

«Vor einem hohen Mastbaum hielt Nero den Schritt an. Das Feuer züngelte schon bis zu den Knien des Opfers empor. Bei seinem Anblick krümmte sich Chilon wie eine verwundete Schlange, und seiner Brust entrang sich ein Schrei: `Glaukus! Glaukus!` Die lebende Fackel war der Arzt Glaukus. Der Arzt lebte noch, aber sein Antlitz war schmerzverzerrt, und er neigte den Kopf vor, um noch einmal den zu sehen, der ihm Weib und Kind geraubt, der ihn an die Räuber verkauft und der ihn schmählich verraten hatte. Wohl nie hatte ein Mensch dem andern herberes Leid zugefügt, und nun brannte das Opfer am Pfahl, während der Henker zu seinen Füßen stand. Die Augen des Arztes waren auf Chilon gerichtet. Dieser wollte fliehen, aber er konnte nicht. Er schien versteinert zu sein; ununterbrochen starrte er in die Höhe, und der andere neigte immer tiefer den Kopf herab. Die Anwesenden errieten, dass zwischen den beiden etwas Außergewöhnliches vorging. Chilon war grässlich anzusehen; seine Züge waren von Qual und Entsetzen entstellt. Plötzlich wankte er und rief in herzzerreißendem Tone, indem er die Arme in die Höhe streckte: `Glaukus! Im Namen des Erlösers! Verzeihe mir!` Es wurde still ringsum. Das Haupt des Märtyrers bewegte sich matt, und von der Spitze des Mastbaumes herab hörte man ein Stöhnen gleich den Worten: `Chilon, ich verzeihe dir!`»
Wenn wir Textpassagen wie diese aus dem weltbekannten historischen Roman «Quo Vadis»1 lesen – und die Geschichte des Christentums ist voll von solchen Berichten – dann sind wir am Ende jeglicher Philosophie und müssen uns mit Recht die Frage stellen: Woher schöpfen Menschen solch eine übernatürliche Kraft? Es gibt nur eine Antwort: Eine übernatürliche Kraft muss eine übernatürliche Quelle haben. Für Christen heißt diese Quelle Jesus Christus. Durch den Glauben an ihn und die Liebe zu ihm haben Christen die Hoffnung, ihm einmal von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen und in der Ewigkeit mit ihm vereint zu sein. Diese Hoffnung setzt Kräfte frei und ist deshalb lebenswichtiger Bestandteil der geistlichen Entwicklung des Individuums.
Aus der Medizin wissen wir, dass das biologische Leben von der Entstehung bis zum Ende in Gefahr ist, unterbrochen zu werden. Bereits der Embryo kämpft im Mutterleib gegen die brutale Einmischung des Gynäkologen bei einer Abtreibung. Gleich nach der Geburt kämpft der Organismus gegen verschiedene Viren, Parasiten, Bakterien und andere Krankheitserreger. Dieser Kampf ist Ausdruck des ständigen Sterbens im Organismus, ein Naturgesetz, das alles Lebendige betrifft. Der Schöpfer hat jedoch das Hoffnungsprinzip als Triebkraft in den biologischen Bereich seiner Schöpfung hineingelegt. Sie ist die wichtigste Eigenschaft des Phänomens «Leben».
Der Organismus kämpft um sein Dasein und wird dadurch zum «Schlachtfeld » zwischen dem geschaffenen Leben und dem vererbten Tod. Die Biologie kennt drei Arten dieses Kampfes:
Von diesen biologischen Gesetzmäßigkeiten könnte der Mensch viel lernen. «Was Sauerstoff für die Lunge, bedeutet Hoffnung für die menschliche Existenz.» Wie die biologische Vitalität und die organischen Abwehrmechanismen für die Qualität des biologischen Lebens sorgen, so hat die Hoffnung mit der Qualität, dem Inhalt und der Zukunft des geistlichen Lebens des Menschen zu tun.
Der Alltag wird immer von kleineren und größeren Hoffnungen begleitet: der Schüler hofft auf gute Noten, der Student auf einen guten Abschluss, der Angestellte auf eine steile Karriere, Verlobte auf eine gute Ehe, Eltern auf gesunde und glückliche Kinder, der Gefangene auf Freiheit, und der alte Mensch hofft, möglichst lange gesund zu sein. Wie diese Beispiele zeigen, besitzt Hoffnung die folgenden wichtigen Eigenschaften:
Für die Hoffnung auf ewiges Leben ist Ausharren, Geduld und Bewährung gefragt; dies sind wichtige Waffen. Die Menschen gehen diesen Lebensweg verschieden an. Die einen suchen keine Lösung, weil sie das Problem nicht erkennen. Andere haben sich mit dem geistlich zerstörenden Umfeld abgefunden, weil sie den Weg für die Überwindung nicht kennen oder nicht kennen wollen. Wieder andere missachten das Problem der Hoffnungslosigkeit und des Leids bewusst oder verdrängen es durch Alkohol, Drogen, Wohlstand, Lust oder Macht. Nicht zuletzt gibt es solche, die den Weg der Hoffnungslosigkeit bewusst oder unbewusst durch falsche Hoffnung ersetzen, seien dies religiöse Handlungen, falsche Autoritäten, wohltätige Aktionen, scheinheilige Frömmigkeit, gottferne Theologie, Reinkarnation, Fanatismus, Rache, «heilige Kriege». All diese falschen Hoffnungen sind vergleichbar mit schmerzstillenden Mitteln, die keine Heilung bringen.
Das Problem all dieser Menschen ist, dass sie die einfache Wahrheit nicht akzeptieren wollen. Sie lautet: Der Feind in diesem geistlichen Kampf zwischen Hoffnungslosigkeit und Hoffnung ist viel mächtiger als der Mensch selbst. Keiner kann diesen Kampf aus eigener Kraft gewinnen. Allerdings erkennen dies die meisten erst in der Stunde des Todes und dann ist es zu spät. Auch im biologischen Bereich kann Krankheit nur solange behandelt werden, wie der Organismus lebt.
Es gibt aber auch Menschen, die von den biologischen Gesetzen des menschlichen Organismus etwas Wichtiges gelernt haben. Sie wissen, dass ihr Organismus nicht durch eigene Abwehrkräfte überleben kann, und nehmen Hilfe in Anspruch. Auf die geistliche Ebene übertragen suchen sie Hilfe von außen und finden sie beim Schöpfer und in der Person Jesus Christus. Er sagt: «Ich bin das Leben», also die Quelle des biologischen und des ewigen Lebens. Die persönliche Beziehung zu ihm ist das «Heilmittel» für den kranken und hoffnungslosen Menschen. In der Kraft dieser unbesiegbaren Hoffnung konnte der Arzt Glaukus zu seinem Feind sagen: «Chilon, ich verzeihe dir!» Die von Gott geschenkte Hoffnung ist die alleinige Kraft zur Überwindung der Hoffnungslosigkeit.
Die persönliche Entscheidung für den richtigen Arzt, für Jesus, ist freiwillig. Sein Geschenk an uns Menschen ist die Hoffnung – auch in scheinbarer Hoffnungslosigkeit – und die Gewissheit des ewigen Lebens.
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1 von Henryk Sienkiewicz

BG-Sofia
verheiratet mit Dr. Zsvetanka Svilenova, zwei erwachsene Söhne, ein Enkel, über 30 Jahre in der medizinischen Forschung (Fachgebiet Pathologie) tätig, außerordentlicher Professor für Apologetik an der evangelischen Universität Sofia, setzt sich für die Verbreitung des Evangeliums in seinem Land ein, u.a. durch die
von der Regierung offiziell erlaubte Verteilung von Kinderbibeln an staatlichen Schulen