leben, zu einem Leben in Kraft, Freiheit und Glück zu vermitteln.

Ein Kapitän übergibt das Steuer

Wolfgang Geist

Ehemaliger Kapitän der Handelsmarine,
Seelotse,
Berater der Kapitäne der Internationalen Schifffahrt,
Verheiratet, eine Tochter und ein Sohn.

Der erste Schuss vor den Bug

Als Dreizehnjähriger wäre ich beinahe im Gebirge abgestürzt. Ich war zu Tode erschrocken. In den Schrecksekunden zog vor meinem inneren Auge der Film meines bisherigen Lebens ab. Es waren seltsamerweise ausschließlich Szenen meines Lebens, in denen ich schuldig geworden war, wo ich andere verletzt hatte durch Lügen, Stehlen und manches mehr. Auch wenn ich mir unter  "Gott" damals nicht viel vorstellen konnte, ahnte ich doch:  das war möglicherweise eine Warnung Gottes zur Umkehr. Ergebnis: Ich wurde zu einem eifrigen Konfirmanden. Aber dabei blieb es. Das Erlebnis verblasste.

Der erste Treffer

Mit achtzehn Jahren stieß ich vor einer Reise beim Packen meines Koffers zu meiner Überraschung auf meinen Konfirmandenspruch: "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!"

Was dann geschah, war mir unerklärlich: von einem Augenblick zum anderen wusste ich: Gott gibt es, und er kennt mich, und er hat mir alle Schuld vergeben! Eine unbeschreibliche Freude und das Gefühl einer tiefen Geborgenheit erfüllten mich. Und diese Geborgenheit sollte sich als vollkommen unerschütterlich erweisen.

Denn am selben Tag erlitt ich einen Autounfall, der beinahe tödlich geendet hätte. Der Fahrer des Wagens schrie vor Angst - ich aber blieb auf eine mir unbegreifliche Weise völlig ruhig und in tiefem Frieden. Ich wusste mit unumstößlicher, innerer  Sicherheit: Wenn ich jetzt sterbe, dann bin ich bei Gott.  
Aber auch diese Erfahrung verblasste wieder. Erst  viele Jahre später sollte sie zum dauerhaften Zustand meines Lebens werden.

Das Steuer noch in meiner Hand

In meinem Studium lernte ich meine Frau kennen, und noch im selben Jahr heirateten wir. Nachwuchs folgte bald, aber der Beruf führte mich monatelang von meiner Familie fort, als Offizier und dann als Kapitän, auf hoher See.

Das raue Seefahrtsleben und die lange Abwesenheit von zu Hause gingen nicht spurlos an mir vorüber. Eines Tages merkte meine Frau, dass ich ihr nicht treu war. Sie holte zum Gegenschlag aus, geriet in eine starke Bindung zu einem anderen Mann. Ein schreckliches Hin und Her zwischen zwei Männern, den Kindern und ihrer Mutter begann. Es kam so weit, dass sie glaubte, das Leben nicht mehr ertragen zu können. Ein Selbstmord gelang nicht; sie überlebte, erkrankte aber schwer an Asthma. Die Krankheit bekämpfte sie mit Cortison, der Alkoholkonsum stieg an und schließlich landete sie in psychiatrischer Behandlung, die aber nach einem halben Jahr erfolglos abgebrochen wurde.

Gleichzeitig ging es mit mir immer mehr bergab. Ein Buch über biblische Prophezeiungen und ihre erstaunlichen Erfüllungen bewirkte ein kurzes Innehalten - ich versuchte, wieder auf eine gerade Bahn zu kommen. Aber so sehr ich mich bemühte, es gelang nicht. Ich blieb der Alte, ausgehöhlt und leer, verstrickt in Schmuggel, Frauengeschichten, Lebensgier...

Der zweite Treffer

In meiner Verzweiflung schloss ich mich eines Abends in meiner Kabine an Bord ein. Ohne Beschönigung gestand ich mir meine innere Zerrissenheit und die Ausweglosigkeit meiner gescheiterten Ehe und meines Lebens ein. Wie damals, als Dreizehnjähriger erkannte ich wieder, dass ich schuldig geworden war. Schuldig vor den Menschen, meiner Frau und vor Gott. Ich ging auf die Knie und schrie all meine Verzweiflung, all meine selbstverschuldete  Not zu dem Gott, der sich damals dem Achtzehnjährigen zu erkennen gegeben hatte, diesem Gott der Bibel. "Ich bin am Ende", rief ich, "ich weiß nicht mehr aus noch ein, ich habe viel Schuld auf mich geladen, bitte vergib mir! Bitte zeig mir, was ich tun soll! Ich will deinen Weg gehen!"

Die Antwort kam sofort. Ein tiefer, beglückender Friede durchströmte mich. Ich hatte plötzlich die Gewissheit, ich solle die Bibel irgendwo aufschlagen, dabei jeweils eine Stelle im Alten- und Neuen Testament als Antwort Gottes lesen. So verfuhr ich und las: "Wer mich sucht von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzer Kraft, von dem lasse ich mich finden".  Ich schlug die Bibel ein zweites Mal auf und fand dort: "Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus gerettet". Es gab Rettung! Gott hatte mich wieder eingeholt.

Der Volltreffer

Aber es dauerte noch eine Weile, bis ich begriff, worin diese Rettung wirklich bestand. Erst an meinem 40. Geburtstag tat ich den entscheidenden Schritt: in einer bewussten  Entscheidung ergriff ich erneut im Glauben das Geschenk der Vergebung meiner Schuld, das ich mit achtzehn bereits erlebt hatte. Aber zum ersten Mal erkannte ich jetzt die Grundlage dieser Vergebung. Ich begriff, dass Gott mir deswegen vergeben konnte - und immer noch kann- ohne sich dabei als Schwamm-drüber-Gott zu kompromittieren, weil diese Schuld bereits bezahlt war! Zum ersten Mal begriff ich die Bedeutung der Kreuzigung Jesu.  Was für eine Erkenntnis! Das hatte ich vorher noch nicht gesehen. Nun konnte ich mir der Vergebung durch die allerhöchste Instanz dieses Daseins vollkommen sicher sein. Befreit setzte ich  fortan mein Vertrauen voll auf diesen Jesus Christus, begann systematisch in der Bibel zu lesen und die Gemeinschaft von anderen Christen zu suchen. Von da an stellte ich zunehmend fest, dass Gott wirklich am Steuer meines Lebens war. Denn das, was mir vorher aus eigener Anstrengung nicht möglich war, setzte nun fast automatisch ein: mein Leben wurde gut!

Meine Frau, der ich diesen Weg natürlich ebenfalls zeigen wollte, reagierte zunächst nur mit Aggressionen.  Ihre Verzweiflung wurde immer größer, so dass Selbstmord für sie immer realer wurde. Schließlich fuhren wir gemeinsam zu einem Wochenendseminar, an dem ein Indonesien-Missionar sprach. Und dort geschah es auch für sie: Das Treffen endete in ihrer Lebensbeichte und der aufrichtigen Bitte, dass Jesus Christus ihr alle Schuld vergeben und Herr ihres Lebens werden soll.

Das Steuer ist übergeben!

Meine Frau berichtet: "Mein Asthma war sofort verschwunden! Unsere Ehe wurde langsam wieder heil. Sie ist heute schöner denn je. Langsam lernte ich, mich wieder zu freuen, langsam begann ich, wieder zu leben. Heute lebe ich gern und freue mich auf die Zukunft, weil ich weiß, woher ich komme und wohin ich gehe. Unsere Tochter kam am gleichen Tag wie ich zu dieser erstaunlichen Erfahrung, und drei Jahre später auch unser Sohn. Eine Erfahrung,  die wir vorher nicht für möglich gehalten hätten und die auch schwer jemandem begreiflich gemacht werden kann, der sie noch nicht kennt:  dass an Jesus Christus das Wesen des Schöpfers erlebbar wird -  sowohl  in der durch seinen Tod ermöglichten Vergebung unserer Schuld als auch in der Kraft zu einem neuen Leben.  Er liebt uns ohne Vorbedingung, er gibt unserem Leben Sinn, er hat unser Leben gerettet, er hat unsere Ehe wieder hergestellt."

Dem kann ich nur beipflichten: Er hat unser Leben gerettet. War ich früher noch als bunter Hund verschrien, der keine Party ausließ, so brachte ich jetzt den Seeleuten Bibeln und christliche Literatur. Einige ergänzten meinen Nachnamen seitdem etwas liebevoll/spöttisch zu "heiliger" Geist.

Spöttisch oder liebevoll - was ich vorher nicht wusste, dass das Christsein nicht in einem blinden Glauben besteht, sondern dass man vom Glauben zu einer Erfahrung kommt, und von dieser Erfahrung zu einer lebenserneuernden Kraft - das erzähle ich gerne weiter und erlebe immer wieder das erstaunliche Phänomen, wie auch andere diese Kraft erfahren.

Warum ich Christ bin

Dr. Siegfried Buchholz

In Westfalen geboren, verheiratet, drei erwachsene Söhne. Heute mit Wohnsitz in Baden bei Wien.
Chemie-Studium in Münster, Regensburg und Erlangen.
Von 1961 bis 1993 beim Chemiekonzern BASF, davon 14 Jahre in Deutschland, 10 Jahre in den USA als Vice President und 9 Jahre in Österreich als Generaldirektor.
1993 bis 1996 Vorstandsvorsitzender des CONSTANTIA-Konzerns, Österreichs größter privater Industriegruppe.
Seit 1998 Geschäftsführer von BUCHHOLZ CONSULTING.

Wie es begann

Mein Interesse am christlichen Glauben begann damit, daß ich begriff: Den wichtigen Dingen des Lebens gegenüber kann man nicht neutral bleiben. Wenn mein Chef von mir eine schwierige und riskante Entscheidung verlangt, dann kann ich nicht sagen: Ich möchte mich da lieber raushalten (d.h. neutral bleiben). Das wäre dann das Ende meiner Karriere.

Gleichermaßen kann ich auf die Frage, ob es einen Urheber meines Lebens gibt, und was seine Intentionen für mein Leben wären, nicht die Rolle eines unbeteiligten Zuschauers einnehmen. Das wäre naiv und gefährlich zugleich.

Die erste Überraschung: Christsein ist keine Religion

As ich mich dann intensiver mit dem Christentum beschäftigte, hat mich eines zunächst total überrascht: Das Christentum beantwortet meine religiösen Fragen nicht, indem es mir eine Religion anbietet. Das Christentum ist keine Religion.

Religionen (wie der Islam, der Buddhismus, das Judentum, usw.) sind bottom-up Versuche der Menschen, Gott zu suchen und zu gefallen. Dagegen entdeckte ich bei meinem Studium der Bibel, daß es sich beim Christsein um das genaue Gegenteil handelt: sozusagen um den top-down Versuch Gottes, den Menschen zu erreichen, um dadurch einen Dialog mit ihm zu beginnen. Damit er uns erreicht, ist lediglich erforderlich, daß wir uns diesem top-down Versuch öffnen. Der Gott, der in der Bibel beschrieben wird, will nicht unsere religiöse Aktion, er will unsere persönliche Re-Aktion auf seine Aktion.

Die zweite Überraschung: die Kernaussagen des Christseins

Diese top-down Aktion Gottes ist der „rote Faden“, der alle 40 Bücher der Bibel in zahllosen, impliziten oder expliziten Darstellungen durchzieht. Aufs knappste ist sie z.B. in einem einzigen Satz zusammengefasst, den Jesus einmal sagte: „So sehr hat Gott diese Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn gab, so daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“.

Dieser Satz eröffnete mir eine entscheidende Information: Es gibt ein Leben, das aus der Sicht Gottes als „verloren“ bezeichnet wird – offenbar, weil es die von Gott vorgesehene Bestimmung nicht erreicht – und anderseits gibt es ein Leben, das diese Bestimmung erreicht und sogar über das Leben auf diesem Planeten hinausgeht. Die Bibel bezeichnet es als „ewiges Leben“.

Wie ernst es Gott damit ist, daß der Mensch nicht in dem Zustand eines verlorenen Lebens verharrt, zeigt sich an einem gewaltigen Kraftakt, der in diesem Satz nur kurz angedeutet, aber in zahllosen Darstellungen in der Bibel nicht nur beschrieben sondern auch begründet ist: der Kreuzigung Jesu.

Bei diesem Vorgang geht es um die Bereinigung allen Fehlverhaltens und der dadurch bedingten Schuld, die wir alle im Laufe unseres Lebens aufhäufen. Ohne diese Bereinigung bleibt der Mensch in dem Zustand der Verlorenheit. Nun ist es laut Bibel dem Menschen selbst völlig unmöglich, diese Bereinigung durch eigene religiöse Anstrengungen zu erreichen. Der Maßstab Gottes ist viel zu gewaltig. Folglich müsste Gott selbst es tun. Und genau das ist die erste Kernaussage: er vergibt mir alle Schuld. Aber nicht in einem Schwamm-drüber-Prozess, sondern meine Schuld muß bezahlt werden (sonst wäre die Vergebung eine einzige Ungerechtigkeit!). Wie kann mir aber die Schuld vergeben werden, wenn ich sie noch bezahlen muß? Beides geht nicht gleichzeitig. Und hier kommt die zweite Kernaussage der Bibel zum Tragen: die Bezahlung erfolgt, aber von einem anderen.  Von Jesus Christus am Kreuz. Das ist der Grund für die Kreuzigung Jesu.

Diese Tat gilt auch für mich persönlich. Ich mußte sie allerdings – so die dritte Kernaussage – im Glauben auf mich persönlich beziehen, damit sie für mich zur erfahrbaren Realität wird.

Ohne persönliche Stellungnahme geht es nicht

Ich erkannte, daß ich hier Stellung beziehen mußte. Ich konnte dieses Angebot ernst nehmen oder lächerlich machen, annehmen oder ablehnen. Jesus hat den Schritt heraus aus dem „verlorenen“ Leben sozusagen digitalisiert. Ja oder nein, 1-0. Es gibt kein sowohl als auch. Ein enger Freund Jesu schrieb einmal in einem Brief: „Wenn wir schon den Zeugenaussagen von Menschen Glauben schenken, wie viel mehr müssen wir dem vertrauen, was Gott selbst bezeugt. Und Gott hat bezeugt, daß Jesus Christus sein Sohn ist. Wer an den Sohn Gottes glaubt, der erlebt dieses Zeugnis als innere unumstößliche Erfahrung. Wer Gott nicht glaubt, der macht ihn zum Lügner, denn er behauptet ja, Gottes Aussage über Jesus Christus sei falsch. Gott aber hat ganz eindeutig erklärt, daß er uns das ewige Leben schenkt, und zwar nur durch seinen Sohn Jesus Christus. Wer also an den Sohn glaubt, der hat dieses Leben; wer aber nicht an Jesus Christus glaubt, der hat auch dieses Leben nicht“.

Das ist so klar formuliert, als hätte es ein Rechtsanwalt geschrieben!

Das Ergebnis

An diesem Zitat aus dem Brief eines Freundes von Jesus kann man auch erkennen, daß die Entscheidung, an Jesus zu glauben, zu einem konkreten „Haben“ dessen führt, das die Bibel mit ewigem Leben bezeichnet. Es geht um eine innere, unumstößliche Erfahrung. Diese Aussage, die an zahllosen Stellen der Bibel wiederholt wird - daß es sich beim Christsein um ein Erkennen handelt, um eine innere Gewissheit des „Habens“ - wurde ab dem Moment, wo ich diese Entscheidung traf, auch in meinem Leben erstaunliche Realität.

Es ist nicht leicht, diese Erfahrung denen begreiflich zu machen, die sie noch nicht kennen. Ich möchte darstellen, was sie in meinem Berufsleben bewirkt hat, im Laufe dessen ich viele Jahre lang herausfordernde Führungsaufgaben in großen Unternehmen hatte:

  • Christen ist ihre persönliche Schuld von höchster Warte bereinigt bzw. vergeben worden. Sie haben dadurch zu einem echten inneren Frieden gefunden. Dadurch brauchen sie sich nicht mehr so intensiv mit sich selbst zu beschäftigen, und sie sind damit automatisch produktiver.
  • Christen haben sich freiwillig an die höchste Autorität gebunden und können dadurch personhaft akzeptabel Autorität für andere sein. Sie manipulieren nicht mehr.
  • Christen können sich persönlich als wertvoll akzeptieren und brauchen sich nicht laufend vor anderen zu beweisen. Sie können Kritik annehmen ohne zurückzuschlagen.
  • Christen werden in zunehmendem Maße befähigt zu wahrer Nächstenliebe und haben erst dadurch Zugang zu der wichtigsten Voraussetzung für Menschenführung gefunden. Liebe ist die Grundlage von Führungskompetenz.
  • Christen haben keine Zukunftsangst (mehr) und dadurch mehr Mut und Kraft zur kreativen Gestaltung von Gegenwart und Zukunft.

Das Eigentliche dieser Erfahrung ist aber nicht die genannte Befähigung für Führungsaufgaben oder auch zur Bewältigung des Lebens. Es geht hier vor allem um die konkrete Erfahrung einer vollkommenen Geborgenheit in der Obhut des Schöpfers dieses Daseins und damit einhergehend um eine tiefe innere Sinnfindung, die dann die genannten Möglichkeiten nach sich zieht.

Diese Erfahrung hat mein Leben auf den Kopf gestellt. Manchmal kann und mag ich mich an mein früheres Leben ohne Jesus Christus kaum noch erinnern. Ohne dieses Geschenk wäre mein Leben wahrscheinlich belanglos verlaufen – so wie das Leben vieler Menschen. Jesus hat meinem Leben Orientierung, Energie und tiefen Frieden gegeben und ich habe genau das erlebt, was der Apostel Paulus in einem Brief an Leute im damaligen Korinth schrieb: „Es ist fast unglaublich! Diejenigen, die sich entschlossen haben, Christus zu glauben und mit ihm zu leben, die sind dabei wahrnehmbar anders geworden. Ihr früheres Leben kann man in ihnen kaum noch entdecken. Sie sind sich selbst unähnlich geworden. Man müßte eigentlich sagen: Sie sind neue Menschen geworden!“

Begegnung mit der Wahrheit

Christina Höschele

Projektleiterin für die Entwicklung von Kunststoffverschlüssen bei einem internationalen Industriekonzern

 

Erste Begegnung

Es hatte mich immer schon gestört, wenn Menschen behaupteten, es gebe einfach mehrere Wahrheiten nebeneinander. Die Wahrheit könne nur eine sein, war meine feste Überzeugung. Welche aber die richtige sei, das könne ja kein Mensch wirklich wissen. Oder?

Ich erinnere mich an einen Moment in meinem Zimmer, da war ich 17 Jahre alt und stellte mir diese Frage nach der Wahrheit. Plötzlich überkam mich ein unglaubliches Gefühl, welches mich beinahe abheben ließ. Ganz deutlich war da eine mächtige Präsenz in mein Zimmer eingetreten, meine seelischen und körperlichen Eindrücke waren wie nie zuvor Gekanntes. Ich begriff, dass dies eine unerwartete Antwort auf meine Frage sein müsse. Wie eine Botschaft vom Urheber allen Seins. Da bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich, Christina K., eine durchschnittliche 17-jährige, sollte jetzt plötzlich all das wissen, wonach Menschen seit Jahrmillionen forschten? Das war mir zu viel! Ich sträubte mich gegen die Präsenz und bat darum, alleine gelassen zu werden. Tatsächlich verschwand sie.

Ablehnung

Dass ich nach diesem Erlebnis, einfach so weiterlebte wie zuvor? Das ist zu erklären. Manchmal, wenn heute Menschen mir gegenüber ganz vehement behaupten, es gäbe keinen Urheber allen Seins, keinen Gott, dann frage ich sie, ob sie – unabhängig von ausgeklügelten Theorien – nicht schon mal was mit ihm erlebt haben. Die meisten sagen nach kurzem Zögern „Ja“, schildern mitunter völlig übernatürliche Ereignisse – und ändern ihr Leben trotzdem nicht! Wie unempfänglich wir oft gegenüber diesem Anklopfen Gottes sind, der versucht sich uns zu zeigen und zu erklären, wird mir dann bewusst. Wir wollen einfach selber Herrscher sein, fürchten, dass er uns benachteiligen könnte. Dabei ist das überhaupt nicht der Fall! Aber dazu komme ich noch.

Zweite Begegnung

Nach dem Abi wollte ich gerne in Frankreich Französisch lernen und dabei etwas arbeiten. Keine der üblichen sozialen Organisationen nahm mich so kurzfristig auf, außer ausgerechnet einer Bibelschule in Paris, die mir über drei Ecken empfohlen wurde. Dort könnte ich als Küchenkraft arbeiten. Paris – ein Traum. Aber eine Bibelschule? Kurz bevor ich – trotz vieler Bedenken – hinfuhr, gab ich der Bibel eine Chance und versuchte mal, darin zu lesen. Völliges Unverständnis, altmodisch, langweilig. Ich nahm mir also nach Paris einen Riesenstapel Bücher zum Lesen mit, weil ich mir sicher war, in dieser Schule keine Freunde zu finden. Letztlich war dieses halbe Jahr dann aber doch interessanter als zunächst gedacht. Ich führte viele Diskussionen und einige der Bibelschüler – die an christliche Küchenkräfte gewöhnt waren – an den Rand der Verzweiflung. Manchmal war es so, dass mich eine Aussage dann doch irgendwie berührte. Ich blieb jedoch bei meinem Standpunkt. Ein „Sünder“ war ich nicht, sondern eine ganz ordentliche Person, die versuchte, das Beste aus der Situation zu machen. Wozu Jesus, wozu Umkehr?

Dritte Begegnung

Als das halbe Jahr in Paris zu Ende ging, wusste ich immer noch nicht, was ich studieren wollte. Im Übrigen fand ich Spanisch schön und hatte mir überlegt, dass ich das doch auch noch schnell lernen könnte, jetzt, wo noch Zeit dazu war. Wieder war ich kurzfristig dran, wieder stellte mich keine Organisation ein. Keine, außer einem christlichen Drogen-Reha-Zentrum in Burgos, wo ich bei den täglichen Arbeiten im Frauenhaus mithelfen dürfte. Schon wieder Christen? Ich biss die Zähne zusammen und fuhr hin. Immerhin nahmen sie mich dort ohne Umschweife, und ich würde Spanisch lernen!

Dort im Drogen-Reha-Zentrum wurden Begriffe wie Sünde, Umkehr und Lebensveränderung plötzlich greifbar. Auch die Wahrheit tauchte wieder auf. Die Menschen hier folgten einer Person nach, die von sich behauptet, sie sei die Wahrheit – Jesus Christus, der Sohn Gottes. Ich sah, wie er noch heute die Menschen sanftmütig berührt, was er im Leben wichtig findet, wie er anfing auch an mir zu wirken. Es fühlte sich irgendwann an, als stehe da jemand vor der Tür meines Herzens, klopfte und begehrte Einlass.

Die endgültige Begegnung

Eines Tages sprach ich ihn direkt an; wenn er tatsächlich die Wahrheit sei, und so mächtig wie alle behaupteten, solle er mir bitte die Angst davor nehmen, wie sich mein Leben verändern könnte, wenn ich ihn dort reinließe. Denn, so viel wusste ich inzwischen, unverändert kommt man nicht davon! Aber für die Wahrheit wäre ich schon bereit, ein Opfer zu bringen. Wie dumm wäre es, daran vorbeizuleben…

Ich erinnere mich nur, dass ich am nächsten Tag aufwachte und keine Angst mehr hatte. Nicht davor, wie sich mein Leben verändern würde, nicht davor, was meine Freunde und Familie sagen würden, nicht davor, uncool zu werden und von nun an keinen Spaß mehr zu haben… Ich schlug die Bibel auf und auf einmal sprach jedes Wort daraus zu meinem Leben. Ich wusste, ich konnte nicht mehr zurück, eine innere Umkehr war passiert. Mein Egoismus und meine Lieblosigkeit, dafür hatte Jesus am Kreuz bezahlt, ich war bei ihm angekommen. Gott würde von nun an eine riesige Rolle in meinem Leben spielen. Ja, mehr noch: Ich liebte ihn!!!

Einige Wochen später, als ich mich für einen Moment seiner Zuwendung unwürdig fühlte, sah ich einen schillernden Regenbogen am völlig wolkenlosen blauen Himmel – ein Wunder! Ich stand staunend da und ich begriff: Das war Gottes Bund mit mir, nichts kann zwischen uns kommen. Ich muss nicht perfekt sein. Ich bin sein Kind.

Leben mit der Wahrheit

Es hat sich auch herausgestellt, dass meine Ängste, mich ihm anzuvertrauen, völlig unbegründet waren. Es folgten Jahre des Studiums, Reisen in verschiedene Länder, das Kennenlernen mit meinem Mann Dietrich und die ersten Jobs. In all dem hat sich die Begegnung mit Gott immer mehr vertieft: Er hat mir viel Hilfreiches über mich und über menschliche Beziehungen beigebracht, hat mich überrascht und beschenkt. Ich erlebte, dass die Weisheiten der Bibel, diesem alten Buch, wahr sind, so wie ich danach lebe.

Im Besitz der vollendeten Wahrheit bin ich nicht, immer lerne ich Neues dazu. Aber ich weiß um die Nähe dessen, der Wahrheit ist! Das macht mich glücklich und gibt mir Hoffnung in jeder Situation.

Von einer Ehekrise zu einem neuen Leben

Margot und Günter Steinberg

Sie gehören zu den prominentesten Gastronomen Münchens. Margot Steinberg ist die Tochter von Friedrich Jahn, dem Gründer der ehemaligen Restaurantkette "Wienerwald".

Sie bewirtschaften den Hofbräukeller in München und betreiben als "Wiesnwirte" seit vielen Jahren das Hofbräu-Zelt auf dem Oktoberfest.

 

Günter: Wie es begann

Wenn man in seinem Beruf mit Herz und Verantwortung aufgeht, dann nimmt man sich einfach zu wenig Zeit für die Familie und die privaten Sorgen und Probleme. Margot hat sich wunderbar und aufopfernd um unsere beiden Kinder gekümmert und sie in der Hauptsache erzogen. Ich bin oft nur zum Kofferpacken für die nächste Geschäftsreise nach Hause gekommen. Und der berufliche und gesellschaftliche Erfolg weckte Begehrlichkeiten nach immer mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit. Rotwein – Zigarre – Flirten, es war so einfach und so erfolgreich. Über die enormen Kränkungen, die ich Margot damit zufügte, sind mir die Augen erst sehr spät aufgegangen.

Margot: Was es bewirkte

Zunächst willst du es nicht wahrhaben. Aber bereits in diesem Nicht-Wahrhaben-Wollen steckt schon der Keim des Zweifels. Doch dann beginnst du nachzudenken über die letzten Tage und Wochen, vielleicht sogar Monate. Und plötzlich erkennst du, was dir an seinem Verhalten auffällt. Natürlich hat es meine Umgebung, haben meine Freundinnen alles viel früher erkannt und vorausgesehen als ich, was mit dem Günter los war.

Es war eine harte Prüfung. Eine richtig harte Prüfung. Mein Selbstwertgefühl hat sehr darunter gelitten. Du fühlst dich einfach nicht mehr geliebt, nichts mehr wert. In so einer einsamen, depressiven Stimmung begegnest du dann überraschen einem Menschen, der dir zuhört, der sich für deine Probleme zu interessieren scheint. Du fühlst dich anerkannt, respektiert, einfach wohl. Bis du jäh erkennen mußt, daß dieser Mensch dein Vertrauen und deine Offenheit schamlos für sich auszunutzen versucht! Ich war voll in der Krise gelandet. Und da habe ich mir die grundlegende Frage nach dem Sinn meines Lebens gestellt.

Margot: Die Suche nach dem Ausweg

Es begann mit einem Flyer, der mir zufällig in die Hände fiel: „Mit Bachblüten die Seele heilen“. Doch meine Sehnsucht nach innerer Ruhe und Zufriedenheit konnte das Bachblütenseminar nicht befriedigen. Ich probierte dann alles aus: New Age und Esoterik, Ernährungskurse, fernöstliche Religionen und Meditation, bis hin zu einem Seminar, wo wir dazu aufgefordert wurden, barfuß über glühende Kohlen zu laufen. Diese Übung und die restlichen Seminareinheiten fanden dann ohne mich statt...

Tante Hilde – so nannten wir die älter Dame, die einmal in der Woche zu uns kam, um uns zu massieren - redete gern und viel. Besonders über ihr Lieblingsthema, ihren Glauben.

Eines Tages lud sie uns zu einem Vortragabend mit einem Missionar aus Südafrika ein, der selbst Günter derart erstaunte, daß wie nach Südafrika flogen, um uns dort von den Erzählungen über einen praktischen, gelebten Glauben zu überzeugen. So etwas hatten wir vorher noch nie erlebt. Für mich war dieser Besuch ein weiterer Grund, mich intensiver mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen. Anders als bei allen vorangegangenen Seminaren – von Bachblütentherapie bis zum Anzapfen kosmischer Energien – fühlte ich, daß ich hierauf der richtigen Spur war, nach der ich so lange gesucht hatte.

Günter: Die Überraschung

Es war im März 1989, als Margot mit einer Einladung zu einem Vortragsabend der IVCG auf mich zukam. Die Veranstaltung fand in einem großen Münchner Hotel statt. In welchem Raum wussten wir nicht so genau. An der Rezeption wollte ich nicht fragen. Man kannte uns natürlich in dem Hotel und es musste ja niemand gleich wissen, dass wir ausgerechnet zu einer christlichen Veranstaltung wollten. Ich dachte mir, die werden wir schon finden. Christen sind wohl nicht so schwer zu erkennen. Ich hatte damals noch die Vorstellung, Christen wäre stets schlicht und unauffällig gekleidet, von blassem Aussehe und mindestens mit Brille. So kam es, daß wir an dem ersten Seminarraum vorbeiliefen, vor dem ein gut aussehendes Paar stand, Anzug mit Krawatte, elegantes Kostüm, wahrscheinlich Banker. Aber schließlich entpuppten sich die vermeintlichen Banker als die gesuchten christlichen Geschäftsleute!

Was mich dann an dem Vortrag besonders beeindruckte, war die Art und Weise, wie der Referent über seinen Glauben sprach. So frei und selbstverständlich und das auch noch in der Öffentlichkeit. Das habe ich zum ersten Mal so erlebt. Am Ende dieses bemerkenswerten und nachhaltigen Abends gab es die Möglichkeit, sich zu einem Wochenendseminar anzumelden, bei dem es um die Frage gehen sollte: „Wer ist der Gott der Bibel?“ Wir ließen uns spontan auf die Liste eintragen.

Ich hatte befürchtet, daß sich alle in einem Stuhlkreis hinsetzen und dann bei Tee und Gebäck über die Bibel sprechen würden. Stattdessen gab es zunächst in einem Restaurant ein gediegenes Abendessen mit einer guten Flasche Wein. Was wir dann erfuhren, hatten wir so noch nie gehört: Es ging um die konkrete Erfahrung einer Beziehung mit dem Schöpfer dieses Daseins, vergleichbar der zwischen zwei Liebenden. Beide müssen Ja sagen. Gott hat es bereits getan. Wenn der Mensch es auch tut, beginnt die Erfahrung dieser Beziehung. Und während bei verschmähter Liebe einer der Partner nach einiger Zeit aufgibt, gibt Gott nie auf. Er wartet, er kann warten. Das war eine der Kernaussagen.

Günter: Margot geht voran

An diesem Abend sagte Margot Ja - in Form eines Gebetes: „Herr Jesus Christus, ich brauche dich. Ich habe bisher mein Leben selbst bestimmt. Dadurch habe ich den Sinn meines Lebens verfehlt, Fehler gemacht, andere verletzt – gegen dich gesündigt. Bitte vergib mir meine Schuld. Übernimm die Herrschaft in meinem Leben. Danke, dass du mich angenommen hast. Amen.“

Ich war von diesem Seminar zwar auch sehr beeindruckt, allerdings ohne diese zwingende Schlussfolgerung wie bei Margot. Für sie war es ein riesiger Schritt. Sie hatte gefunden! Was landläufig so wenig über das Christsein bekannt ist: Man kommt von dem in diesem Gebet ausgedrückten Glaubensschritt tatsächlich zu einer erstaunlichen, inneren Gewissheit, den Sinn des Lebens gefunden zu haben. Dementsprechend war sie natürlich Feuer und Flamme und wollte am liebsten jeden von diesem Fund überzeugen.

Günter: Skepsis und Durchbruch

Für mich war das Ganze doch etwas zu viel des guten Glaubens. Ich hörte immer nur, ich müsse mein Leben Jesus übergeben. Sollte ich etwa die Hände in den Schoß legen? Zweitens wollte ich mir die Verantwortung für mein Leben von niemandem aus der Hand nehmen lassen. Ich wollte mein eigener Herr über mein Leben bleiben. Damit war die Meinungsverschiedenheit zwischen mir und Margot vorprogrammiert. Die Krise war zurück. Wir gingen wieder getrennte Wege. 2003 erreichte unsere Krise den Höhepunkt. Die Fronten waren verhärtet, wir hatten uns kaum noch etwas zu sagen.Langsam wurde mir klar, daß unsere Ehe auf Messers Schneide stand.

Zum ersten Mal nach unendlich langer Zeit suchte ich Rat im Gebet. Da hörte ich, dass der Leiter der südafrikanischen Missionsstation gerade in Deutschland war. Ich fuhr hin und wir führten ein langes und schonungslos offenes Gespräch. Ich habe mir alles, aber auch alles von der Seele geredet, mein ganzes Herz ausgeschüttet und alle Fehler, die ich gemacht hatte, beim Namen genannt.

Nach dieser Lebensbeichte fühlte ich mich unvergleichlich besser. Ich war mir sicher, daß Gott mir meine Fehler der letzten Jahre, die ich tief und ehrlich bereute, vergeben hatte. Die gleiche Erfahrung wie bei Margot hatte bei mir eingesetzt!

Aber auf der Fahrt zurück nach München hatte ich nur einen Gedanken: Hoffentlich kann mir Margot auch vergeben. Aber missbrauchtes Vertrauen, mangelnde Wertschätzung, gebrochene Versprechungen über Jahre hinweg lassen sich auch in einem mehrstündigen Gespräch nicht einfach aus der Welt schaffen.

In dieser misslichen Situation kam die Einladung eines befreundeten Ehepaares. Sie boten auf Schloss Klaus in Oberösterreich christliche Eheseminare an.

Margot: Ein neues Leben!

In 2003 schien die Trennung unvermeidlich. Jetzt mußte ich mir endlich ultimative Klarheit verschaffen. Aber – kampflos aufgeben? Mein Glaube gab mir doch Stärke, Kraft und Hoffnung! Ich mußte mich der Situation stellen, mußte über eine Auszeit zu einem neuen Anfang gelangen. Ein letzter Versuch – das Eheseminar auf Schloss Klaus.

Und dort geschah es: Die Strahlkraft von Bibelworten zur Ehe und zum zwischenmenschlichen Umgang, in die uns das Ehepaar einführte, hatte uns so nachhaltig beeindruckt, daß wir damit einen Neuanfang besiegeln wollten. Auf der Basis eines Bibelverses haben wir unser Eheversprechen wiederholt und aufrichtig und aus vollem Herzen Ja gesagt – zueinander und zu Jesus.

Eine neuerliche Hochzeit gab es nicht. Doch wir legten vor Zeuge das Versprechen ab, daß wir fortan einander ganz neu achten und lieben wollen und alles tun werden, um ein für alle Male Entwicklungen, wie wir sie in der Vergangenheit mit bittersten Erfahrungen erleben mussten, zu vermeiden.

Diese völlig neue Situation war für uns aufregend, anregend und auch mit Neugier verbunden. Da war diese neue Freude am Partner, diese wundervolle Versöhnung, das langsame aufeinander Zugehen, das völlig neue Kennenlernen. Wir sind auf einmal viel behutsamer miteinander umgegangen. Es war wie ein neues Werben umeinander, von zwei Menschen, die überzeugt gewesen waren, sich bereits restlos gekannt zu haben. Ein echter Neuanfang, den wir von Herzen vor Gott besiegelt haben.

Dieser Bund ist vergleichbar mit einer dreifach gedrehten Schnur. Wir erfahren, daß eine Ehe, in der sich beide Partner nicht nur einander, sondern auch Gott gegenüber verantwortlich fühlen, beständig hält. Wir haben es erlebt und erleben es jeden Tag neu. Die Aussagen der Bibel sind tatsächlich erfahrbare Wahrheit und erfüllen unser Leben mit Licht. Und Freude! (S. auch das Buch Maßvoll. Margot und Günter Steinberg - ein Leben mit Bibel und Bier, SCM Hänssler Verlag.)

Christlich sein ist noch nicht Christsein

Dieter und Lene Pasenau

Selbständiger Steuerberater in Kiel bzw. Lehrerin an der dänischen Schule in Eckernförde, eine Tochter und ein Sohn.

Christlich sein

ER: Ich bin in einer ganz normalen Familie aufgewachsen, wo es sich gehörte, dass wir zu Weihnachten alle zusammen in die Kirche gingen. Damit war dann unsere kirchliche Pflicht wieder für ein Jahr erfüllt.

SIE: Wenn auch mein Elternhaus nicht besonders christlich war – ich glaubte fest an Gott. Und weil ich keinen Menschen hatte, mit dem ich über meinen Glauben sprechen konnte, betete ich jeden Abend ganz allein für mich. Allerdings: Was es mit der Person Jesus Christus eigentlich auf sich hatte, war mir unbekannt, aber trotzdem fühlte ich mich als Christ. Ich war glücklich und unbesorgt. Zu dieser Zeit lernte ich Dieter kennen. Ein Jahr später heirateten wir.

War das schon alles?

ER: Meine Ziele und Wünsche waren in Erfüllung gegangen: Eine Familie, eine gutgehende Praxis, ein schönes Haus. Was kam nun? Wie sollte es weitergehen? Ich hätte allen Grund gehabt, zufrieden zu sein; doch im Gegenteil: Ich wurde immer unzufriedener. In mir gähnte eine große Leere, die so stark wurde, dass auf einmal all das, worauf ich früher so großen Wert gelegt hatte, seine Bedeutung verlor. Ich fing an, über den Sinn des Lebens nachzudenken.

Ich ging jetzt öfters in die Kirche zum Gottesdienst. Aber diese Frage in mir wurde nicht angesprochen. Im Nachhinein finde ich es sehr bedauerlich, dass der eigentliche Kern des Evangeliums, der sehr wohl die Antwort auf meine Frage enthalten hätte, in den Gottesdiensten oft durch die Verkündigung einer bloßen christlichen Ethik verdeckt wurde.

Und wie so Vielen geschah es auch mir: Da das Christsein die Antwort offenbar nicht zu geben imstande war, wandte ich mich der Esoterik zu, begann von Däniken, Bücher über Pyramidenkräfte und ähnliches zu lesen. Obschon ich doch im Innersten wusste, dass es nur einen – den richtigen – Gott geben könne, war ich doch anfällig für diese Art Literatur.

SIE: Zunächst hielt ich an meinem kindlichen Glauben fest. Erst als ich in der Schule Religion zu unterrichten hatte, verspürte ich ein gewisses Unbehagen. Ich konnte die Bibel mit dem Verstand lesen, aber irgendwie ahnte ich, dass ich nicht begriff, was eigentlich gemeint war. Ich fühlte, daß bei mir etwas fehlte. Bei meinem Mann gab es nun Zeitabschnitte großer Unzufriedenheit. Ihm zu helfen, vermochte ich nicht. Ich begann, heimlich für uns zu beten. Eine Erhörung war aber nicht festzustellen.

Das Unerwartete

ER: Eines Tages wurde ich von einem Freund auf die IVCG hingewiesen, und in der Folge nahm ich öfter an IVCG-Vortragsveranstaltungen teil. Diese Veranstaltungen lernte ich wegen der interessanten Themen und dem intellektuellen Niveau sehr zu schätzen, aber in meiner Suche nach dem Sinn brachten sie mich zunächst nicht weiter. Schließlich meldete ich mich zu einer sogenannten IVCG-Gesprächsrunde an, bei der in kleinem Kreis die Kernaussagen des Evangeliums besprochen wurden. Zum ersten Mal in meinem Leben wurden mir dort Zusammenhänge aufgezeigt, die ich weder in der Kirche noch anderswo vorher gehört hatte – und doch war es genau das, was in der Bibel stand, wovon ich mich mühelos überzeugen konnte, als ich diesen Bestseller aller Zeiten endlich einmal selber in die Hand nahm und studierte.

Hier ging es in erster Linie gerade nicht um das Befolgen einer toten Struktur ethischer Regeln, sondern um das Nachfolgen einer lebendigen Person! Nicht in erster Linie um das Einhalten moralischer Gesetze sondern um eine innerlich als Wahrheit erfahrbare geistliche Gemeinschaft mit der Person Jesus Christus – aus der dann laut Bibel auch der Wunsch und vor allem die Kraft zu Einhaltung dieser Ordnungen resultieren sollte. Das war für mich durch und durch rational veranlagten Menschen zunächst starker Tobak – umso mehr, als mir gezeigt wurde, dass diese Erfahrung genau dann einsetzen sollte, wenn man diesem Jesus Christus die Führung des eigenen Lebens anvertraut, anstatt nur immer unter der Regie des eigenen, kleinen, begrenzten, egoistischen, ängstlichen Ich weiterzumachen.

Aber das Unerwartete geschah: Als ich diesen Schritt als willentliche Entscheidung vollzog, setzte eine Erfahrung ein, die ich vorher nie für möglich gehalten hätte: Ich begann tatsächlich, diesen Jesus als lebendigen Gegenüber wahrzunehmen, in dem sich mir ganz allmählich, ganz sanft aber unmissverständlich, das Wesen von keinem Geringeren als dem Schöpfer dieses Daseins offenbart. Und damit hatte für mich der Sinn des Lebens eingesetzt.

So schwer diese Erfahrung jemanden erklärt werden kann, der sie noch nicht gemacht hat, so viele Menschen gibt es überall in der Welt, denen diese Erfahrung der Mittelpunkt ihres Lebens ist – so auch bei den Mitarbeitern der IVCG, die mir zu diesem Leben verholfen hatten. Und nun hatte sie auch bei mir eingesetzt!

Sie: Ich werde den Augenblick nie vergessen, wo mein Mann wieder von diesem Gesprächsrunden-Wochenende zurückgekehrt war und strahlend vor Freude vor mir und den Kindern stand. Er war wie verwandelt, wie ein neuer Mensch. Aber was war nun mit mir? Mein Mann drängte. Er wollte, dass ich an solch einer Gesprächsrunde mitmachte. Das dauerte eine Zeit, aber als ich mich endlich dazu entschlossen und teilgenommen hatte, kam auch ich mit dieser Erfahrung nach Hause zurück.

Christ sein

ER: Was hat sich nun in unserem Leben geändert? Vor allem eines: Es geht nicht in erster Linie um ein christlich-sein, sondern um ein Christ sein. Nicht um ein Verhalten, sondern um ein neues Sein, aus dem das Verhalten dann erst resultiert. Das erste Merkmal dieses neuen Lebens ist Frieden mit sich selbst und mit Gott. Was das bedeutet, kann am besten der ermessen, der im Unfrieden lebte oder lebt. In diesem Frieden liegt die Erfahrung des Sinns des Lebens.

SIE: In unserer Familie kehrte Glück, Frieden und Harmonie ein, wie sie nur aus diesem inneren Frieden resultieren kann. Wir sprechen jetzt über den Glauben und sind uns dadurch auch in allen anderen Dingen viel näher gekommen.

ER: Das Leben eines Christen ist wachstümlich. Erst allmählich lernte ich die Eigenschaften des neuen Lebens kennen. Zum Beispiel sagt Jesus an einer Stelle in der Bibel (Lukasevangelium, Kapitel 9, Vers 23): "Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst." Zunächst unverständlich und vielleicht auch abschreckend, hat es heute seinen Sinn in meiner persönlichen Erfahrung gefunden, nämlich: Wer aus der Kraft meines Lebens leben will, der gebe die Regie seines Lebens an mich ab. Seit ich die Bedeutung dieses Wortes erkannt habe, tue ich es. Und ich wurde nie enttäuscht. Diese Haltung führt zu einer tiefen inneren Sicherheit und Gelassenheit, die mir ermöglicht, auch in schwerwiegenden und kritischen Fragen – gleichsam als Erhörung meiner Gebete – die richtigen Entscheidungen zu treffen.

SIE: Inzwischen bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass auch meine früheren Gebete erhört worden sind. Ich erkenne, dass Gott sogar frühere Fehler oder Unterlassungen zum Guten wendet. So war der Beginn unseres Lebens als Christen ohne die vorherigen Irrungen, und zu einem früheren Zeitpunkt wohl gar nicht möglich gewesen.

ER: Darin liegt eine weitere wichtige Erkenntnis: Dass gerade auf der dankbaren Annahme aller Situationen ein großer Segen liegt. Auch in schwierigen Situationen wissen wir uns geborgen an der Hand Gottes. Glücklich und dankbar sind wir auch, dass meine Frau und ich diesen Weg gemeinsam gehen dürfen. Er ist unsere Norm, und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken.

Wie schön wäre es, wenn dieses Leben mit Jesus Christus gemeinhin die Norm wäre!