

Letzte Woche haben wir betrachtet, warum das Schenken so ein wichtiger Teil von Weihnachten ist mit der Erkenntnis, wie sie uns Jesus in Apostelgeschichte 20,35 mitgibt: „Geben macht glücklicher als Nehmen.“ Tief in unseren Herzen, davon bin ich überzeugt, glauben wir das alle. Wenn wir jedoch die Werbung im Fernsehen oder in Zeitschriften anschauen, so scheint doch die Betonung eher auf dem Behalten denn dem Hergeben zu liegen. Scrooge, der bekannte Bösewicht im Großteil der klassischen Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens A Christmas Carol war ein Geizhals, der fest entschlossen war, so viel wie möglich zu horten und möglichst wenig herzugeben. Im Verlauf der Geschichte ändert sich sein Herz; aber uns fällt es nach wie vor schwer, diese Lektion zu lernen. Vor vielen Jahren lehrte mich ein Freund, der eine Wohlfahrtsorganisation in einer großen amerikanischen Stadt leitet, eine wichtige Wahrheit: „Die größte Armut ist die Unfähigkeit zu geben.“
Da wir ja alle erfolgreiche und relativ wohlhabende Geschäftsleute sind, verschwenden wir selten einen zweiten Gedanken an so ein Konzept (wenn überhaupt einen ersten). Das ist für unsere Denkweise völlig fremd. Wir könnten mehr geben, haben aber große Mühe damit. Immerhin haben wir hart gearbeitet und haben unseren Wohlstand verdient. Warum sollen wir ihn nicht behalten? Ausserdem gibt es keine Garantie, dass unser Wohlstand anhält. Warum sollen wir nicht das sicherstellen, was wir haben, falls sich die Zukunft als ungünstig erweist? Das sind natürlich in vieler Hinsicht legitime Fragen. Selbst die Bibel sagt, dass man das erntet, was man sät. Aber unsere Mühe freigiebig zu sein, liegt daran, dass wir gewisse Dinge durcheinander bringen. Wir unterscheiden nicht zwischen unseren Bedürfnissen und unseren Wünschen. Ich brauche Essen und Wasser jeden Tag, eine Grundgarderobe und ein Dach über dem Kopf. Darüber hinaus gibt es noch viele Wünsche: ein besseres Auto, einen schnelleren Computer, mehr Bücher (wenn ich doch schon mehr habe, als ich je lesen kann), eine Ansammlung von Geräten, die mein Leben letztendlich auf keine Weise verändern werden – ausser in mir den Wunsche zu erwecken, noch mehr davon haben zu wollen.
Ich werde nie den Besuch bei einem Freund vergessen, den ich schon einige Jahre nicht mehr gesehen hatte.
Unser Gespräch führte zu dem Thema, wie spirituelle Dinge unser Alltagsleben berühren. Er erzählte sehr begeistert von der neuen Kirchengemeinde, der er und seine Familie kürzlich beigetreten waren und meinte: „Wir haben viele Wünsche aber keinen Mangel.“ Die meisten von uns könnten das gleiche sagen, aber sind wir bereit, das zuzugeben?
In den vergangenen Jahren habe ich die „barrios“ von Monterrey in Mexiko und die „favelas“ von Sao Paolo in Brasilien gesehen. Menschenmassen leben in diesen behelfsmäßigen Wohngemeinschaften und benutzen Pappe und Holzstücke, um einen dürftigen Schutz für sich und ihre Angehörigen zu bauen. Sie haben keine Installation, keinen Strom und kaum genügend Nahrung für den nächsten Tag. Ein kurzer Blick auf das, was diese armen Familien täglich ertragen, genügt um uns bei der Neudefinition von „Wunsch“ und „Grundbedürfnis“ zu helfen.
Die Bibel, die ich als unglaublich pragmatisch und relevant für jeden Aspekt unseres Lebens kennengelernt habe, spricht viel über die Armen und unsere Verantwortung, ihnen zu helfen, wo immer möglich. Es gibt jedoch eine Armut, der die Schriften eine noch viel größere Aufmerksamkeit schenken: die geistliche Armut. Im 2. Korintherbrief 8,9 steht: „Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er für euch arm wurde, obwohl er reich war, so dass ihr durch seine Armut reich werdet“ (meine Übersetzung)
Es ist für mich erstaunlich, dass Gott, der Schöpfer und Bewahrer aller Dinge, ausgerechnet als Kind auf die Welt kommt, heranreift zu einem Mann namens Jesus, nicht nur um zu lehren und als Beispiel zu dienen, sondern auch, um die geistlich Armen zu versöhnen oder belohnen. Das ist eine Wahrheit, die viel tiefgründiger und unwiderstehlicher ist, als wenn ein weltlicher König sich freiwillig erniedrigen würde, um die Rolle seines untersten Dieners auszuüben. Bis heute verstehe ich nicht, warum Gott das getan hat, aber ich weiss, dass Er es tat – und ich bin froh.
Übersetzung: Vera Flohr, Bonn, E-mail Adresse: Vera.G.Flohr(at)gmx.de Bibelzitate sind der Übersetzung Hoffnung für Alle entnommen,
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ist Vizepräsident bei Leaders Legacy Inc., eine gemeinnützige Organisation in Atlanta, Georgia, USA. Er hat Business at its Best: Timeless Wisdom from Proverbs for Today’s Workplace geschrieben und ist Co-Autor von The Heart of Mentoring: 10 Proven Principles for Developing People to Their Fullest Potential zusammen mit David A. Stoddard