

Vor vielen Jahren arbeitete ich für jemanden, der ein Meister im Schmeicheln war. Zunächst fühlte es sich gut an, sein Lob zu hören, aber bald merkte ich dass die Dinge, die er in der Öffentlichkeit äußerte ganz anders waren als seine privaten Worte. Nach kurzer Zeit merkte ich, dass ich an allem zweifelte, was er sagte.
In unserer Zeit wird Selbstwertgefühl als eines der höchsten Güter angesehen, und dabei wird Schmeicheln oft mit echter Ermutigung verwechselt. Das Wörterbuch Amercian Heritage Dictionary definiert Schmeicheln als “unehrliches Lob”. Angemessene Anerkennung ermutigt und erhebt, falsches Lob täuscht die Menschen.
Im Alten Testament der Bibel steht in Sprüche 26, 28: “Eine Lügenzunge haßt die von ihr Zermalmten, und ein glatter Mund richtet Verderben an.” (Schlachter 2000). Ermutigende Worte produzieren Anführer und inspirieren Nachfolger, Schmeichelei untergräbt Selbstsicherheit und entwürdigt den Empfänger. Sie schadet auch dem Schmeichler, da seine Glaubwürdigkeit und Integrität fragwürdig werden.
Die Forschung hat ergeben, dass die Mehrheit der Menschen Anerkennung und Ermutigung brauchen – auch wenn ihr Verhalten ganz anders wirkt. Aber es gibt einen Unterschied, ob man dieses Bedürfnis kennt und ihm mit Ehrlichkeit begegnet, oder ob man es durch irreführende Aussagen für eigene Zwecke missbraucht. Schmeichelhafte Bemerkungen mögen zunächst gut klingen, aber im Laufe der Zeit werden die Menschen ihren wahren Wert erkennen und ablehnen.
Wie sind Ihre Erfahrungen am Arbeitsplatz – wird Ermutigung offen und ehrlich zum Ausdruck gebracht oder wird geschmeichelt, um Menschen zu manipulieren und für eigene Zwecke einzuspannen? Unterstützen Sie diese Schmeicheltour, vielleicht um die Gunst eines bestimmten Menschen zu erreichen oder bemühen Sie sich um ehrliche Ermutigung? Auch hierzu steht etwas in der Bibel: „Lass deinen Mund keine Unwahrheit aussprechen; über deine Lippen soll keine Verleumdung oder Täuschung kommen.” (Sprüche 4, 24. Die Gute Nachricht).
Ein Arbeitsplatz, an dem Integrität herrscht, strahlt Wahrheit aus, nicht Lüge. Wenn Sie jemanden loben, prüfen Sie Ihr Herz – sind Ihre Worte ehrlich? Meinen Sie wirklich, was Sie sagen? “Schmeichelei ist der Schlüssel zum Herzen des Menschen”, so ein Sprichwort, aber was bleibt zurück? Wenn zunächst positive Gefühle zu Desillusionierung und Enttäuschung führen, sind die Kosten eindeutig zu hoch.
Der Dichter Ralph Waldo Emerson mag im 19. Jahrhundert gelebt haben, aber seine Beobachtungen gelten bis heute: „Sobald honigsüße Worte des Lobes zu mir gesprochen werden, fühle ich mich wie jemand, der ungeschützt vor seinen Feinden liegt.“ In moderner Sprache: „Pass auf! Wenn jemand dir nette Dinge ins Gesicht sagt, bereitet er vielleicht schon den Dolchstoß in den Rücken vor!“ Das bedeutet nicht, dass wir keine anerkennenden Worte für andere finden sollen. Der Schlüssel liegt in unserem Motiv. Worte der Anerkennung für gute Arbeit und Wertschätzung eines Mitarbeiters sind nicht nur wünschenswert sondern auch notwendig. Unsere Welt ist mit negativem Input gesättigt; wir brauchen positive Worte, die unserer Entmutigung entgegenstehen. Aber diese Worte sollten von Herzen kommen und ehrlich sein. „Wer ehrlich ist und treffende Worte findet, den nimmt der König zum Freund.” (Sprüche 22, 11).
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