

Sie lesen diesen Artikel,1 weil Sie sich davon Erfolg versprechen. Jede menschliche Handlung erfolgt, weil sich der Mensch davon – bewusst oder unbewusst – (irgendeine Form von) Erfolg verspricht. Damit schreiten wir in die Zukunft, hoffend, dass unsere Handlungsstrategien zu «Erfolg» führen werden. Über die Zukunft wissen wir genau zwei Dinge: Erstens, sie kommt und zweitens, sie ist ungewiss. Und das ist beunruhigend.
Die permanente Transformation Die Zeiten sind vorbei, wo sich ein Unternehmen leiten ließ wie ein Flugzeug, das kontinuierlich im sanften Gleitflug seinem Ziel zustrebt. Es ist nicht so, dass in einer Firma zuerst dramatische Dinge passieren, die plötzlich Restrukturierungen und einen Wendepunkt (Turnaround) erfordern. Der Wandel ist das tägliche Brot der Unternehmensleitung geworden. Restrukturierungs- Bedarf ist immer ein Beleg für eine verpasste Transformation, die früher angestanden hätte. Das stellt hohe Anforderungen, vor allem an die Führungskräfte.
Wie funktionieren Menschen? Das wollte ich schon als kleiner Junge immer wissen. Und was hält die Welt im Innersten zusammen? So las ich schon früh Nietzsche und Freud und fragte nach dem Motiv. Warum tun Menschen, was sie tun? Warum streben Menschen danach, erfolgreich zu sein? Und: Was ist Erfolg? Erfolg ist ganz einfach! Es gibt zwei total unterschiedliche Ansichten, wie darüber gedacht wird. Die landesübliche Definierung meint: Erfolg heißt Ziele erreichen. Das hat zu tun mit Talenten, mit Begabung, Ausbildung, Ausdauer, Fähigkeiten.
Es gibt eine ganz, ganz andere Möglichkeit, Erfolg zu definieren. Deshalb lautet meine Frage: Wie viel Erfüllung erfahren Sie? Wir möchten gerne ganz viele Ziele erreichen und dabei ganz erfüllt sein. In unserer Kultur spiegelt sich die – unbewusste – Überzeugung: Wenn wir uns viel, viel Mühe geben, dann werden wir Ziele erreichen und erfüllt sein. Wenn ich viel Geld verdiene, wenn ich Anerkennung verdiene, wenn ich mit meiner Arbeit viele Diplome sammle usw., dann werde ich Erfolg haben. Nur so ist zu erklären, dass wir so viel Energie aufbringen für so objektive Ziele wie «viel Geld» verdienen. Wenn das stimmen würde, müssten Leute, die wenige Ziele erreichen dann auch wenig Erfüllung erfahren.
Meine andere – ganz einfache – Definition: Erfolg ist Gottes Freund sein.
«Werde, der du bist!» Menschen sind wie Börsenkurse; sie sind ihre Zukunft. Börsenkurse spiegeln nicht die Leistung eines Unternehmens, sondern die Erwartung der Aktionäre an die Zukunft des Unternehmens. So sind Menschen auch. Wir sind unsere Zukunft.
Heute ist gefragt, wer «jung» ist. Jung ist nach meiner Überzeugung der Mensch, der an seiner Zukunft mehr Freude hat als an seiner Vergangenheit.
Es gibt «senile» Teenager; die «Null- Bock-Generation» ist senil, noch bevor sie volljährig ist. Und es gibt «jugendliche » Greise, die darüber reden, was sie noch alles planen und umsetzen und genießen werden.
Verlieben Sie sich Wenn Sie ganz und gar verliebt sind haben Sie eine wirkliche, eine realistische Sicht der Welt. Die Liebe beflügelt Sie, Sie haben Hoffung und sind gewiss, dass das Leben, dass Sie selbst, Sinn machen.
Verliebt macht plötzlich die ganze Welt Sinn. Alles – Zukunft und auch Vergangenheit leuchten in neuem Licht auf. Verliebt sein ist der einzige vernünftige Zustand des Menschen. Und nur Leute, die in die Zukunft verliebt sind, sollten Unternehmen führen. Solche Unternehmer sind für ihre Mitarbeitenden sozusagen Botschafter der Zukunft. Bringen Sie heraus, was Sie sind. Das heißt; sehen Sie Ihre Zukunft optimal und werden Sie so, wie Sie sich sehen. Und als Freund Gottes: werden Sie so, wie Gott Sie sieht. – Gott ist in Sie verliebt. Er hat viel für Sie getan.
Sie haben Talente Menschen gehen durch die Welt, wie wenn sie keine Talente hätten, sie verbergen sie, weil sie sich mit anderen vergleichen (siehe das Gleichnis Jesu der Talente).2 Ihre Talente können Sie reich machen. Aber es ist wie mit dem Geld auf der Bank. Wenn Sie es niemals abheben, merken Sie nicht, dass Sie es haben. Sie müssen es verwenden, um es zu erleben, damit es für Sie wahr wird. Im Geben erst werden Sie reich; im Geben erst merken Sie, wie viel Sie haben und erleben den Sinn all dessen, was Sie haben.
Ihre Sehnsüchte sind nicht Ihre Feinde, die zu hohe Erwartungen wecken und danach bittere Enttäuschungen folgen lassen. Ihre Sehnsüchte lassen Sie erahnen, wozu Sie fähig wären. Gott schenkt Ihnen dieses Sehnen, damit Sie etwas bewegen, an etwas glauben und etwas tun. – Denn Glaube ohne Werke ist tot. – Ihr wirkliches Potenzial werden Sie erst entdecken und wird erst zum Tragen kommen, wenn Sie in eine bewusste und lebendige Beziehung mit Gott treten.
Ein Computer hat ein unglaubliches Potenzial. Um es zu nutzen, müssen Sie danach fragen, was der Hersteller sich dachte und all dies dann «herausholen ». Fragen Sie doch Ihren Schöpfer: «Was hast du dir für mich gedacht, was alles hast du mir gegeben?»
Die zwei Gefühle: Liebe und Angst Liebe ist eine positive Phantasie, Angst eine negative. Die beiden Gefühle liegen in einem permanenten Kampf. Es gibt da viele Derivate; elegante Mischformen. Ein Manager darf eigentlich niemals sagen: «Ich habe Angst.» Man würde ihn für inkompetent halten. Aber gestresst darf er sein. Stress ist aber Angst und heißt: «Ich weiß nicht, ob ich mit meinen Sachen fertig werde.» Wenn Sie das weiterdenken, heißt es: «Ich weiß nicht, ob ich meiner Verantwortung gerecht werden kann. Ich weiß nicht – falls ich meiner Verantwortung nicht gerecht werden kann – was das für mich bedeutet. Überhaupt weiß ich vieles nicht, und das beunruhigt mich.»
Das Beispiel Mandela 1994, in seiner Antrittsrede als Präsident, sagte Nelson Mandela: «Unsere größte Angst besteht nicht darin, machtlos zu sein. Unsere größte Angst besteht darin, dass wir über alle Maße hinaus mächtig sein könnten. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns ängstigt! Wir fragen uns selbst: Wer bin ich schon, dass ich brillant, großartig, begabt, fabelhaft sein könnte? Die Frage ist vielmehr: Wie kannst du dir einbilden, dies alles nicht zu sein?
Du bist ein Kind Gottes. Dein Dich-Klein-Machen dient der Welt in keiner Art und Weise. Im Schrumpfen gibt es nichts Erleuchtetes; du tust es nur, damit sich Menschen um dich herum nicht unsicher fühlen.
Aber: Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns ist, zum Ausdruck zu bringen. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen!
Indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen, geben wir erst anderen Menschen unbewusst die Möglichkeit, dasselbe zu tun. Indem wir von unseren Ängsten befreit werden, wirkt unsere Präsenz automatisch befreiend auf andere.»
Mandela war kein Träumer. Er saß 34 Jahre ungerechtfertigt im Knast. Aber er hat wirklich an seiner Mission festgehalten. Jedem seiner Mitkämpfer sagte er: «Hör’ auf zu hassen! Sinne nicht auf Rache, sondern vergib und glaube an eine bessere Zukunft.» Er hat das so gelebt.
George Bernard Shaw, Nobel-Preisträger in Literatur, sagte: «Es gibt zwei Tragödien im Leben – das eine ist, wenn ein Mensch nie sein Ziel erreicht und die andere Tragödie ist, wenn er sein Ziel erreicht.» Ziele erreichen – Geld, Anerkennung, Diplome, Positionen – führt nicht zwingend zu dem, was Sie zutiefst wollen und suchen, nämlich Erfüllung. Nichts von all dem garantiert Ihnen Erfüllung. Sie können sehr erfolgreich sein. Das Leben kann Ihnen sehr viel Gutes bescheren, wenn Sie sich selbst nicht mögen, werden Sie kein erfülltes Leben haben.
Freundschaft mit Gott ist Erfüllung Wir sind auf dieser Welt, um Freunde Gottes zu sein. Jede Freundschaft beginnt mit einer Begegnung.
Der Mensch ist kein materielles, physisches Wesen; er ist ein spirituelles Wesen. Gott hat sich uns gedacht. Er will Sie und mich. Das Potenzial ist all das, was sich Gott für einen jeden gedacht hat. Jesu Worte «Es ist vollbracht» ist die totale Erfüllung des Lebens.
4 Stufen der Liebe Jedes Problem lässt sich durch einen mutigen Schritt der Liebe lösen.
Die ersten beiden Formen der Liebe handeln von gewöhnlicher Liebe (Überleben). Außergewöhnlich wird mein Leben, wenn Liebe meine Identität ist (Erfüllung) und auch Feindesliebe gelingt.
Fazit: Erfolg heißt, Gottes Freund sein Füllen Sie Ihr Leben mit Leidenschaft! Bleiben Sie dabei, lernen zu wollen, statt sich zu verteidigen. Bewundern Sie Erfolgreiche, statt sie zu kritisieren. Fokussieren Sie sich auf Ihre Lebensaufgabe, auf Ihre Ziele.
Entwickeln Sie Freude am Staunen. Ihr Dasein ist unendlich wertvoll, Sie sind eine Idee Gottes, die im Geben zur Entfaltung kommt.
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1 Der Aufsatz ist die redaktionell bearbeitete Abschrift eines in der IVCG Bayreuth gehaltenen Vortrages. Die Sprache richtet sich an Zuhörende und ist entsprechend gestaltet.
2 Matthäus, Kapitel 25, ab Satz 15