

Verantwortung wird im Wörterbuch umschrieben mit Verpflichtung, Verlässlichkeit, Verbindlichkeit. Im Thesaurus des Microsoft Word Programms stehen interessanterweise auch: Selbstachtung, Würde, Haltung, sittliche Kraft!
Hinter der Frage im Titel steht das Unbehagen, dass im Bereich der Arbeitswelt, also überall dort, wo Menschen in organisierter Form und im Rahmen von organisatorischen Strukturen etwas leisten, die Verantwortlichkeit abgenommen hat, also die oben zitierten Werte erodieren.
Die Medien berichten in letzter Zeit über unzählige moralisch und rechtlich unkorrekte Geschehnisse in verschiedenen Bereichen der Arbeitswelt. Ebenso über Gerichtsfälle, in die zuvor hoch gelobte und respektierte Wirtschaftsführer involviert sind. Diese Geschehnisse führen nicht nur zu öffentlicher und privater Diskussion über die Vertrauenswürdigkeit von Wirtschaftsführern, sondern auch zu einer zunehmenden Verschärfung der gesetzlichen Vorschriften und behördlichen Kontrollen. Parallel dazu werden schleichend, aber doch deutlich sichtbar, moralische Prinzipien und Werte auf breiter Basis über Bord geworfen. So ist zunehmend reißerisches Werben für Produkte in den Bereichen Sex und Okkultismus zu beobachten sowie das hemmungslose Auspressen des Marktes ohne Rücksicht auf die persönlichen und gesellschaftlichen Folgen und Kosten, insbesondere auch für jugendliche Konsumenten.
Die Probleme beschränken sich aber nicht auf diese Ebene. Zu erkennen ist nur die Spitze des Eisberges. Unter der Oberfläche sieht es dramatisch aus. Gemäß Statistiken haben in den letzten Jahren Steuerhinterziehung, Diebstahl in Firmen und Geschäften, Versicherungsbetrug (auch bei dem «kleinen Mann von der Straße»), Mobbing unter Mitarbeitern wie auch der psychische Druck von Vorgesetzten auf allen Stufen stark zugenommen. Die Folgen zeigen die Sozialstatistiken auf.
Diese Probleme haben einen persönlichen und gesellschaftlichen Hintergrund. Steigende allgemeine Aggressivität und Rücksichtslosigkeit wird beklagt. Die Gewalt in den Familien und unter Jugendlichen nimmt drastisch zu. Ebenso steigt das Suchtverhalten inklusive Pornografie, auch unter Führungskräften, eine Flucht vor Druck und Überforderung. Der Profit, also das Geld – Jesus spricht von «Mammon» und meint damit einen Götzen, eine widergöttliche Macht – ist zum treibenden Element des wirtschaftlichen Handelns geworden. Materialismus ist Sinn und Lebensinhalt vieler Menschen, zunehmend auch bei Jugendlichen. Der Werteverlust ist das Resultat einer mangelhaften Erziehung und des Abbaus der Autorität.
Diese Phänomene werden aus dem privaten und gesellschaftlichen Umfeld in die Arbeitswelt hineingetragen und bekommen immer mehr Raum.
Oberflächlich gesehen sind die Gründe dieser Entwicklung klar: die Globalisierung führt die westlichen, hoch entwickelten Länder in eine neue Konkurrenzsituation; die Preise sinken; der Druck auf die Kosten steigt; das Prinzip des Shareholder Value gewinnt laufend an Bedeutung und erhöht den Leistungsdruck auf die Unternehmen. Sind dies aber die wirklichen Gründe für den zunehmenden Verlust von Verantwortlichkeit im Sinn von Selbstachtung, Würde, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit, sittlicher Kraft? Ist nicht ein tiefer liegender Grund dafür vorhanden?
Der Blick zurück auf die philosophische und gesellschaftspolitische Entwicklung kann darauf eine Antwort geben: Ich meine die europaweiten Studentenunruhen der 68er-Bewegung und deren Folgen. In jenen Jahren fand ein namhafter, gesellschaftspolitischer Paradigmenwechsel mit nachhaltigen Konsequenzen statt: der Verzicht auf das Althergebrachte, auf die Tradition, auf das christliche Werte- und Glaubenskonzept.
Ich gehörte damals selbst zu den militanten Wirtschafts- und Soziologiestudenten und erinnere mich noch genau an die Schlagworte. Eines da von lautete: «Traue keinem über 30!» Das Ziel der Studenten war Sturz der Autorität, Einreißen jeglicher Einschränkung und damit jeglicher Tradition. Es war ein Aufschrei für Individualismus, Pluralismus, Liberalismus. Was wir heute erleben, sind die Früchte dieses so genannten Befreiungsschlages. Die Freiheit des Einzelnen steht seitdem über der Verantwortung der Gemeinschaft.
Der Ursprung dieses Aufschreis und Problems liegt Jahrtausende zurück. Er ist im ersten Kapitel der Bibel kurz und knapp, aber in dramatischer Weise beschrieben. Es ist die Geschichte von Adam und Eva, den ersten von Gott geschaffenen Menschen. Im Paradies waren sie mit allem Wünschenswerten versorgt. Sie waren im Auftrag und in der Autorität Gottes befugt, in gutem Sinn über die Erde zu «herrschen» (der Begriff meint: zu sorgen, zu managen, zu entwickeln). Adam und Eva lebten dank der engen Gemeinschaft mit Gott in tiefem Frieden und doch gelang es der Schlange, dem Bösen, sie zu verführen. Die Verführung führte zum Aufstand gegen Gott. Eva und Adam erlagen der Versuchung, wie Gott zu werden. Gott verwies sie aus dem Paradies und sie lebten fortan von ihm getrennt.1 Sie verloren dadurch den Frieden, die Geborgenheit, den Sinn ihres Lebens.
Schon das nächste Kapitel in der Bibel beschreibt die brutalen Folgen: Ihr Sohn Kain erschlägt aus Neid seinen Bruder Abel. Mit einem Totschlag aus niederen Motiven geht die Geschichte der von Gott getrennten Menschen weiter. Diese Spur zieht sich durch alle Generationen bis in die heutige Zeit. Das Kennzeichen ist der zunehmende Verlust von Gottesgläubigkeit, Gottesfurcht und biblischen Werten.
Die Lehre der Evolution, das heißt der Darwinismus, wurde in diesem Vakuum noch so gerne als so genannter wissenschaftlicher Beweis aufgenommen: Der Mensch stamme von einer Urzelle ab und habe sich durch Zufall und durch das Gesetz des Stärkeren, also durch Evolution, entwickelt. Entsprechend handelt er: Nämlich zufällig und ohne tieferen Sinn.
Wenn allerdings die Verantwortung gegenüber Gott, der höchsten Autorität, verloren geht, geht sie, wie die Entwicklung in unserer Arbeitswelt und in unserer Gesellschaft zeigt, auch zwischen den Menschen verloren.
Geprägt durch die Erziehung zu Zweifel und Rationalismus, durch den Glauben an die vermeintliche Allmacht von Wissenschaft und Technik und beeinflusst von den Medien, die mehrheitlich die Weltanschauung der Studentenrevolution vertreten, schwimmen wir, ohne viel zu überlegen, im Strom der Menschen, die nicht an den christlichen Gott und seine Offenbarung in der Bibel glauben.
Aber Gott tut auch heute noch Wunder und greift in unser Leben ein. Dies hat er auch bei mir, dem ehemaligen Wirtschafts- und Soziologiestudenten und späteren Konzernmanager, getan. Der Schritt unserer damals 18-jährigen Tochter zum christlichen Glauben und die sofort eintretende positive Wirkung auf ihr Leben verwirrten und beeindruckten mich.
In dieselbe Zeit fallende Besuche von IVCG-Anlässen und die Teilnahme an einem Bibelseminar der IVCG konfrontierten mich direkt mit Gottes Wort. Die Botschaft der Bibel bewegte mich zunehmend. Als Folge erlebten meine Frau und ich einen persönlichen Paradigmenwechsel. Wir wurden gläubige Christen. Das heißt, ich tauschte mit Überzeugung mein rationalistisches, humanistisches Weltbild gegen dasjenige aus, das Gott uns in der Bibel offenbart. Damit nahm ich das biblische Menschenbild an: wir Menschen sind von Gott geschaffen und von ihm geliebt, und durch die Annahme seines Sohnes Jesus Christus finden wir zurück in die Gemeinschaft mit ihm.
Nur durch diesen Paradigmenwechsel kann ich überhaupt daran denken, das wichtigste Gebot, das Jesus in der Bibel erwähnt, zu erfüllen: «Liebe Gott, den Herrn, von ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit deinem ganzen Verstand! Ebenso wichtig ist auch das zweite Gebot: Liebe deinen Mitmenschen, so wie du dich selbst liebst.»2 Ich habe erlebt, dass sehr vieles im gemeinsamen Umgang damit zu tun hat, ob wir uns selbst annehmen. Dies ist auf eine gesunde Art nur aus der Gemeinschaft mit Gott und seinem Sohn Jesus möglich. Aber es ist der Schlüssel zum Thema Verantwortung!
Die Frage, was wir als Gesellschaft tun können, damit das verantwortliche Handeln wieder zunimmt, ist deshalb nutzlos. Die einzigen, wirklich zählenden Fragen lauten: «Was muss in meinem Inneren geschehen?» und: «Was kann ich in meinem persönlichen Einflussbereich tun?» Der Häuptling der Oglala Sioux sprach den weisen Satz: «Niemals wird Friede unter den Völkern herrschen, bevor nicht Friede in den Seelen der Menschen entstanden ist.» Ein ehemaliger Kommunistenführer in den 30er-Jahren sagte, nachdem er Christ geworden war: «Es ist reaktionär, die Welt verändern zu wollen, wenn man sich weigert, selber verändert zu werden.»3
Bei der Geburt von Jesus kamen die Engel zu den Hirten und sangen den prophetischen Text: «Heute ist für euch (…) der lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr.» Weiter wird erzählt: «Auf einmal waren sie von unzähligen Engeln umgeben, die Gott lobten: Gott im Himmel gehört alle Ehre; denn er hat den Frieden auf die Erde gebracht für alle, die bereit sind, seinen Frieden anzunehmen. »4
Die Bibel sagt: Friede für die Menschen, die durch ihre Beziehung zu ihm seinen Frieden annehmen. Der Friede in mir ist die Bedingung für den Frieden zwischen mir und den Mitmenschen. Frieden in mir erhalte ich durch die bereinigte Beziehung zu Gott durch Jesus Christus.
Es sind die so veränderten Menschen, Unternehmer, Geschäftsleiter, Politiker, Ärzte, Lehrer und Führungskräfte, welche die Welt verändern. Menschen, die mutig die neue und doch so alte Verantwortung wahrnehmen. Menschen, die ihr ungöttliches Menschenbild, dasjenige der Evolutionstheorie, gegen das göttliche und biblische Bild eingetauscht haben.
Die Bibel beschreibt nicht nur die Verantwortung, sondern auch den Weg, wie wir sie wahrnehmen und umsetzen können. Hier kommt der springende Punkt, der für uns Führungskräfte und Macher so schwierig ist: Wir schaffen es nicht aus eigener Kraft. Dieser Paradigmenwechsel ist nur aus der engen Beziehung mit Gott und aus seiner Kraft möglich und selbst dann nicht immer einfach.
In der IVCG engagieren sich Führungskräfte und Menschen in Verantwortung, um andere auf die Möglichkeit des persönlichen Paradigmenwechsels aufmerksam zu machen und sie dabei zu begleiten. Menschen, die nicht einfach nur erfolgreich (das auch), sondern darüber hinaus auch Verantwortungsträger sein wollen. Nicht weil sie perfekt und fehlerlos sind, sondern weil sie diesen verheißenen Frieden und die Kraft Gottes beanspruchen und erfahren.
Eine der Lügen aus der Zeit der studentischen Revolution und Rebellion ist nämlich, dass das christliche Glaubenskonzept unattraktiv und nicht für das moderne Leben geeignet sei. Ich bin froh und dankbar, dass Gott mich von dieser Lüge befreite. Gott bietet allen Menschen die Möglichkeit zum persönlichen Paradigmenwechsel an.
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1 1. Buch Mose, Kapitel 3+4
2 Matthäus, Kapitel 22, Sätze 37-39
3 «Frank Buchman’s Secret» von Peter Howard, 1961
4 Lukas, Kapitel 2, Sätze 11+13

CH-Basel
verheiratet mit Marianne Schmutz, Vater zweier erwachsener Töchter, langjährige Karriere in hohen internationalen Führungspositionen; heute Präsident der Stiftung ‘Leaders’ Integrity Foundation’, www.lif.chLeiter der IVCG Gruppe Basel; Berater, Ausbilder, Referent