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Die IVCG

 
Ausgabe 06/06 

Gesucht: Persönlichkeiten mit Profil

Es gibt sie noch, die Persönlichkeiten mit Profil. Allerdings wurde die Gesellschaft in den letzten Jahren immer wieder erschüttert durch Skandale von Wirtschaftsführern, die durch höchst egoistisches Verhalten wie unverhältnismäßig hohe Gehälter oder Abfindungssummen von sich reden machten. Oft kassierten gerade jene Manager, die ihr Unternehmen in tief rote Zahlen geführt hatten. Bedenklich ist auch das neue Virus «Shareholder Value». Mit der Gewinnmaximierung als oberstem Ziel werden tausende von Menschen entlassen, obwohl sie zum Teil langjährig gute Arbeit leisteten. Gleichzeitig steigt der Stress für die Weiterbeschäftigten enorm. Dabei unterscheide ich klar zwischen Unternehmen, die umstrukturieren müssen, um überleben zu können und solchen, die florieren, jedoch die Forderung der Aktionäre nach mehr Gewinn in den Vordergrund stellen.

Zehntausende von Managern stehen heute auf der Straße. Sie haben alles für ihr Unternehmen gegeben, oft die Familie und die Gesundheit geopfert. Sie haben Mühe, mit über 50 Jahren wieder eine Arbeitsstelle zu finden, sind frustriert, deprimiert und brauchen nicht selten fachärztliche oder psychologische Hilfe.

Wo liegen die Ursachen dieser Denkweise vieler Wirtschaftsführer? Christa Meves, christliche Psychotherapeutin aus Deutschland, nennt in ihrem Buch «Mein Leben» einige, meines Erachtens sehr zutreffende Gründe. Die 60er-Jahre brachten der Naturwissenschaft einen Siegeszug; man glaubte an die totale Machbarkeit des Menschen dank der Wissenschaft. Viele, besonders Intellektuelle, wandten sich vom christlichen Glauben ab. Und obwohl in den vergangenen zwanzig Jahren eine große Ernüchterung dieser universellen Machbarkeit gegenüber eingetreten ist, hat die Gesellschaft nicht mehr zum biblischen Glauben zurückgefunden.

Zerstörerische Kräfte machten selbst vor Kirchentüren nicht Halt. Moderne Theologen haben den biblischen Glauben «entmythologisiert» und Jesus Christus, den Sohn Gottes, zum Sozialreformer degradiert. Die Kirchen leerten sich, weil die Menschen nicht mehr das «Brot» bekamen, nach dem sie Verlangen hatten.

Ohne den Einfluss des Wortes Gottes schwanden auch die christliche Ethik und damit das Verantwortungsbewusstsein, vor allem der Verantwortungsträger. Der Egoismus nahm in allen Bereichen kräftig zu. Eine gottferne Philosophie führte dazu, dass nur noch ein möglichst hoher materieller Gewinn angestrebt wurde. Der Mensch verlor die Mitte und damit auch das Maß. Dies ist nicht nur ein Wertewandel, sondern ein großer Wertezerfall! Viele der heutigen Manager sind Kinder dieser Entwicklung. Falsch wäre eine fatalistisch geprägte Denkweise, die bezweifelt, dass diesem Zeitgeist etwas entgegengesetzt werden kann. Denn viele Menschen haben erkannt, dass dieses kurzfristige, einseitig materielle Denken nicht die Lösung sein kann. In jeder Epoche gab es Menschen, die, zum Segen der Gesellschaft, aus innerer Kraft eine Gegenbewegung auslösten. Ich denke beispielsweise an die ersten Christen. Die Zeit Jesu war eine trostlose Zeit. Gewalt, Brutalität und Ausbeutung prägten das Geschehen. Es gab keine Menschenrechte. Die Frauen wurden unterdrückt. Neben enormem Reichtum herrschte große Armut. Wenige einfache Christen brachten in jene Welt hinein eine Antikultur, eine neue Botschaft. Diese veränderte Menschen und wurde zu einer großen Bewegung, die die Welt so nachhaltig veränderte wie keine Ideologie.

Was sind denn nun die Merkmale einer Persönlichkeit mit Profil?

Eine integre Person, die auf Grund ihrer moralischen Qualitäten in der Öffentlichkeit Ansehen, Respekt und Anerkennung verdient, verfügt über folgende Eigenschaften: Sie ist glaubwürdig, durch und durch ehrlich, hat ein feines Gespür für Gerechtigkeit und Fairness, ist treu und vertrauenswürdig. Sie schenkt ihren Untergebenen Vertrauen, führt kompetent mit Weisheit, Durchblick, Reife, Entscheidungsstärke und Überzeugungskraft. Eine Persönlichkeit mit Profil bleibt auch in schwierigen Zeiten ruhig, kann sich in ihr Gegenüber hinein versetzen, lebt Nächstenliebe und zeigt Wertschätzung.
Diese Qualitäten gehören zu den tragenden Fundamenten des menschlichen Lebens. Sind sie nicht wenigstens in einem Minimum vorhanden, ist eine soziale Marktwirtschaft gar nicht möglich!

Bereits die Bibel sagt, dass Vorgesetzte innerhalb einer christlichen Gemeinde Vorbilder sein sollen.1 Dabei wird nicht von fachlichen Fähigkeiten gesprochen. Die werden als selbstverständlich vorausgesetzt. Vielmehr werden ausschließlich die Charaktereigenschaften des Anwärters beschrieben. Leider sehen wir heute in der Wirtschaft oft das Gegenteil. Gravierende Charakterschwächen lassen sich jedoch nie mit großartigen Fähigkeiten, Reichtum und Prominenz ausmerzen.

Wie wird man zu einer Persönlichkeit mit Profil?

Diese Qualitäten können an keiner Universität erlernt werden. Woher also Weisheit, Durchblick oder Kraft nehmen, um gerecht zu handeln, manchmal sogar gegen die eigenen Interessen? «Wir müssen von innen nach außen handeln», sagt der Managementberater Stephan R. Covey. Erwiesenermaßen kann sich der Mensch jedoch nicht selbst verändern. Doch Jesus kann verändern! Er spricht die Menschen im Herzen an.

  • Jesus vergibt Schuld. Der Mensch bekommt Frieden mit Gott und mit sich selbst. Das entspannt.
  • Gott schafft durch seine schöpferische Liebe Originale. Da gibt es keine Gleichmacherei. Viele Originale zusammen ergeben in der Gesellschaft ein organisches Ganzes.
  • Jesus schenkt jedem, der ihm vertraut, Weisheit und den nötigen Durchblick. Also ganz praktische Führungshilfen.
  • Das Lesen und Hören von Gottes Wort, der Bibel, verändert den Menschen mehr und mehr. Jesus wird als Vorbild erkennbar.
  • Leben und Arbeit bekommen Sinn und machen deshalb Freude.

Ein anderer Führungsstil

Die Bibel zeigt mit der zitierten Aussage von Jesus einen Führungsstil auf, der den Menschen ins Zentrum stellt: «Die Könige herrschen über die Völker wie Tyrannen, und die Machthaber unterdrücken, wen sie können. Aber gerade so darf es bei euch nicht sein. Wer groß sein will, der soll den anderen dienen, und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen.»2

Da ist ein anderer Geist spürbar. Ein Denken, das langfristig Erfolg haben wird, während die kurzfristige, einseitig materielle Ausrichtung von Misserfolg begleitet und absturzgefährdet ist.

Während normalerweise der Vorgesetzte befiehlt und die Mitarbeiter für Fehler rügt, dient der Chef, der christliche Grundwerte ernst nimmt, seinen Mitarbeitern. Er instruiert, unterstützt, ermutigt, räumt Kompetenzen ein und vertraut seinen Mitarbeitern. Er lobt, und er hilft, gemachte Fehler zu korrigieren. Ein großer Unterschied des Arbeitsklimas!

Während Mitarbeiter im ersten Fall frustriert und demotiviert sind, weil sie es dem Chef nie Recht machen können, sind die Mitarbeiter des dienenden Chefs motiviert, arbeiten gerne und kreativ. Während Vorgesetzte im Normalfall die Ehre für sich beanspruchen und vielleicht sogar eigene Fehler auf die Mitarbeiter abwälzen, steht ein dienender Chef zu seinen eigenen Fehlern, und er teilt Erfolge, indem er teambezogen kommentiert: «Wir haben das erreicht.» In diesem Zusammenhang las ich von neun Menschen mit einer Behinderung, die einen Wettlauf veranstalteten. Während des Laufs fiel einer hin und konnte nicht allein aufstehen. Alle übrigen acht gingen zu ihm hin, halfen ihm auf. Gemeinsam liefen die Neun anschließend durchs Ziel. Da ging es nicht um den Sieg eines Einzelnen, sondern darum, gemeinsam das Ziel zu erreichen.

Nichts motiviert einen Mitarbeiter mehr, als ein tägliches Lob. Und nichts gibt ihm eine größere Geborgenheit als ein Vorgesetzter, der hinter ihm steht, selbst dann, wenn Fehler geschehen sind. Das Wissen darum, dass man angenommen ist, schafft Verbundenheit und Nähe zum Unternehmen. Ein dienender Chef überschätzt sich nicht selbst und ist offen für die Vorschläge seiner Mitarbeiter. Er hört sich auch deren Sorgen an. Beides fördert eine besondere Beziehung zum Unternehmen.

Fazit: Der egoistische Chef erlebt Unzufriedenheit unter dem Personal, demotivierte Mitarbeiter und eine große Fluktuation, die das Unternehmen viel Geld kostet. Der dienende Chef wird erleben, dass sein Unternehmen wachsenden Erfolg hat.

Dieselbe Sicht auch für die Kunden

Wer seine Kunden als bloße Geldeinnahmequelle sieht, wird bald Kundschaft verlieren. Der Erfolg eines Unternehmens wird sich einstellen, wenn es gelingt, die Kunden mit der Qualität der Produkte, dem Preis- Leistungsverhältnis und dem persönlichen Umgang positiv zu überraschen oder sie womöglich sogar dazu zu bringen, anderen begeistert von diesen Erfahrungen zu erzählen. Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, dienende Führung, motivierte Mitarbeiter und dadurch auch zufriedene Kunden sind die wohl wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Unternehmen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Firmen mit Werten – oft inhabergeführte – die längste Lebensdauer haben, während solche, die kurzfristig einen hohen Gewinn anstreben, in der Regel nach wenigen Jahren scheitern.

Und nicht zuletzt lösen erfolgreiche Unternehmen einen positiven Kreislauf in der Gesellschaft aus: Zahlt ein Betrieb gerechte Löhne und beteiligt er die Mitarbeiter womöglich sogar in irgendeiner Form am Gewinn, dann haben die Angestellten die Möglichkeit, ihrerseits wieder Geld auszugeben: Ein Kreislauf der Mittel, der für Aufschwung und Wohlstand sorgt!

Ich bin überzeugt, dass unser Unternehmen sich dank der bewussten Ausrichtung auf christliche Grundwerte und dem spürbaren Segen Gottes durch Schwierigkeiten hindurch so positiv entwickelt hat. Durch ein Leben des Dienens habe ich viele liebe Freunde gewonnen. Ebenso sehe ich unser Ehe- und Familienleben als ein Geschenk Gottes. Ich bin seit 41 Jahren mit Christa verheiratet und freue mich, dass unsere vier Kinder nach demselben Geist leben. Das Schönste ist, dass ich dank der Zusagen in der Bibel auch im dritten Lebensabschnitt, wo man sich zusehends mehr Gedanken über den Tod macht, zuversichtlich bleiben kann: Jesus schenkt allen, die an ihn glauben, ewiges Leben.

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1 Titusbrief, Kapitel 1, Sätze 6-8
2 Matthäus, Kapitel 20, Sätze 25-27

Der Autor

Robert Rahm

Robert Rahm

CH-Hallau

führte bis Ende 2005 zusammen mit seinem Bruder die 1945 gegründete familieneigene Rimuss- und Weinkellerei Rahm mit 40 Mitarbeitenden, ist verheiratet mit Christa Rahm und hat vier erwachsene Kinder.

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