

Der beste Charaktertest ist, was man „im Dunkeln“ tut und wer man dann ist. D.h. wie verhalten Sie sich, wenn sie alleine und unbeobachtet sind? Sind Sie die gleiche Person alleine und unter Menschen, oder fällt Ihnen auf, dass Ihre Gedanken und Taten sich merklich verändern?
Vor Jahren nahm ich an einer Diskussionsveranstaltung mit Schülern der letzten Klasse der High School unserer Stadt teil, bei der es um ethische Fragen ging. Diese junge Menschen wurden gefragt, wie sie in folgender Situation reagieren würden: Wenn sie als einziger Mensch auf einem Parkplatz eines Lebensmittelgeschäftes eine Person beobachten würden, die gerade auf dem Weg ins Geschäft einen 100 Euroschein hat fallen lassen.
Mehr als 50% der Studenten meinten, sie würden das Geld einstecken, da es keine Zeugen gab. In einigen Jahren werden diese junge Menschen (und viele wie sie) unsere Arbeitsplätze ausfüllen, einige in hohen Führungspositionen. Stellen Sie sich vor, sie hätten immer noch die gleiche Einstellung. Mit dieser Sicht können wir leicht verstehen, warum sie Probleme als Konzernmanager oder andere Führungskräfte in der Geschäftswelt haben, wo sich viele Möglichkeiten bieten, Firmengelder zur persönlichen Bereicherung zu missbrauchen.
Ob es um 100 Euro auf dem Parkplatz oder 100 Millionen bei Geschäftsbetrug geht: die meisten Verbrechen werden aufgrund der Annahme begangen, dass es keiner je erfahren wird. In ihren Köpfen rechtfertigen die Menschen solche Taten, weil sie vermeintlich geheim sind. Aber lassen Sie sich fragen: Geschieht irgendetwas wirklich geheim?
Sie kennen vielleicht die Geschichte im Alten Testament über Joseph und seinen Ägyptischen Herrn Potiphar. Die Frau des Potiphar, die verliebt war in den jungen Sklaven, verführte Joseph mit ihrer Bitte: „Komm zu mir ins Bett!“ In der Bibel steht, dass Joseph antwortete: «Mein Herr braucht sich im Haus um nichts zu kümmern - alles hat er mir anvertraut. Ich habe genausoviel Macht wie er. Nur dich hat er mir vorenthalten, weil du seine Frau bist. Wie könnte ich da ein so großes Unrecht tun und gegen Gott sündigen?» (Genesis 39, 8-9).
Potiphars Frau hatte alle Diener aus dem Haus geschickt, so dass sie und Joseph ganz alleine im Haus waren. Dieser ehrliche Mann blieb jedoch seinem Glauben und seiner Überzeugung treu, obwohl alles geheim war. Er ließ sich nicht verführen, sondern erklärte, dass er weder seinen weltlichen Herrn verraten, noch gegen Gott sündigen wollte, indem er Seine Gebote und Maßstäbe übertrat.
Im Wesentlichen sagte Joseph aus, dass selbst wenn sein Herr nie etwas erfahren hätte, hätte er es selber gewusst – und viel wichtiger, auch Gott.
Die Geschichte von Joseph geht weiter, er wird falsch beschuldigt von der erzürnten Frau, aber viel später honoriert Gott seine Ehrlichkeit, indem er ihn zum zweiten Mann im Staat Ägypten macht nach dem Pharao. Während diese biblische Geschichte vor einigen tausend Jahren stattgefunden hat, bleiben die Prinzipien aktuell: Selbst wenn Sie alleine sind und keiner zu sehen oder zu wissen scheint, was Sie tun, sind Sie nicht wirklich alleine. Sprüche 10, 9 warnt: „Wer ehrlich ist, lebt gelassen und ohne Furcht, ein Unehrlicher aber wird irgendwann ertappt.“
Furcht vor Gott ist der Grundstein eines ehrlichen Lebens. Wenn sie manchmal im Arbeitsleben versucht sind, unzulässige Abkürzungen einzuschlagen, um persönlichen Gewinn zu erzielen, denken Sie daran, dass Sie nicht alleine sind. Gott ist nahe!
Vera Flohr, Bonn, E-mail Adresse: Vera.G.Flohr@gmx.de Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen, wenn nicht anders angegeben.
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