

Tom, ein Freund von mir, steckte in einem Dilemma. Sein erfolgreiches Immobiliengeschäft wurde durch einen aggressiven Konkurrenten herausgefordert, der versuchte, ihm Klienten abzuwerben. Um die Sache noch komplizierter zu machen: dieser Konkurrent besuchte dieselbe Kirchengemeinde wie Tom, gehörte also zur geistlichen Familie.
„Wie gehe ich ehrlich mit dieser Situation um?“ fragte mich Tom. Meine Antwort mag Sie überraschen.
Im Buch der Sprüche im Alten Testament finden wir folgenden Rat: „Hat dein Feind Hunger, so speise ihn mit Brot; hat er Durst, so gib ihm Wasser zu trinken! Denn damit sammelst du feurige Kohlen auf sein Haupt, und der Herr wird es dir vergelten.“ (Sprüche 25, 21-22, Schlachter 200) Da wir heutzutage nicht mehr viel mit glühenden Kohlen zu tun haben, mag das besonders in seiner Anwendung als merkwürdiger Rat erscheinen. Was bedeutet das „glühende Kohlen aufs Haupt häufen“?
Um dem Leser die Bedeutung dieser Passage für das jetzige Leben verständlicher zu machen, gibt es einen Kommentar, der auf ein ägyptisches Ritual hinweist, nach der ein Mensch ein Becken heißer Kohlen auf dem Kopf trug, um eine Herzensänderung zu bezeugen. Wenn wir das auf unsere Situation übertragen wollen, so würde das heißen, dass wir freundlich zu unseren Konkurrenten sein sollten, um bei ihnen eine Herzensänderung auf Gott hin zu bewirken.
Was riet ich also Tom? Ich empfahl ihm, sich diesem Konkurrenten als Mentor anzubieten, um ihm korrektes Geschäftsbenehmen nahe zu legen und dabei vielleicht einen Geschäftsfreund zu gewinnen, der seinen Entschluss vielleicht noch einmal überdenkt, bevor er Kunden abwirbt. Und am wichtigsten, so sagte ich zu Tom, sei es Gott zu erfreuen, egal wie die Sache ausginge.
So eine Strategie widerspricht natürlich allen gängigen Regeln, wie man mit Konkurrenz umgeht. Wenn uns ein starker Konkurrent begegnet, versuchen wir sofort, irgendwelche Vorteile für uns zu suchen und möglichst alle Angriffe auf unser Geschäft frühzeitig abzublocken. Unser erster Gedanke ist normalerweise nicht, wie wir ihn „mit Freundlichkeit abwürgen“. Das einzige, was uns interessiert ist, diesen Konkurrenten möglichst ganz auszuschalten oder zumindest seinen Einfluss auf unsere Firma, unseren Handel und unsere Gewinne zu minimieren.
Ja, in vielerlei Hinsicht erscheint diese als radikale Idee. Sie scheint sicherlich jeglicher geschäftlicher „Weisheit“ zu widersprechen. Aber das ist ein Grund, warum das Buch der Sprüche auch Buch der Weisheit genannt wird, das tausende von Jahren überlebt hat. Es hat viele veränderliche Trends und gängige ethische Ansichten in der Geschäftswelt überdauert.
Hier ist mein Rat an Sie, wenn Sie sich in ähnlicher Lage befinden: Versuchen Sie in ihrem Geschäft, ihre Konkurrenten mit Respekt und Freundlichkeit zu behandeln. Führen Sie ihnen die Fairness und Sensibilität vor, mit der Sie auch gerne behandelt werden. So unwahrscheinlich wie es anfangs erscheinen mag: es wird vielleicht möglich werden, einen Feind zu einem Freund zu machen.
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