

Beim Thema Planung scheiden sich die Geister: Die einen sind überzeugt, dass zu einem effizienten Leben perfekte Planung gehört. Die anderen behaupten, durch Planung würde die Spontaneität abgewürgt, so dass ein Element kalter Rationalität in unser Leben kommt.
Irgendwie haben beide Seiten Recht. Denn ohne sorgfältige Planung wird niemand höhere Lebensziele erreichen können. Selbst ein Genie wird nur dann auf Planung verzichten können, wenn andere für den regelmäßigen Fluss seiner Einkünfte sorgen, seine verschiedenen Termine koordinieren und für den regelmäßigen Nachschub im Kühlschrank sorgen, auch am Wochenende und nach Ladenschluss. Auf der anderen Seite stimmt es natürlich, dass wir die Fähigkeit brauchen, spontan zu handeln und von vorgefassten Plänen abzuweichen, wenn ein wichtiges, nicht vorhergesehenes Ereignis dies erfordert, mag es ein trauriges sein wie ein plötzlicher Todesfall oder ein schönes wie ein ungewöhnlich herrlicher, farbiger Sonnenuntergang. Hier würden wir manches Bedeutende versäumen, wenn wir pedantisch an dem festhalten wollten, was wir einmal geplant hatten.
Worin liegt also der Sinn, worin der Unsinn der Planung? Am Anfang aller Lebens- und Tagesplanung sollte die Einsicht stehen, dass sich die entscheidenden Rahmenbedingungen unseres Daseins nicht planen lassen. Nicht nur ein Hurrikan oder Erdbeben, nicht nur eine schwere Erkrankung kann unsere besten Pläne zunichte machen, sondern auch bedeutende politische, wirtschaftliche, betriebliche und vor allem persönlich-zwischenmenschliche Ereignisse, die wir nicht vorausgesehen haben. Wie gut, wenn unser Leben dadurch nicht sinnlos wird, sondern einem höheren Plan folgt, der durch solche Ereignisse nicht hinfällig wird.
Viele fangen beim Planen mit den kleinen Zeiteinheiten an, mit einer Stunde, einem Tag, vielleicht einer Woche. Aber durch die Aneinanderreihung solcher Kurzzeit-Pläne entsteht nicht automatisch ein sinnvoler les Leben – genau so wenig, wie ein Autofahrer, der «planmäßig» immer von einer Ampel zur nächsten kommt, dadurch erfolgreich von Zürich nach Warschau gelangen würde.
Planung hat nur dann einen Sinn, wenn wir zunächst das Leben als Ganzes betrachten. Wir brauchen zunächst Gewissheit darüber, welchen Sinn, welches Ziel unser Leben hat. Wer dieser Frage ausweicht oder sie immer wieder verdrängt, der darf sich nicht wundern, wenn sein Leben im Zickzack-Kurs von wechselnden Zeitumständen, eigenen Stimmungen oder falschen, nur vorübergehend befriedigenden Zielsetzungen verläuft und früher oder später zu Frustration und Verbitterung führt. Gut ist es daher, wenn wir bereits in möglichst frühen Jahren begreifen, dass wir unserem Leben letztlich nicht selbst einen «end-gültigen», d.h. auch am Ende noch gültigen Sinn geben können, sondern auf jene Sinngebung angewiesen sind, die uns von Gott, dem Schöpfer und Herrn des Universums, vorgegeben ist. Dann werden wir jener tiefsinnigen Bemerkung zustimmen, die der Jakobusbrief im Neuen Testament zu dem Problem der Lebensplanung macht1: Nun zu euch, die ihr sagt: «Heute oder morgen werden wir in diese oder jene Stadt reisen! Dort werden wir ein Jahr lang Geschäfte machen und viel Geld verdienen. Woher wisst ihr denn, was morgen sein wird? Was ist euer Leben? Es gleicht einem Dampfwölkchen, das aufsteigt und sich sogleich wieder auflöst. Sagt lieber: «Wenn der Herr es will, werden wir noch leben und dies oder jenes tun.»
Gemeint ist hier eine echte Verbundenheit mit Gott, die so realistisch ist, dass sie zu konkreter Lebensplanung eines Menschen wird. (Eine nur theoretische Überzeugung von der Existenz Gottes, auch ein mehr oder weniger vages religiöses Gefühl würde dazu nicht ausreichen.) Vielmehr geht es darum, dass wir Gott bewusst an die zentrale Stelle unseres Lebens treten lassen und alle Bereiche seiner Herrschaft unterstellen – einschließlich des beruflichen bzw. geschäftlichen, von der in der zitierten Bemerkung aus dem Jakobusbrief die Rede ist. Eine so persönlich-reale Verbindung mit Gott kommt jedoch nur durch die Begegnung mit Jesus Christus zustande.
Nicht alle Details der Zukunft lassen sich planen, wohl aber hat unser Leben ein klares, ungeheuer wertvolles Ziel, nämlich den Willen Gottes zu verwirklichen. Wenn man Menschen trifft, die diese Sinngebung erfahren haben, dann spürt man bei ihnen etwas von der zielbewussten Geradlinigkeit, die ja zugleich ein Bewusstsein der Erfüllung vermittelt.
Die Herrschaft Gottes ist für jeden mit einem Lebensprogramm verbunden. Gott hat eine Strategie für die Menschheit. So setzt er für uns das Datum von Geburt und Tod fest. Er bestimmt unsere Rahmenbedingungen: die genetischen Daten, die Umstände der Kind heit und Jugend, die gesellschaftlichen, kulturellen und geografischen Eckdaten eines Menschen. Innerhalb dieses Rahmens gilt es, an die konkrete Führung von Gott zu glauben, sie zu erbitten – besonders in wichtigen Entscheidungssituationen, und ihr dann mit viel Dynamik und Initiative zu folgen.
Unser Leben als Ganzes gleicht einer Reise mit klarem Ziel, mit einem Auftrag. Alle Einzelentscheidungen, die unterwegs zu treffen sind, richten sich danach, ob sie das Erreichen dieses Zieles fördern oder behindern.
Höchste Priorität bei unserer Zeitplanung hat daher der intensive Umgang mit Gott, ohne den die Reise eines Lebens schnell ziellos wird. Für den Glaubenden werden der Dialog mit Gott im Gebet, das Leben mit der Bibel und auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Glaubenden zu natürlichen Lebensäußerungen wie das Atmen.
Dann gilt es, Gott die wichtigen Entscheidungen unseres Lebens zu überlassen.
Die Fragen der Ehe oder Ehelosigkeit wird Gott in einem Leben so entscheiden, wie es seinen Belangen in dieser Welt optimal dient. Den Berufsweg eines Menschen wird Gott so steuern, dass der Betreffende im Rahmen seiner empfangenen Gaben und Fähigkeiten am besten für die Sache Gottes in dieser Gesellschaft wirken kann. Dies gilt nicht nur für Pfarrer oder Missionare, sondern für jeden Beruf.
Aus der Kenntnis unseres Lebensziels und einer zu seiner Verwirklichung dienenden persönlichen, langfristigen Berufung ergeben sich die Planungsentscheidungen für einzelne Lebensabschnitte wie ein Studium, eine Berufsausbildung, einen Auslandsaufenthalt usw. In diesem Sinn prägt das Ganze jeden einzelnen Teil. Dabei empfiehlt es sich, solche Entscheidungen schriftlich zu formulieren und in einer Computer-Datei, in einem besonderen Heft oder Ordner aufzubewahren, um sie von Zeit zu Zeit nachlesen zu können. Dies wird uns helfen, Kontinuität und Ausdauer zu bewahren und die bereits mit Gott getroffenen Grundsatzentscheidungen in schwachen Stunden nicht zu vergessen.
Aus den erwähnten mittelfristigen Plänen und Zielen ergeben sich die Planungsschritte für kürzere Zeiträume wie ein Jahr, einen Monat oder einen einzelnen Tag.
Es gilt, den Tag bewusst mit Gott zu beginnen und im betenden Hören auf ihn die nötigen Entscheidungen zu treffen. Werde ich heute Abend einen kranken Freund besuchen, mich um den Garten kümmern, eine wichtige Sitzung vorbereiten, plaudernd im Familienkreis sitzen oder (sofern dies in der Rangordnung der Prioritäten noch Platz haben sollte) eine bestimmte Sendung im Fernsehen anschauen? Wer eine Liste seiner Vorhaben führt, wie sie sich aus der Planung für das Jahr aufgrund der Zielsetzung für sein Leben ergeben hat, der kann am Morgen einige davon für den heutigen Tag herausgreifen und in seinen Tagesplan aufnehmen (was sich in einer Computer-Datei elegant durch Verschieben von Zeilen an den Anfang der Liste und durch geeignete Kennzeichnung erreichen lässt).
Dieser Planungsvorgang ist gerade für Freiberufler oder solche Führungskräfte wichtig, die selbst über die Zeiteinteilung bei ihrer täglichen Arbeit zu entscheiden haben. Dabei kommt es darauf an, nur einen möglichst geringen Teil des Tages der Uhrzeit nach zu verplanen. Natürlich sind fest vorgegebene Zeiten genau einzuhalten wie etwa 11.00 Gespräch mit den Abteilungsleitern; 13.15 Arbeitsessen mit einer ausländischen Kollegengruppe; 14.30 Zahnarzt oder 20.00 Hauskreis.
Andere Vorhaben für den heutigen Tag, z. B. Blumenstrauß für Gastgeberin kaufen; Steuerberater anrufen; Brief der Staatsanwaltschaft beantworten; Präsentation für Messe vorbereiten; neues Heft von ‚reflexionen’ lesen; Lektion 18 im Italienisch-Buch durcharbeiten – alle diese Vorhaben sollte man am Morgen planen, jedoch ohne Festlegung von Uhrzeiten. Um so flexibler wird man tagsüber beim Umgang mit der Zeit sein. Die geplante Lektüre lässt sich vielleicht im Wartezimmer das Zahnarztes einrichten, der Blumenstrauß bei der Rückfahrt vom Arbeitsessen kaufen… Auch für unvorhergesehene Dinge wird dann ein Spielraum bleiben, soweit sie wertvoll oder dringend sind und nicht im Widerspruch zu den formulierten Prioritäten stehen.
Manche Menschen klagen ständig über Zeitnot. Da jedoch Gott jedem Menschen die gleiche Menge an Zeit zuteilt – 24 Stunden pro Tag – muss dieser Zeit-Mangel persönliche Gründe haben. Er entsteht nach meiner Beobachtung bei uns meistens durch VULBA und BELBA, nämlich die Verschiebung Un-Lust-Betonter Aktivitäten und die Bevorzugte Erledigung Lust-Betonter Aktivitäten. Denn wir neigen dazu, unangenehme Dinge wie einen Besuch beim Zahnarzt, das Aufräumen des Arbeitszimmers, die Vorbereitung auf eine Prüfung oder die Anmeldung zu einem Fortbildungskursus immer wieder hinauszuschieben. Andererseits haben manche die fatale Angewohnheit, sich ständig lustbetonte Wünsche zu einem falschen, verfrühten Zeitpunkt zu erfüllen, weil sie die Disziplin zum Warten auf den richtigen Zeitpunkt nicht aufbringen. VULBA und BELBA haben manchmal schon zu einem Zeit-Chaos geführt, an dem eine Lebensplanung dann zerbrochen ist, so dass gute Pläne für Ehe, Familie oder berufliche Laufbahn dabei auf der Strecke blieben.
Die Antwort auf dieses Dilemma liegt in VODE, dem Verhalten Optimaler Disziplin und Effizienz. Menschen, die sich von Gott die Kraft dazu schenken lassen, leben dann in einer fröhlichen, dynamischen Synthese von Aktivität und Besinnung, von Arbeit und Erholung, von geistigem Empfangen und Geben, von einer an Jesus Christus gebundenen Gesamtschau des eigenen Lebens und einer konkreten, guten Detailplanung, wo sie angebracht ist. Beides gehört zusammen, wenn wir den Sinn verwirklichen wollen, den Gott für unser Leben geplant hat.
_______________
1 Jakobus, Kapitel 4, Sätze 13-15, Gute Nachricht Bibel