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Die IVCG

 
Ausgabe 06/08 

Ohne Kinder keine Zukunft

Die Geburtenrate hat weltweit stark abgenommen. Die neuesten Prognosen rechnen damit, dass die Menschheit – anders als früher erwartet – nur noch von gegenwärtig 6,7 auf 9 Milliarden ansteigen, danach aber stagnieren und später sogar schrumpfen wird. Da es aber ohne Kinder keine Zukunft gibt, muss man heute Robert Jungk leider erwidern, dass die Zukunft schon vorbei ist.

Natürlich muss man den Begriff Geburtenrückgang im Einzelfall unterschiedlich interpretieren. Wenn in einem Land die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau von acht auf vier Kinder zurückgeht, dann nimmt die Bevölkerung noch immer zu, nur nicht mehr so explosionsartig wie zuvor. Wenn dagegen in einem Land die durchschnittliche Kinderzahl unter zwei sinkt (die genaue Schwelle liegt bei 2,1), dann sterben mehr Menschen, als geboren werden, und die Bevölkerung beginnt zu schrumpfen.

Der Aussterbe-Effekt

Dies trat erstmalig in Deutschland ein, und zwar zu Beginn der 1970er Jahre. In wenigen Jahren veränderte sich die Lebenseinstellung so, dass nur noch etwa 1,2 bis 1,4 Kinder pro Frau zur Welt kamen. Zunächst blieb dieser Effekt ohne große öffentliche Beachtung. Von manchen Seiten, auch von politisch Verantwortlichen, wurde er sogar begrüßt. Das änderte sich erst später, als sich zeigte, dass dieser Vorgang dauerhaft war und seine Folgen schließlich beängstigende Ausmaße annahmen. Erst seit einigen Jahren wird die eingetretene Situation allmählich auch politisch zur Kenntnis genommen. Dabei verniedlichen die Politiker das Problem sprachlich gerne zum ‘demografischen Wandel’, so als wenn man während eines Großbrandes vom ‘thermischen Wandel’ reden würde. Denn das Verhältnis der beiden erwähnten Zahlen 1,4 und 2,1 zeigt, dass seit Jahrzehnten tatsächlich nur zwei Drittel der Anzahl von Menschen geboren wurden, die zur Erhaltung der Bevölkerung erforderlich gewesen wären. Und da die hauchdünnen Jahrgänge, die seit 1970 geboren wurden, längst in das Heiratsalter gekommen sind, ging die Zahl der Eheschließungen schon allein aus diesem Grunde stark zurück. Es kommt aber hinzu, dass die Bereitschaft, überhaupt noch zu heiraten und eine Familie zu gründen, bei der jungen Generation stark nachgelassen hat. So ergab eine Umfrage unter Studentinnen in Deutschland, dass 44 Prozent von ihnen zeitlebens kinderlos bleiben möchten. (Eine Befragung männlicher Studenten dürfte vielleicht sogar noch alarmierender ausfallen.) Daher stirbt dieser Teil der Bevölkerung zurzeit noch schneller aus als andere.

Auch auf andere europäische Länder hat der starke Geburtenrückgang mittlerweile übergegriffen, selbst auf Italien und Spanien. Doch sind dort die Folgen vorerst noch weniger spürbar, da der Vorgang erst einige Jahrzehnte später begonnen hat.

Die Folgen

Und die Folgen? Im Bundesland Sachsen- Anhalt wird die Hälfte aller Schulgebäude nicht mehr benötigt, und ähnliche Zustände herrschen auch anderswo. In manchen Orten stehen bereits Wohnungen und Straßenzüge leer, und Häuser finden keine Käufer mehr.

Schon heute leiden Millionen von älter gewordenen Menschen darunter, dass sie keine Angehörigen mehr haben. In vorgerückten Jahren vereinsamen sie und sind auf unpersönliche Fremdbetreuung angewiesen.

Die Allgemeine Rentenversicherung kann, da es nur noch relativ wenige Beitragszahler gibt, die wachsende Zahl von Renten nur auszahlen, weil sie aus Steuergeldern subventioniert wird. Junge Leute rechnen daher nicht mehr damit, später noch eine einigermaßen ausreichende Rente zu erhalten. Ähnlich ist die Lage der Krankenkassen und der anderen Teile des Sozialsystems. Denn der gesamte Sozialstaat war finanziell auf der Gewissheit aufgebaut, dass ‘die Menschen immer Kinder haben’ würden, wie es Konrad Adenauer, der erste deutsche Bundeskanzler, 1957 ausdrückte. Er ahnte nicht, dass später einmal ein Aussterbe-Effekt dieses Wort zum größten politischen Irrtum seiner Zeit machen und den Zusammenbruch seines Sozialsystems herbeiführen würde.

Die Industrie sucht bereits vergeblich nach Fachkräften, z.B. Ingenieuren und Informatikern. Nicht einmal für einfache Ausbildungsplätze gibt es genügend viele qualifizierte Jugendliche.

Die Ursachen

Wo liegen die Ursachen dafür, dass heute so erschütternd wenige Kinder gewünscht und geboren werden? Um es gleich vorwegzunehmen: Der Geburtenrückgang in Europa lag nicht an der Pille oder anderen Verhütungsmitteln. Denn sie standen in anderen Ländern, etwa in den USA, früher zur Verfügung, ohne dort zu solchen Folgen zu führen. Auch die verbesserten Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen führen nicht automatisch zu einer Senkung der Geburtenrate, wie die Erfahrungen anderer Länder gezeigt haben.

Nein, die tieferen Gründe liegen in einer veränderten geistigen Einstellung. In Deutschland zeigte sie sich um 1968 gerade auch darin, dass unter Gleichberechtigung von Mann und Frau plötzlich ihre Gleichartigkeit und die Gleichheit ihrer Rollen im Leben verstanden wurde. Ein damals neues Frauenbild führte dazu, dass nur noch die erfolgreiche Karrierefrau geachtet, die Hausfrau und Mutter dagegen belächelt und oftmals verhöhnt wurde. Dabei trifft die Schuld an dieser schlimmen Fehlentwicklung sicher überwiegend uns Männer; denn schließlich wurde ja die neue Ideologie überwiegend von männlichen Agitatoren verbreitet und als Druckmittel gegen Frauen verwendet.

Die neuen Paradigmen hießen schrankenlose Selbstverwirklichung, ‘sexuelle Befreiung’ und Leben nach dem Lustprinzip. Die herkömmliche Familie wurde von der 68er Ideologie als eine überholte Institution diffamiert, in der angeblich seit Jahrtausenden repressive Gewalt ausgeübt wurde. Die Kinder sollten endlich von der Notwendigkeit befreit werden, Vater und Mutter zu gehorchen, sondern ihnen gegenüber demokratisch gleichberechtigt sein.

So hat eine über tausend Jahre alte, früher christlich geprägte Kultur ihr eigenes Ende eingeläutet – biologisch, moralisch, politisch und vor allem geistlich.

Die Antwort

Und die Antwort? Kann man die Geburtenrate wieder steigern, wie es manche jetzt – mit Jahrzehnten Verspätung – als notwendig erkennen? Geht es um finanzielle Anreize für junge Eltern? Soll man mehr Kleinkinderbetreuung in den Betrieben einführen, um den dort tätigen Müttern zu helfen? Sollen die Männer besser für Aufgaben in der Familie geschult und motiviert werden? Soll man Gesetze gegen die Benachteiligung von Familien mit Kindern einführen und gegen die Diffamierung der Mutter-Rolle? Mag sein, dass in der jetzt eingetretenen Notlage jeder dieser Vorschläge bedenkenswert ist. Für eine wirkliche Lösung greifen sie jedoch alle zu kurz.

Dasselbe gilt auch von den naiven Plänen, die Erdbevölkerung durch riesige interkulturelle Wanderungsströme einfach so umzuverteilen, dass die Obdachlosen aus fernen Armutsgebieten die nicht mehr ausgelasteten Industrieanlagen und Hochhäuser europäischer Länder übernehmen. Denn leider hat die Erfahrung bereits gezeigt, dass dadurch mehr neue Probleme geschaffen als vorhandene gelöst werden.

Die wahre Antwort muss viel tiefer reichen. Denn es geht um nichts weniger als eine radikale, heilsame Veränderung der vorherrschenden Lebenseinstellung. Hier helfen weder moralische Appelle noch politische Prognosen oder gar persönliche Vorwürfe wegen gewollter Kinderlosigkeit aus materiellen Gründen. Statt dessen braucht ein Mensch eine neue Sinnerfahrung, die nur aus der Tiefe kommen kann. Dort aber kann ihn letztlich nur Gott, sein Schöpfer erreichen …

Eine Rückkehr zu Gott ist nicht ohne Eingeständnis unserer Schuld möglich. Diese Schuld besteht nicht nur aus einzelnen Handlungen, sondern aus der falschen Gesamtrichtung unseres Lebens. Wer sich einfach vom Zeitgeist treiben lässt, der wird heute in eine falsche, letztlich zerstörerische Richtung mitgerissen. Er braucht Vergebung dieser Schuld, bevor seine Lebenseinstellung in der Praxis neu werden kann. Wer sich nie wirklich nach den Maßstäben Gottes orientiert hat, der braucht ganz neu eine Antwort auf die Frage, wozu Gott ihn geschaffen hat und welchen Lebensauftrag Gott damit verbindet. Dazu gehört auch die Berufung, Mann oder Frau zu sein.

Viele entdecken so auch ganz neu den Sinn der biblischen Zusage1, dass Kinder ein besonderes Geschenk Gottes sind. Sie bereichern uns als Eltern so ungemein, dass dadurch jeder finanzielle Aufwand, jede eventuelle Einschränkung bei Lebensstandard, Nachtruhe oder Freizeitgestaltung hundertfach aufgewogen wird. Wenn man ein kleines Kind auf dem Arm hält – und wenn es dazu noch ein eigenes ist – dann spürt man etwas von der Güte und Herrlichkeit Gottes und von seiner unbeschreiblichen Liebe zu uns Menschen.

Wer einen solchen Neuanfang mit Jesus Christus macht, der wird auch bereit sein, seine persönlichen Lebensverhältnisse von ihm bereinigen und neu ordnen zu lassen. Erfahrungsgemäß führt dies zu sichtbaren Veränderungen im Lebensstil, und zwar auf jedem denkbaren Gebiet.

Wenn in einem Volk viele diesem Ruf zur Umkehr und Neuwerdung folgen, dann werden gefährdete Ehen wieder geheilt und neue geschlossen. Dann werden wieder mehr fröhliche, mit Liebe erwünschte und umsorgte Kinder geboren. Nur so könnte es sein, dass es nach der gegenwärtigen Katastrophe doch noch eine Zukunft gibt.


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1 Psalm Nr. 127, Satz 3

Der Autor

Bodo Volkmann

Prof. Dr. rer. nat. Bodo Volkmann

D-Möglingen

verheiratet mit Waltraut Volkmann, vier Töchter, sieben Enkelkinder,Emerit. Ordinarius für Mathematik der Universität Stuttgart

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