

Es gibt die altbekannte Geschichte des jungen Mannes, der zum berühmten Philosophen Sokrates kommt, um Unterricht in Rhetorik und Reden in der Öffentlichkeit zu erhalten. Von dem Moment an, als der dem Philosophen gegenüberstand, überschüttete er diesen mit einem nicht enden wollenden Wortschwall. Das dauerte eine ganze Weile, und Sokrates kam bei bestem Willen nicht zu Wort. Endlich brachte er den jungen Mann zum Schweigen, indem er den Finger auf die Lippen legte.
„Junger Mann“, sagte der Philosoph „ich werde das doppelte Honorar für meinen Unterricht verlangen.“ Der junge Mann beschwerte sich: „Doppeltes Honorar! Warum würdet Ihr das tun?“ Sokrates antwortete: “Weil ich dir zwei Fertigkeiten beibringen muss, damit du ein guter Leiter wirst: Zunächst musst du lernen zu schweigen; und dann kannst du die Fertigkeit lernen, es richtig einzusetzen!“
Gute Leiter sind immer gute Zuhörer. So lernen sie. Auf diese Weise können sie abschätzen, was getan werden muss. Leider haben wir oft taube Ohren, weil unsere Münder geöffnet sind.
Jemand hat mal darüber nachgedacht, warum Gott uns zwei Ohren aber nur einen Mund geschenkt hat und meinte, er wolle wohl, dass wir doppelt so viel zuhören als reden!
In der Bibel steht: „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.!“ (Jakobus 1, 19 Luther 1984). Wenn wir den ersten zwei Teilen des Verses folgen, geschieht der dritte Teil automatisch. Wenn wir schnell sind beim Zuhören (mit Eifer bereit zu hören und das Gesagte zu verstehen) und lamgsam im Reden (vorsichtig darauf bedacht, nicht voreilig zu sprechen) – dann werden wir langsam sein im Zorn (wir halten unsere Gefühle unter Kontrolle und können passend reagieren).
Studien haben ergeben, dass es vier Grundhaltungen des Zuhörens gibt:
Der richtende Zuhörer. Dieser Mensch hat bereits ein Urteil gefällt und will nicht durch Fakten durcheinander gebracht werden. Er ist kritisch, negativ und voller Vorurteile. Studien haben gezeigt, dass 17% der Bevölkerung zu diesem Typ gehören.
Der fragende Zuhörer. Dieser Mensch denkt, dass gutes Zuhören daraus besteht, den anderen immerzu mit Fragen zu bombardieren. Fragen sind wichtig bei einem Gespräch, aber immerzu mit Fragen zu unterbrechen wird auf die Dauer anstrengend. Laut Studie benutzen 26% aller Menschen diesen Ansatz.
Der rat gebende Zuhörer. Mehr Menschen (35%) gehören zu dieser Kategorie. Sie hören nur so lange zu, bis sie eine schnelle Einschätzung gewonnen haben und setzen dann an zu dem, was sie eigentlich wollen – ungefragt Ratschläge erteilen. Sie hören nicht wirklich zu. Sie konzentrieren sich nicht auf alles, was man sagt; sie hören nur lang genug zu, um reagieren zu können.
Der empathische Zuhörer. Dieser Stil wird nur von 22% der Bevölkerung praktiziert, aber er ist bei weitem der effektivste. Man hört zu, um das Gefühl der erzählenden Person einzufangen, nicht nur den Inhalt des Gesagten. Man achtet auf die Stimme, den Gesichtsausdruck und die Körpersprache – die nonverbalen Signale. Versuchen Sie doch mal, in dieser Woche mit den Augen zuzuhören, nicht mit den Ohren. Sie werden vielleicht etwas Neues erfahren.
Übersetzung: Vera Flohr, Poppenhausen, E-Mail Adresse: vera.g.flohr(at)gmx.de und www.veraflohr.de Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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