

Der Titel dieses Artikels zeigt die erste und wichtigste Beobachtung aus dem Reich der Natur: Alles, was noch am Leben ist, verändert sich. Was sich nicht mehr verändert, ist tot. Ein Baum legt jedes Jahr einen weiteren Jahresring zu. Bäume wachsen in der Höhe und in der Breite; langsam, zugegeben, aber sichtbar, wenn über eine längere Periode beobachtet. Eine banale Beobachtung? Möglicherweise. Vielleicht sind es aber genau jene einfachen Beobachtungen, die soviel an Weisheit beinhalten.
Städte wachsen, die Wirtschaft wächst (manchmal auch mit negativen Vorzeichen), der Wohlstand einiger wächst, die Staatsverschuldungen wachsen, die Erdbevölkerung wächst, die Sehnsucht nach Wahrem, Tiefem wächst. Es ist alles in Bewegung. Wir leben. Der viel zitierte Satz «Das einzige Konstante ist die Veränderung» ist so bekannt wie richtig. Wer sich heute Gedanken über seine Zukunftsfähigkeit macht, der sollte in die Richtung der Veränderungsbereitschaft denken.
Wir sind dazu berufen, zu wachsen, uns weiterzuentwickeln, «fort-zuschreiten ». Das Weltwissen verdoppelt sich nun nicht mehr alle sieben Jahre, sondern weit schneller. Die Veränderungen, die sich im Bereich der Technik, der Wirtschaft, der Industrie allein in den letzten 50 Jahren ereignet haben, sind enorm. Dabei sind 50 Jahre in Anbetracht unserer Weltgeschichte ein Bruchteil eines Gedankens. Heute schreibe ich auf einem Laptop mit 2 GB RAM und einer 100 GB Festplatte sowie einem schönen, im Laptop integrierten DVD-Brenner.
Wenn ich das jemandem vor zehn Jahren erzählt hätte, so hätte er mich ausgelacht. Ich telefoniere mit meinem winzig kleinen, leichten Handy und mache damit auch Fotos in einer Million- Pixel-Auflösung. Ich drehe damit Videos, die bis zu zehn Minuten dauern können (die ersten Lebens-Minuten unseres Sohnes im Krankenhaus, kurz nach seiner Geburt, sind bereits auf die kleine Speicherkarte gebannt). Ich verschicke damit kurze Nachrichten, so genannte SMS, lasse mich in der Frühe wecken. Wenn ich in das Auto einsteige, verbindet sich die Freisprech- Anlage automatisch mit dem Handy über ein System, das mit dem neudeutschen Wort «Blue-tooth» bezeichnet wird. Verkehrs-, Wetter- und Staumeldungen fordere ich mit genau diesem kleinen Handy an und bekomme sie auch, tages- und stundenaktuell. Im Auto sitzend, tippe ich innerhalb von wenigen Sekunden den gewünschten Ankunftsort meines nächsten IVCG-Vortragshotels in das Mini-Navigations-System, das mich anstandslos hinführt; auf die Hausnummer und die Uhrzeit genau. Damit könnte ich aber auch MP3-Musik- Dateien anhören oder mir verschiedene Restaurant-Vorschläge in der Umgebung machen lassen. Und wenn ich doch die falsche Ausfahrt nehme, wird sofort eine Neuberechnung der Route durchgeführt und eine freundliche Stimme bringt mich wieder auf den richtigen Kurs. Das alles ist heute möglich. Es ist vieles gewachsen, es hat sich vieles entwickelt.
Was hat das mit uns zu tun? Von vielem können wir profitieren. Einiges macht Sorgen und löst berechtigte Bedenken aus. Auch Gier kann wachsen, nach Geld, nach Macht, nach Besitz. Leider wächst aber auch die Einsamkeit, die Vereinsamung. In Zeiten der vereinfachten Kommunikation durch E-Mails und Handys reden gerade Jugendliche so wenig wie noch nie zuvor miteinander. Dort, wo wir früher unsere Konversationen auf Bäumen geführt haben, sind so genannte «Chat-Rooms» aufgetaucht, virtuelle Treffpunkte, in denen die Benutzer isoliert, weil alleine vor ihren Bildschirmen sitzend und ihre Tastaturen bearbeitend, versuchen, mit anderen in Kontakt zu kommen.
Auch wir Menschen verändern uns, ob wir wollen oder nicht. Dabei sind insbesondere zwei Dimensionen zu unterscheiden: Unsere körperliche Veränderung ist die erste. Hier ist das Wachstum in unserer ersten Lebenshälfte, beziehungsweise im ersten Lebensdrittel am stärksten. Unser Sohn wiegt mit seinen sieben Monaten knapp 10 kg. Vor einigen Monaten hielt ich ihn noch mit 3.600 Gramm in den Händen. Wunderbar. Er wächst. Und so natürlich! Aber sein körperliches Wachstum wird aufhören. Was dann? Er wird wieder schwächer und kleiner werden. Zum Glück bestehen wir aber nicht nur aus dem Körper.
Die meisten von uns können sich auf den Gedanken einigen, dass wir auch noch aus Geist und Seele bestehen. Und diese zwei «Komponenten» wachsen ebenso. Das Wachstum der Seele (Wille, Verstand, Gefühl) kann gezielt gefördert werden: durch Ausund Weiterbildung, durch Reisen, durch Konversation und eine offene Neugier für all das, was sich im Leben tut. Zum anderen gibt es aber wichtige Persönlichkeits-Merkmale, deren Wachstum nur beschränkt beschleunigt werden kann, auch wenn man sich darum bemüht. Es sind genau die Merkmale, von denen wir uns bewusst oder unbewusst mehr wünschen, denn sie würden einen tatsächlichen Unterschied in unserem Leben ausmachen. Nicht nur in unserem eigenen, denn diese Eigenschaften hätten einen wahrlich Welt verändernden Einfluss: Liebe, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue und einige andere.
Wie jedoch sollen solche Charakteristika und guten Eigenschaften gezielt gefördert werden? Es gibt eine Entspannung für all diejenigen, die bisher versucht haben, das aus sich selbst heraus zu tun (inklusive mir selbst). Und Hoffnung für die, die sagen, so etwas könne man nicht lernen, man hätte es oder halt eben nicht. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Galater: «…der Heilige Geist bringt in unserem Leben nur Gutes hervor: Liebe und Freude, Frieden und Geduld, Freundlichkeit, Güte und Treue, Besonnenheit und Selbstbeherrschung. »1 Ist das nicht großartig? Es gibt einen Geist Gottes, der in uns diese wunderbaren Persönlichkeitsmerkmale aufbaut und unterstützt, wachsen lässt, ohne unser Zutun! Mich entspannt diese Aussage enorm. Aber es wird noch besser: «Gott aber, der dem Sämann Saat und Brot schenkt, wird auch euch Saatgut geben. Er wird es wachsen lassen und dafür sorgen, dass eure Opferbereitschaft Früchte trägt.»2 Darin stecken gleich drei wichtige Botschaften:
Notwendigerweise gibt es für gutes Wachstum gewisse Grundbedingungen: Ein guter Boden, der bereit ist, den Samen aufzunehmen, ist die erste Voraussetzung. Es bietet sich die Frage an, ob unser «Boden», unsere Seele und unser Geist, dazu bereit ist das Wort Gottes anzuhören, zu lesen und, vor allem, die richtigen Entscheidungen und Taten daraus folgen zu lassen. Dann sind es nämlich nicht mehr nur wir, die für ein wenig Wachstum sorgen, sondern es entsteht viel mehr, als wir uns je vorstellen hätten können.
Unser gewachsener Körper stirbt. Unseren angewachsenen Besitz dürfen (müssen) wir hier lassen, die Frucht, all das, was wir uns im Himmel erworben haben, z.B. durch angewandte Nächstenliebe, durch ein freundliches Wort, eine konkrete Hilfestellung, bleibt.
Unser Geist hat die Perspektive, diesem mannigfaltigen Tod zu entrinnen: Er existiert weiter. Wo das sein wird, bestimmen wir bereits jetzt durch unsere Entscheidung. Die Bibel gibt Antwort und Anleitung auf die Frage, wie wir für das ultimative, weil auf die Ewigkeit bedachte, Wachstum sorgen können: «Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.»3 Eine bessere Botschaft gibt es nicht. Der Glaube an Jesus Christus als Sohn Gottes und Retter unseres von Gott entfernten Egos ist die Grundvoraussetzung für den «Einzug» des Geistes Gottes in unser Leben. Die Folge ist, bereits zu unseren Lebzeiten, eine höchst erfreuliche: Mit all dem, was wir selber nicht wirklich bewirken können, beschenkt uns Gott: Dem Wachsen von Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte sowie Treue. Das ist Lebensqualität pur. Jetzt schon und vor allem auf «ewige» Sicht. Was kann es Besseres geben?
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1 Galater, Kapitel 5, Sätze 22-23
2 2. Korinther, Kapitel 9, Satz 10
3 Johannes, Kapitel 3, Satz 16

A-Salzburg
verheiratet mit Marion Schandl, zwei Kinder. Der Unternehmensberater und Coach studierte Wirtschaft in Linz (A) und Siena (I). Heute arbeitet er als Managementtrainer und Vortragender in verschiedenen Ländern Europas und ist Referent der IVCG.