

Zusammen mit dem einzigartigen Erlebnis bleibt er als schönster Weihnachtsbaum in meiner Erinnerung. Er stand im Essraum eines Kinderheims für körperlich und geistig behinderte Kinder in einem kleinen bulgarischen Dorf. Aus Karton ausgeschnittene und mit Wasserfarben bemalte Sterne und eine aus zusammengeklebten Zeitungspapierkringeln gefertigte Girlande waren der einzige Schmuck an der kargen, schiefen Arve (Zirbelkiefer). Baumkerzen gab es keine und so spiegelte sich in den Kinderaugen statt Kerzenschein die grelle Deckenbeleuchtung. Wir hatten Geschenke mitgebracht. Für jedes Kind ein kleines Paket mit Stiften, Malblock, Radiergummi, Schokolade und Süßigkeiten.
Im allgemeinen Durcheinander von Auspacken und Staunen spüre ich plötzlich, wie sich eine kleine Hand in die meine hineinschiebt. Nelly hat aus ihrem Paket eine Schoko-Kugel herausgefischt, die sie mir entgegenstreckt. Gleichzeitig zieht mich das gehörlose Mädchen zu sich hinunter. Seine wortlose Umarmung erdrückt mich fast, und der strahlende, staunende und dankbare Ausdruck in seinen Augen berührt mich tief. Der Moment wird für uns beide zum unvergesslichen Geschenk.
Dieser Glücksmoment zeigt, dass Schenken nichts mit der Größe und dem finanziellen Wert einer Gabe zu tun hat und schon gar nicht mit einem bestimmten Zeitpunkt. Weihnachten während des ganzen Jahres also? – Ja, denn ein Moment unserer so kostbar taxierten Zeit, eine Handreichung an jemanden, der dies gerade nötig hat; Vertrauen in eine Person, die an sich zweifelt, sowie Nächstenliebe lassen sich das ganze Jahr über verschenken.
Als ich kürzlich an meiner Kompetenz für ein in Planung stehendes Projekt zweifelte, vieles in Frage stellte, ‘beschenkte’ mich der Fachmentor, indem er die Sachlage klar aufzeigte und mich so ermutigte. In meinem Leben gab es immer wieder Menschen, die mich förderten und mir ihr Vertrauen schenkten – unverdient und ohne eine Gegenleistung erwarten zu können, respektive zu erwarten.
Das größte Geschenk meines Lebens machte mir jedoch vor 18 Jahren Jesus. Er begegnete mir in einer tiefen Lebenskrise, sprach mich an mit einem Abschnitt aus der Bibel und erfüllt seither, was ich damals von ihm erbat. »Ich folge dir auf dem schmalen Weg«, sagte ich ihm, von einem bestimmten Satz berührt.1 »Aber ich bitte dich, von heute an meine Hand nie mehr loszulassen und mich zu begleiten.« Selbst, wenn ich oft einen anderen Weg gewählt hätte; selbst, wenn ich seine Gedanken nicht immer verstand: Er war da. Schenkte mir sein Vertrauen, glaubte an mich und führte mich.
Gott beschenkte mich mit dem Moment, da ich vor dem Traualtar dem Versprechen lauschte, das mein Mann für mich formuliert hatte, und anschließend mit dem Augenblick, in dem unsere Blicke ineinander verschmolzen. Und ebenso wenige Jahre später, als wir im Spitalzimmer gemeinsam beteten und angesichts des nahen Todes diese unbeschreibbare Ruhe und inneren Frieden spürten, als wir einfach wussten: Was auch immer kommen mag, es ist gut.
Gott nahm mich an der Hand, als die jüngere Stieftochter die Diagnose eines Melanoms erhielt und vorübergehend erneut Spitalatmosphäre unseren Alltag bestimmte. Und er half die Ungewissheit zu ertragen, als die Pflegetochter, noch nicht 14-jährig, für drei Monate ohne ein Lebenszeichen untertauchte und Angst, Wut und Schuldgefühle die Tage prägten.
Jesus ist aber auch da, wenn mir ein Alltagsproblem über den Kopf wachsen oder das Selbstmitleid überhand nehmen will. Wenn Zweifel mich plagen. Wenn ich Mitmenschen Unrecht getan habe und ich mich mit der Bitte um Vergebung schwer tue. Und Gott erträgt auch, wenn ich ihn nach Erklärungen frage für Dinge, die ich einfach nicht verstehen kann.
Das Allerschönste ist jedoch, dass Jesus da ist, wenn ich mich so richtig von Herzen freue. Auf einer Schneeschuhtour in seiner wunderbaren Natur beispielsweise, bei einem Kaffeeschwatz mit lieben Freundinnen oder einfach, wenn ich staubsauge und mir dabei bewusst wird, wie schön mein Zuhause eigentlich ist. Ich bin überzeugt, dass Gott mit uns weint und sich mit uns freut. Wie ein guter Freund, aber eben auch als wahrer Gott, der den Überblick nie verliert.
Mit der Menschwerdung seines Sohnes vor über 2000 Jahren machte Gott der Menschheit ein unermesslich großes Geschenk. Jesus verschenkte sich an uns, verzichtete auf all seine göttliche Macht und einen Sonderstatus, damit jeder der an ihn glaubt, als Beschenkter leben – und mit Blick auf die in der Bibel verheißene Ewigkeit – auch als Beschenkter sterben kann.
Die Worte eines mir unbekannten Autors, der beim Verfassen vielleicht gar nicht an die Bibel gedacht hat, fassen dieses Geschenk in Worte: »Du kannst ein Haus kaufen, aber nicht ein Heim! Du kannst ein Bett kaufen, aber nicht Schlaf! Du kannst dir eine Uhr kaufen, aber nicht die Zeit! Du kannst ein Buch kaufen, aber nicht das Wissen! Du kannst einen guten Arzt bezahlen, aber keine Gesundheit kaufen! Du kannst ein Herz kaufen, aber nicht die Liebe!« All das, was wir nicht kaufen können und noch viel mehr, nämlich das ewige Leben, will Gott uns schenken. Die Annahme liegt bei uns!
Ob Sie Gottes Geschenk annehmen wollen, bestimmen Sie. Das folgende Gebet ist eine Möglichkeit, Ihr Vertrauen zu Gott zum Ausdruck zu bringen:
»Mein Gott und Vater, danke, dass du mich liebst und gute Gedanken für mein Leben hast. Es tut mir leid, dass ich mich nicht um dich gekümmert habe und Dinge getan habe, die dir nicht gefallen. Bitte vergib mir.
Danke, Jesus, dass du für meine Schuld am Kreuz gestorben bist. Heile, befreie und verändere mich so, wie du es schon immer geplant hast. Jesus Christus, bitte übernimm du die Leitung in meinem Leben. Ich will dir vertrauen. Amen.«
_______________
1 Matthäus, Kapitel 7, Sätze 13 und 14: »Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und ebenso der Weg dorthin! Viele Menschen gehen ihn. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dorthin ist schmal. Deshalb finden ihn nur wenige.«