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Ausgabe 08/04 

Führen die europäischen Führungskräfte noch?

 

Inspirierende Führungskräfte erkennt man an ihrer Fähigkeit, an ihren Werten selbst dann festzuhalten, wenn alle Stricke reißen, und daran, dass sie klare Grenzen setzen. Ihre Geschäftspartner wissen, dass diese Leiter prinzipientreu handeln und vertrauenswürdig sind.

Abgesehen davon, ob wir mit den in den vergangenen Jahren getroffenen Entscheidungen in Bezug auf den Irak übereinstimmen oder nicht, kamen durch diesen Konflikt ganz unterschiedliche Führungsstile zu Tage – bei Chirac, Blair, Hussein, Bush, den amerikanischen und britischen Generälen sowie dem früheren irakischen Informationsminister, der ohne zu zögern insistieren konnte, dass schwarz weiß war und dass das irakische Regime kurz vor dem Sieg stand!

Führungskräfte faszinieren uns, weil wir als Gesellschaft zutiefst auf sie angewiesen sind. Unsere Gesellschaft wurde geprägt von führenden Persönlichkeiten, die wir in der Vergangenheit hatten, und unsere Zukunft hängt von denen ab, die wir gegenwärtig haben.

Wir müssen uns fragen:

 

  • Was für Führungskräfte haben wir?
  • Was für Führungskräfte wünschen wir uns?


Philosophische Führung – die Denker Wir Europäer haben Gott während der Aufklärung abgeschafft. Trotzdem haben wir viele religiöse äußere Zeichen und Traditionen bewahrt, und es dauerte lange, bis wir feststellten, dass dem Ganzen der innere Kern fehlt, der alles zusammenhält. Als der deutsche Kanzler den Kommentar abgab, dass ‘Antragstellende Staaten die Werte Europas aufrechterhalten müssen’, war es schwierig zu verstehen, was er wirklich damit meinte. Eine zerbrechliche Schale von Vereinbarungen, Gesetzen UND… eine verschwommene Nettigkeit von Geschichte, Kultur und Tradition? Europa sucht eine Sozialpolitik, die diese verkümmerten Organe zusammenhält und ihnen Leben einhaucht. Phänomenale Entwicklungen im Bereich der Naturwissenschaften und eine Denkweise, die Gottes Eingreifen in diese Welt ablehnt, machen es uns schwer, dem Einzelnen, der ja angeblich durch sein Erbgut bestimmt wird, Bedeutung und Verantwortung zuzugestehen!

Die Mehrheit der Europäer sind säkulare Humanisten der optimistischen Art. Trotz jeder Menge gegenteiliger Beweise glauben sie tatsächlich, dass wir uns als Gesellschaft bessern und im moralischen, sozialen und geistlichen Bereich Fortschritte machen. Wir müssen so denken, weil die Alternative dazu undenkbar wäre: pessimistischer Humanismus, der zu tiefster Verzweiflung führen würde.

Politische Führung

Not ist häufig die Mutter der Erfindung. Die Europäische Union wurde daher auf Kompromiss, Konsens und Toleranz errichtet. Die Nachkriegs-Christdemokraten, die für deren Entstehung verantwortlich waren, erkannten das Bedürfnis, vorwärts und nicht rückwärts zu schauen. Sie wussten, dass sie an Deutschland Rache nehmen oder es in eine politische und wirtschaftliche Partnerschaft einbinden konnten, die zu solidarischem Verhalten unter Gleichen führen würde. Die Marschrichtung war, zu vergessen, wenn schon nicht vollständig zu vergeben. Bestrafung war nicht mehr angebracht. Einige sind der Meinung, diese notwendige Kompromissfähigkeit habe unsere Werte untergraben, andere meinen, sie habe unsere Toleranz gestärkt.

Wissenschaftliche Führung

Europa hat bedeutende Beiträge zu wissenschaftlicher Führerschaft erbracht. Die Erforschung menschlichen Erbguts ist faszinierend und hat gewaltiges Potenzial für Gutes – neue Heilmethoden, Vorbeugung usw. Verhaltensforscher erklären, dass unser Verhalten ebenfalls vorwiegend durch Erbgut bestimmt wird. Jedoch Stephen Pinkner behauptet nun in seinem neusten Buch «The Blank Slate» (Der Mensch als leeres Blatt), dass 50% unseres Verhaltens durch Erbgut bestimmt ist und der Rest vorwiegend durch unser soziales Umfeld. Wenn das stimmt, wäre ein faires und gerechtes Rechtssystem unmöglich. Man kann nicht jemanden bestrafen, der gar nicht für sein Verhalten verantwortlich ist.

Wirtschaftliche Führung

Die europäische Geschäftswelt hat eine gute Erfolgsgeschichte. Wir haben aber auch unsere Skandale. Heutzutage passen sich die Menschen in den europäischen Sitzungszimmern der globalen Verwirrung an. Welches Modell der Geschäftsführung ist das beste – das deutsche, das amerikanische oder das britische? Debatten über die Rollen des Vorsitzenden, des Non Executive Directors, des Executive Directors etc. und die Schnittstelle zwischen Aktionären, Geschäftsinteressenten und Management sind verfahren. In ‘The Economist’(25.1.03) kam Derek Higgs zum Schluss, dass diese Debatten fruchtlos sein werden, weil ‘gute Führung mehr von akzeptablem Verhalten als von Gremienstrukturen abhängt’. Verhalten wird von Charakter bestimmt. «Charakter» mag als altmodischer Begriff gelten, wird jedoch zusehends als wichtige Komponente effektiver Führung erkannt, insbesondere, da Führungskräfte heute ständig wachsendem Druck durch dauernden Wechsel, verstärkte Sparmaßnahmen und höhere Zielvorgaben ausgesetzt sind. Wie aber formt man «guten Charakter », und was ist das überhaupt?

Christliche Führung

Unser jüdisch-christliches Erbe ist leider verloren gegangen. Wir haben die wesentliche Struktur verloren, die Europa groß gemacht hat, den Glauben, der ein echtes Verständnis der Menschheit, bedeutenden Fortschritt auf kultureller und sozialer Ebene ermöglicht und viele berühmte Führungskräfte inspiriert hat.

Seit die religiösen Institutionen tatsächlich nur Einrichtungen geworden sind, die sich auf ihr eigenes Überleben konzentrieren müssen, haben Skandale und Heuchelei sie bei ihrer Aufgabe der moralischen Führung lahm gelegt. Christentum ist zu einem Minderheitensport geworden, der von einigen Wenigen ziemlich ernst genommen wird, eine Privatsache, die wenig oder fast gar keinen Einfluss auf die Gesellschaft hat.

Was für Führungskräfte brauchen wir und wünschen wir uns?

Wenn Europa bedeutend sein und die Welt im sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereich positiv beeinflussen soll, wenn es Probleme wie Armut, Migration und multikulturelle Gesellschaft angehen will, braucht es mutige, intelligente Führungskräfte mit Integrität, die gewillt sind, Entscheidungen zum Wohl ihrer Mitmenschen, Organisationen und Nationen zu treffen.

Was für Führungskräfte haben wir heute?

Verantwortungsträger sind heutzutage häufig sehr einsam. Sie leben in Angst vor den Launen der Meinungsumfragen und Märkte wie auch den Erwartungen der Investoren. Man beurteilt sie nach Marktwert, statt sie wertzuschätzen. Über die aufgebauschten an sie gerichteten Erwartungen haben sie keine Kontrolle, und dieselben Kollegen, die sie heute loben, warten darauf, morgen ihre Stelle einzunehmen. Heute noch werden sie von den Medien gefeiert, morgen schon macht eine Schlagzeile alles zunichte. Viele Führungskräfte verbarrikadieren sich, weil sie unter Beschuss stehen.

Alle sorgen sich um die armen ausgestoßenen Einsamen, aber wer sorgt sich um die reichen ausgestoßenen Einsamen?

Ich behaupte, Gott tut dies. Gott ist mit «Sitzungszimmer-Politik» durchaus vertraut. Die menschliche Verhaltensweise hat sich nicht geändert, wenn es darum geht, die Erfolgsleiter zu erklimmen. Gott spricht diese Dinge auch klar in der Bibel an.

Nehmen wir beispielsweise Joab, der David als Armeeführer gut gedient hatte. Er war zwar aufbrausend, aber treu in guten und schlechten Zeiten. Er stand zu David, als Absalom einen Umsturz plante. Was war die Belohnung? David gab Joabs Stelle dessen Vetter Amasa, der Absaloms Truppen angeführt hatte, weil er damit die Armee wieder vereinen wollte. War Joab wütend? Natürlich war er das. Joab tötete Amasa bei der erstbesten Gelegenheit. 1

Und wie erging es Daniel? Intrigen und Neid waren am Hof von Babylon alltäglich. Wenn jemand seine Arbeit gut machte, war das der Weg zum Verhängnis. «… Bald stellte sich heraus, dass Daniel weitaus klüger und begabter war als die anderen Beamten und die Statthalter. Der König dachte sogar daran, ihm die Verwaltung des ganzen Reiches zu übertragen.»2 Die Königin Esther musste schlau und kühn sein, um den Intrigen des ehrgeizigen Haman zu entgehen, der letzten Endes an seinem eigenen Galgen erhängt wurde.3

Ist das heutige Umfeld nicht liberaler und zivilisierter? Nein, diese alttestamentarischen Berichte sind sehr aktuell. Wenige mögen heutzutage erstochen oder an öffentliche Galgen gehängt werden, aber viele werden mit einigen gezielten scharfen Worten vernichtet oder an den Pranger der Medien gestellt. Das Leben wird zerstört, die Familien zerrüttet, Talente am Boden zertreten.

Gott weiß nicht nur über solche Intrigen Bescheid, er hasst sie. Er kennt die Macht einflussreicher Torhüter. Er hat sie an ihren Platz gestellt und wird sie zur Rechenschaft ziehen. Er hat starke Worte im Alten Testament, wo er durch seine Propheten unethisches Verhalten verdammt.

  • «Sie verstehen nicht, das Rechte zu tun.»4
  • «... Sie schießen ihre Lügen ab wie Pfeile; sie besitzen Macht im Land, weil sie betrügen und nicht, weil sie die Wahrheit lieben …»5


Durch den Propheten Amos macht Gott seinen Willen bekannt: «Das Recht soll das Land durchströmen wie ein nie versiegender Fluss.»6

Gott möchte Führungskräfte, die das Folgende tun: «Belügt einander nicht! Fällt im Gericht Urteile, die gerecht sind und Frieden stiften! Seid nicht darauf aus, einander zu schaden, und schwört keine Meineide!»7 Ist das in der heutigen Welt möglich? Wie haben Daniel und Esther das geschafft?

Es ist ein anhaltender Kampf, für den man eine radikal andere Weltanschauung braucht, die

  • dem menschlichen Leben die Würde zurück erstattet
  • Kreativität und Talent schätzt
  • die Dualität menschlichen Lebens erklärt, die große Kapazität für Gut und Böse
  • dem menschlichen Leben Bedeutung und Verantwortung zurück gibt
  • der Arbeit, der Familie und der Gemeinschaft wieder Bedeutung zumisst
  • den Wert von Vergebung, Toleranz und Respekt anerkennt
  • uns an unsere Verantwortung gegenüber der gesamten Menschheit erinnert
  • Führungskräfte motiviert, Veränderung zu suchen UND sie dazu befähigt …


Daniel, Esther, Nehemiah und Josua konnten in einer fremden Kultur und Weltanschauung bestehen, weil sie wussten, dass ihr oberster Manager, der, dem sie letzten Endes Rechenschaft schuldig waren, nicht der König, die Kollegen oder die Investoren, sondern Gott selbst war. Das war es, was ihnen die Freiheit und Kühnheit verlieh, das Richtige zu tun – trotz drohender Konsequenzen.

Jesus tat dies und noch weitaus mehr. Er bewahrte nicht nur seine Integrität trotz der Opposition der Machthabenden und des Wankelmuts der Massen, sondern er machte es durch seinen Tod und seine Auferstehung für uns möglich, so zu leben, wie Gott möchte. Als Verantwortungsträger unsere moralische Verantwortung zu übernehmen, egal, wie hoch der Preis sein mag.

Jesus, der Gott-Mensch, lebte Gottes Wort. Ich habe Hoffnung für Führungskräfte. Weil sie verändert werden, wenn sie ihn kennen lernen.

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Übersetzung: Angelica Jackson

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1 2. Samuel, Kapitel 20, Sätze 9+10

2 Daniel, Kapitel 6, Satz 4

3 Esther, Kapitel 7, Satz 10

4 Amos, Kapitel 3, Satz 10 (Luther Übersetzung)

5 Jeremia, Kapitel 9, Satz 2

6 Amos, Kapitel 5, Satz 24

7 Sacharja, Kapitel 8, Sätze 16+17


Die Autorin

Maureen Edmondson

Maureen Edmondson

GB-Strangford Lough, Nordirland

lebt mit ihrem Mann Doug, der Anwalt ist, in Nordirland. Sie ist VizeVorsitzende des europäischen Zweigs von «Trinity Forum» (www.ttf.org), Non Executive, Director der irländischen Zweigstelle und Vorstandsmitglied der Universität Ulster. Von 1980-2000 war sie bei Mars Incorporated Verantwortliche für Internationale Wissenschaftliche Angelegenheiten. Sie ist Wissenschaftlerin, experimentiert jedoch heute hauptsächlich in der Küche ihres Bauernhauses an der Küste von Strangford Lough.

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