

Als ich nach einem Besuch bei einem unserer besten Klienten die Bank betrat, bei der ich in der Kreditabteilung tätig war, informierte mich meine Assistentin, dass ein junger Mann auf mich wartete. „Den Typ werden Sie lieben!“ sagte sie sarkastisch und warnte mich, dass ich einem ungewöhnlichen Menschen begegnen würde.
Nach den üblichen Vorstellungsworten fragte ich den jungen Mann, wie ich ihm behilflich sein könnte. „Ich brauche einen Kredit von Ihnen, damit ich Steinway Klaviere kaufen kann“, sagte er, ohne ein Lächeln und meinte damit die Firma, die diese bekannten Instrumente herstellt. Mein erster Gedanke war: „Wie kann dieser Mensch in seinen Zwanzigern über genug Geld verfügen, um eine Firma zu kaufen, die so berühmt ist wie Steinway?“
Obwohl ich an der Ernsthaftigkeit des Gesprächs zweifelte, dachte ich daran, dass mich schon manche Menschen in der Vergangenheit mit ihrer finanziellen Kapazität überrascht hatten. Der äußere Schein kann täuschen, hatte ich gelernt. Also fragte ich diesen jungen Mann, wie viel Geld er meinte zu brauchen, um Steinway Pianos mit allen Aktivposten zu erwerben.
„Ich bin mir nicht ganz sicher“, sagte er, „aber ich denke die Firma könnte für ca. $300 Millionen gekauft werden.“ Offensichtlich hatte dieser Möchtegern- Entrepreneur einen Traum, aber sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, seine Hausaufgaben zu erledigen, um den Umfang dieser Transaktion zu verstehen.
Als es immer deutlicher wurde, dass diese Diskussion zeitlich nicht produktiv sein würde – weder für ihn noch für mich – fragte ich: „Und wie viel sind Sie bereit, für diesen Kauf selber aufzubringen?“
„Aufbringen? Deswegen bin ich hier. Ich bin erst 20! Ich habe kein Geld. Sie müssten mir die ganze Summe leihen”, platzte es aus ihm heraus, und er schien frustriert, dass ich überhaupt so eine Frage gestellt hatte.
Ich muss wohl nicht erwähnen, dass dieser Kreditantrag schnell und ohne Zögern von mir abgelehnt wurde. Ich hätte wohl gelacht, wenn dieser junge Mann sein Anliegen nicht so ernsthaft vorgebracht hätte. Offensichtlich hatte er einen Wunsch aber kein Wissen, keine Mittel und kein Verständnis dafür, wessen es bedurfte, um diesen Traum zu erfüllen.
Leider begegnen wir in der Wirtschaft und Berufswelt vielen solchen Menschen wie diesem jungen Mann – Menschen mit Träumen, Wünschen, mit dem Bestreben, etwas in möglichst großem Stil aufzuziehen, aber ohne die geringste Ahnung, wie das umzusetzen ist. Das ist kaum ein neues Phänomen. Es gab schon immer Menschen, die schnell reich werden wollten, vor allem wenn sie das Geld anderer verwenden können, um dieses Ziel zu erreichen.
Im Alten Testament lehren die Sprüche 19,2: „Eifer ohne Sachverstand taugt nichts; wer es zu eilig hat, macht Fehler.“(Die Gute Nachricht)
Im Geschäft tauchen viele Gelegenheiten und Träume auf. Diese Wünsche können gute Folgen mit sich bringen, wenn genug Wissen vorhanden ist, um umsichtig ans Ziel zu kommen. Leider formulieren viele Menschen geschäftliche Wünsche, ohne das nötige Wissen, um sie zu erreichen. Wenn Sie den starken Wunsch nach Veränderung oder einem neuen Projekt haben, nehmen Sie sich die Zeit, um sich das nötige Wissen anzueignen und weise Entscheidungen zu treffen.
Vera Flohr, Bonn, E-mail Adresse: Vera.G.Flohr@gmx.de Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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