

Kommunikation per E-Mail ist nicht uneingeschränkt segensreich. Sie wurde in den neunziger Jahren in den meisten Firmen eingeführt und ist die am häufigsten genutzte Form der direkten und schnellen Kommunikation. Ein Geschäftsmann in Hamburg kann eine Mail an seinen Klienten in Tokyo schicken. Sie ist sofort da und kostet fast nichts. Einzig bleibt die Unsicherheit, wie bald sie gelesen und beantwortet wird.
Trotz aller Zweckmäßigkeit gibt es jedoch auch Schattenseiten. Wenn Sie eine Mail in Eile verfassen, besonders wenn die Eile durch Wut bedingt ist, dann können Sie sehr schnell bereuen, dass Sie die „Senden“ Taste betätigt haben. Das passierte kürzlich dem Vorstandsvorsitzenden eines großen Konzerns. Er war wütend auf seine Angestellten und schickte eine beißende Mail an seine direkten Mitarbeiter, in der er die Arbeitseinstellung der Belegschaft bemängelte. Ihm gelang es, so viele Menschen zu verärgern, dass seine E-Mail bald auf einer größeren Internetseite erschien und damit viel unerwünschte und peinliche Aufmerksamkeit weltweit auf sich zog.
Bevor es die bequeme E-Mail gab, mussten wir auf unsere Zunge achten. „Schnelle Zungen können Schiffe versenken“, war ein gängiges Sprichwort. Jetzt müssen wir scheinbar auch darauf achten, was unsere Finger anrichten können, wenn wir unsere Gedanken in Worte fassen. Als Führungskraft hat man viele Möglichkeiten, den Ruf und die Glaubwürdigkeit unserer Organisationen zu stärken und erhalten – oder zu schaden. Eine böse E-Mail kann mehr Unheil hervorrufen, als wir je für möglich hielten.
Um unsere Firmen zu schützen, müssen wir uns immer wieder darauf besinnen, sorgfältig unsere gesprochenen und geschriebenen Worte zu wählen. In Sprüche 21, 23 heißt es: „Überlege deine Worte, und dir bleibt viel Ärger erspart!“ Das gleiche Prinzip können wir auf E-Mail, andere Internetmitteilungsformen und überhaupt auf schriftliche Kommunikation anwenden. Hier zwei weitere Ermahnungen aus dem Alten Testament:
Vermeiden Sie Kommunikation im Zorn. Gedanken die wir im Zorn äußern – ob mündlich oder schriftlich – sind selten vorsichtig und einfühlsam formuliert. Am besten lässt man die Gefühle ein wenig ruhiger werden, bevor wir entscheiden, was gesagt werden muss – und in welcher Form. „Ein weiser Mensch gibt Acht auf seine Worte, denn wer sich selbst beherrschen kann, ist vernünftig.“ (Sprüche 17, 27).
Rufen Sie nicht unnötigen Konflikt hervor. Vielleicht schreiben wir eine wütende Mail, „um einfach einmal Dampf abzulassen“, aber dieser Dampf kann den tödlichen Effekt einer Verbalbombe haben. „Ein angefangener Rechtsstreit ist so schwer aufzuhalten wie gestautes Wasser, das plötzlich losbricht - darum lass es gar nicht erst so weit kommen!“ (Sprüche 17, 14).
Bevor Sie „Senden“ drücken, denken Sie noch einmal kurz über das Geschriebene nach, lassen sie es noch stehen, bis Sie einen etwas kühleren Kopf haben oder schlafen Sie sogar eine Nach drüber. Lesen Sie es aus dem Blickwinkel dessen, der die Nachricht bekommen wird. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihnen jemand so eine Mail schickte? Und sagen Sie nicht: „Ich habe keine Zeit dazu.“ Wenn Sie nicht genug Zeit haben, um sich noch einmal objektiv zu überlegen, welche Wirkung eine flüchtige Mail haben könnte, wie werden Sie dann die Zeit finden, um die Schäden, die sie bewirkt, wieder herzustellen?
Lassen Sie nicht Ihr Schiff durch schnelle Finger versenken!
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