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Ausgabe 03/13 

Einfach reich sein?!

Lassen Sie uns ruhig ganz offen sein: Reich zu sein könnte ruhig etwas einfacher sein, oder? In unseren nordeuropäischen Gefilden kann jemand nicht über eigenen Reichtum reden. Er würde gleich Kritiker oder Neider auf den Plan rufen. Einerseits werden reiche Menschen bewundert und verehrt. Jedes Jahr werden in einem Extra- Magazin die reichsten Deutschen vorgestellt. Das ermöglicht Gutes! Das ist doch ehrenwert. Anderseits muss ein hohes Einkommen eher versteckt werden, weil Neider einem den Genuss madig machen wollen. Aktivisten attackieren Reichtümer und fordern eine ‘Umfairteilung’. Es sei ungerecht, privilegiere Einzelne und diskriminiere viele. In einem solchen Spannungsfeld ist Reichsein nicht leicht!

Neulich sprach ich länger mit einem Freund, und wir kamen auf das Thema Geld. Sein Einkommen war wieder gestiegen. Innerlich fing bei mir sofort das Vergleichen an. Mein Kopfkino lief auf vollen Touren: Wenn die mehr haben, bleiben wir dann mit unseren Einkünften gleichauf? Ich musste meine Gedanken aktiv stoppen, damit mein Freund nicht zu einem Konkurrenten mutierte. Und ich frage mich: Was machen unsere Reichtümer mit uns?! – Wir verbrauchen viel Zeit und Kraft mit deren Erwerb und setzen später viel Geld ein, um uns ‘standesgemäß’ zu erholen. Und – falls die wirtschaftliche Situation den gewohnten Lebensstandard nicht mehr deckt – entwickeln wir kreative oder kriminelle Energien, um die Deckung zu erhalten. Ob wir uns im Spiegel noch ruhigen Gewissens ansehen können, ob der abendliche Schlaf nur noch mit Hilfe von Medikamenten kommt etc., das wird sicher unterschiedlich erlebt. Aber der Reichtum und sein Einfluss auf unser Leben sind offensichtlich.

Ich suche und finde Antworten auf Lebensfragen und Hilfe in der Bibel. Meine Fragen zum hohen Lebensstandard werden aber nicht so leicht beantwortet. In den alttestamentlichen Geschichten finde ich Beispiele, wie Menschen materiell gesegnet werden. König Salomo ist eins davon.1 Gott segnet Menschen, auch mit materiellem Gut.

Im Neuen Testament lese ich, wie ein reicher junger Mann Jesus fragt, wie er ewiges Leben bekommen kann. Er hat alle Gebote eingehalten. Am Ende des Dialogs fordert Jesus ihn auf, all seinen Reichtum zu verkaufen und den Armen zu schenken. Das tut der lieber nicht, und Jesus sagt den berühmten Satz: »Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in das Gottes Reich.«2

Ich sage: Keine einfachen Antworten. Aber eigentlich geht es in den biblischen Texten gar nicht primär um das! Das Hauptanliegen ist immer die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Die Reichtümer werden nur als Rahmenbedingung gesehen. Salomos Besitz wächst, weil er der Beziehung zu Gott den größten Stellenwert gibt. Der junge reiche Mann ist bereits an seinen Luxus gewöhnt und soll Gott den wichtigsten Platz in seinem Leben geben. Leider überwindet er seine Gewöhnung nicht. Gott bekommt nicht den höchsten Stellenwert. Sein Wunsch, in das Reich Gottes zu kommen, ist nicht groß genug.

Gott sehnt sich in erster Linie nach einer intakten Beziehung zu uns. Sein Motiv ist Liebe, tiefe göttliche Liebe zu einem jeden. Egal, ob reich oder arm.

Die Frage ist, ob wir diese Liebe wertschätzen und erwidern, trotz des Privilegs und auch trotz des Zeitaufwands, den wir zum Reichbleiben benötigen. Bin ich bereit, meine Zeit und Kraft neu zu ordnen, zu investieren und den Fokus von meinem reichen Dasein wegzunehmen?

Hier beginnt die Gratwanderung. Gerade wenn andere wirtschaftlich von mir und meinem Geld abhängig sind, muss ich viel Zeit damit verbringen, Geld zu verdienen. Kluges Wirtschaften, strategisches Agieren und zeitaufwändiges Verwalten bestimmen meinen Alltag. Und oft raubt das mir die Nacht oder das Wochenende. Kann Gott wirklich wollen, dass ich diese Verantwortung einfach fallen lasse, nur damit ich Zeit für ihn habe?

Egal ob wir viel Geld zu unserer eigenen Verfügung haben oder andere Menschen von unserem wirtschaftlichen Erfolg abhängig sind: Unsere Beziehung zu Gott und unsere Treue im Umgang mit unseren Gütern sind die wichtigen Elemente. Ich habe diese Prioritäten für mein Leben gewählt. Dennoch empfinde ich immer wieder einmal Zweifel, ob das vernünftig ist. Denn die allgemeine Logik des Wirtschaftens und der Gewinnmaximierung kennt kein Vertrauen auf einen Wohltäter. In meinem beruflichen Wirtschaften muss ich das Maximale herausholen. Trotzdem vertraue ich mich immer wieder Gottes Führung und seiner Versorgung an. Meiner Frau und mir ist es wichtig geworden, unseren Wohlstand nicht so ernst zu nehmen, so angenehm er auch ist. Eine Übung besteht darin, regelmäßig einen Teil unseres Geldes zu verschenken. Dazu ist immer wieder ein bewusster Schritt nötig. Im Loslassen materieller Sicherheit verlassen wir uns auf Gott. So haben wir schon viel Geld an andere weitergegeben. Wirtschaftlich hat sich unser Leben trotzdem gut entwickelt. Wir haben Gottes Führung und Bewahrung in beruflichen und privaten Situationen erlebt. Das möchten wir auf keinen Fall missen. Reich zu sein ist eine Aufgabe.

– Mit Gottes Hilfe kann sie sinnvoll erfüllt werden.

Reich zu sein fordert uns zur Sinnsuche heraus. Mit den richtigen Prioritäten kann Reichtum weniger lebensbestimmend sein. Wir geben Gott eine Chance. Denn er lädt uns ein, seine Beziehungsanfrage zu beantworten. Er möchte uns reich beschenken und uns vor der größten Katastrophe in unserem Leben bewahren: Dass wir die Beziehung mit ihm nicht wollen.

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1 2. Chronik, Kapitel 9, Satz 22
2 Matthäus, Kapitel 19, Satz 24

Der Autor

Lars Fischer

Lars Fischer

D-Kaltenkirchen bei Hamburg

verheiratet mit Petra Fischer drei Kinder im Alter von 13, 10 und 6 Jahren Manager im Qualitätsmanagement in der Luftfahrtindustrie

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