

Ist der korrekte Begriff nicht eher Todes- Versicherung?
Was unter dem Begriff «Lebensversicherung» verkauft wird, hat doch mit Leben gar nichts zu tun! Das wirtschaftliche Risiko eines vorzeitigen Todes soll versichert werden und nicht das lange Leben. Zweifellos gibt es in unserer Gesellschaft «liebe» Angehörige, die der versicherten Person ein ausgesprochen kurzes Leben wünschen - vor allem, wenn sie selber Begünstigte der Versicherung sind. Und manch einer - so habe ich es in Kriminalromanen gelesen - findet ausgerechnet wegen der Aussicht auf die Leistungen seiner Lebensversicherung ein tragisches Ende.
Mit Schmunzeln denke ich mir einen Versicherungsberater aus, der - um meinem Anliegen willen, korrekt zu formulieren, ab heute versucht, seinen Klienten eine Todesversicherung zu verkaufen. Ich fürchte, er wird seine Stelle nicht lange halten können!
Warum ist das so? Warum dürfen wir die Dinge nicht beim Namen nennen? Warum diese verharmlosende, verführerisch-positive Sprache? Es ist doch wahr. Der vorzeitige Tod eines Menschen kann die Angehörigen in Probleme führen. Wenigstens die wirtschaftlichen Folgen dieses Risikos abzusichern, kann im Einzelfall nicht nur sinnvoll, sondern absolut geboten sein. Unser innerer Widerstand, über den Tod - ganz besonders über den eigenen Tod oder über den Tod naher Angehöriger nachzudenken und zu sprechen, hat verschiedene Gründe. Schwierigkeiten macht uns der schicksalshafte Zug, der uns mit dem Tod entgegenkommt: Unbekanntes, Kaltes, Irreversibles. Der Tod kommt oft zur Unzeit, trifft den Falschen.
Anlässlich von Beerdigungen spricht man nicht negativ über den Verstorbenen. Wer die Predigten bei Trauerfeiern ernst nimmt, weiss, dass es mit der Welt täglich schlimmer wird: Immer wurde «der Beste von uns gerissen»!
Ich sehe noch einen weiteren Zusammenhang. Der Tod ist Folge der Vertreibung aus dem Paradies. Paulus schreibt den Christen in Rom: «Der Sünde Sold ist der Tod.» Vielleicht sprechen wir darum nicht gerne über den Tod, weil unbewusst immer etwas von der Ursache des Todes an die Oberfläche kommt. Der Tod ist das Schicksal einer unerlösten, gottfernen Menschheit, ererbt seit der Vertreibung aus dem Paradies.
Ist uns bewusst, dass Gott nicht unseren Tod wünscht? Dass er seit allem Anfang Leben wollte; unser Leben in Gemeinschaft mit ihm, ein Leben in der Fülle? Das Zitat von Paulus ist unvollkommen. Der ganze Satz lautet: «Der Sünde Sold ist der Tod, die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.» (Römer 6,23)
Nun wird es spannend - auch im Hinblick auf das Thema Lebensversicherung. Wenn das Versprechen eines ewigen Lebens stimmt, beginnt dieses nicht mit dem Tod, sondern hat schon angefangen! Ich werde zwar wie alle anderen Menschen sterben, aber das Leben wird nachher eine Qualität haben, die ich mir heute nur ansatzweise vorstellen kann. Des Menschen tiefsteSehnsucht nach Gemeinschaft mit Gott wird restlos beantwortet werden.
Das Fantastische dieser Botschaft ist, dass sie bereits jetzt, im Heute, spürbare Auswirkungen hat. Ich muss nicht warten. Gemeinschaft mit Gott ist jetzt möglich; sinnvoll, erfüllend - Leben!
Wenn das keine Lebensversicherung ist!