

Die folgende Geschichte ist gewissermaßen erfunden, obwohl die Einzelheiten nicht aus der Luft gegriffen sind: Helga wird unter unglücklichen Verhältnissen geboren, und zwar von einer Mutter, die noch zur Schule geht und in einer schwachen Stunde dem Druck nachgegeben hat, das allgemeine Sexualtreiben mitzumachen, wie es ja (angeblich) ‘alle’ tun. Das Kind wird von den Großeltern betreut, spürt aber, dass es unerwünscht ist und im Grunde auch für sie eine nicht vorgesehene Belastung darstellt. Ein harmonisches Familienleben mit liebevoller Zuwendung durch Mutter und Vater ist ihm nicht vergönnt.
Später hat Helga die Absicht, im eigenen Leben alles besser zu machen. Sie träumt von einer glücklichen Ehe und fröhlichen Kindern. Doch die verständlicherweise überstarke Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit führt auch bei ihr zu allzu frühen, intimen Bindungen und dann zu einer unüberlegten, rein emotionalen Partnerwahl. Nach wenigen Jahren wird die Ehe wieder geschieden, obwohl zwei Kinder da sind; wir nennen sie Klaus und Sabine. Für beide bricht eine Welt zusammen, die sie aus ihrer kindlichen Perspektive bisher noch als einigermaßen harmonisch empfunden hatten. Die Folgen sind psychische Störungen, schulische Lernschwierigkeiten, vor allem auch in Mathematik, wo ein vorausgehendes, frühkindliches Urerlebnis von guter, harmonischer Ordnung so wichtig ist.
Dritte Generation: Klaus gründet eine Familie, motiviert von der guten Absicht, die Fehler seiner Vorfahren aus den beiden letzten Generationen nicht zu wiederholen. Aber er kennt ein intaktes Familienleben nur aus Büchern und Erzählungen, nicht aus eigener Erinnerung. Daher fehlt ihm der instinktsichere Zugang zu vielem, was andere aufgrund einer guten Kindheit an verinnerlichten Erfahrungen mitbringen. Die Erziehung seiner Kinder gelingt nur zum Teil. Vierte Generation: Eine Tochter von Klaus erfährt durch die Begegnung mit Gott eine tiefgreifende, heilsame Veränderung ihres Lebens. Sie erlebt das Geheimnis der Vergebung von Schuld durch Jesus Christus in einer solchen Tiefe, dass damit bei ihr auch eine Befreiung von den unseligen Folgen ihrer familiären Vergangenheit verbunden ist. Denn sie kommt dazu, diese Folgen mit Gottes Hilfe betend aufzuarbeiten. Unter seinem spürbaren Segen übt sie einen neuen, an der Bibel orientierten, dem Zeitgeist entgegengesetzten Lebensstil ein. Sie hofft, dass in der Zukunft dieser Segensstrom nicht abbricht, sondern viele Generationen hindurch erhalten bleibt.
Ist das alles fromme, weltferne Schwarz-Weiß-Malerei aufgrund einer veralteten Moral? Offen gesagt: Ich würde es niemandem verübeln, wenn er so denken sollte. Doch kenne ich allzu viele Beispiele, die so oder ähnlich verlaufen sind wie hier beschrieben. Vor allem aber weiß ich eins: In der Bibel steht ein äußerst tiefsinniges, nicht leicht zu verstehendes Wort über das nachhaltige, auf Liebe zu uns Menschen bedachte Handeln Gottes, das die hier geschilderten Beobachtungen vorwegnimmt und sich offensichtlich immer wieder bewahrheitet. Dort heißt es nämlich: «Ich (Gott) erweise Güte über Tausende von Generationen hin, ich vergebe Schuld, Verfehlungen und Auflehnung; aber ich lasse auch nicht alles ungestraft hingehen. Wenn sich jemand gegen mich wendet, dann bestrafe ich dafür noch seine Kinder bis in die dritte und vierte Generation.»1
Dies gilt es in der Tiefe zu verstehen und anzuerkennen. Der Tenor der ganzen biblischen, guten Nachricht liegt darin, dass Gott jeden einzelnen Menschen liebt und ihn durch erlösende, persönliche Gemeinschaft positiv verändern und von allen negativen Bindungen befreien möchte. Deshalb schickte er seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt, um durch seinen Tod unsere Schuld zu ahnden, die uns sonst von Gott trennen würde. Erforderlich ist nur, dass wir diese nachhaltige Veränderung wirklich wollen und an uns geschehen lassen. Dann wendet Gott uns liebevoll seine helfende und schützende Kraft zu, seinen Segen.
Bei der Neuwerdung eines Menschen durch den Glauben geht es also um viel mehr als nur um einen Wechsel der moralisch-ethischen Maßstäbe, wiewohl dieser als erster Schritt dringend geboten sein mag. «Mach dich auf und wiederhole diese Sünde in Zukunft nicht mehr», sagte Jesus zu einer Frau, die gerade bei einem Fehltritt überrascht worden war.2 Was Gott jedoch an uns letztlich bewirken will, ist eine Veränderung, die weit über die Moral hinausgeht. Denn unter seinem Segen wird ein Mensch aktiv in das Programm Gottes einbezogen, in dieser Welt tatkräftig seine umgestalbetende Liebe zu verbreiten und anderen Menschen den Weg zu Gott zu ebnen.
Dieses Programm ist nachhaltig und von starker, dynamischer Wirkungskraft. Es wirkt im Sinn des zitierten Bibelwortes gewissermaßen im Verhältnis 1000:4 gegenüber den bösen Gegenkräften, die das Leben eines Einzelnen, einer Familie oder auch einer Gesellschaft belasten können.
Dabei gehen die positiven Wirkungen dieser Kraft weit über den ursprünglich beteiligten Menschen hinaus. Sie können sich so zu sagen ‘tausend Generationen’ lang erhalten, auch in einem Volk, wiewohl dies nicht als automatisch anwendbare Formel gemeint ist. Daher spüren wir mitunter, dass wir besondere Gunst von Gott empfangen, weil wir vielleicht eine für uns betende, im Glauben verwurzelte Mutter oder Großmutter hatten, wie es sogar Gorbatschow von sich berichtet hat. Im Leben des Einzelnen, in manchen Familien wie auch in Gesellschaften sind mitunter deutliche, segensreiche Folgen zu erkennen, die auf dem gottesfürchtigen Verhalten früherer Generationen beruhen.
Auch die Sache mit der ‘Strafe’ Gottes, die drei oder vier Generationen andauern kann, ist nicht als mechanisch anzuwendende Formel gemeint. Schließlich wirken sich, wie das am Anfang geschilderte Beispiel zeigen sollte, mitunter die Verfehlungen eines Einzelnen durch eine komplizierte Verstrickung von Umständen auch auf seine Nachkommen oder andere Mitmenschen aus, nicht nur bei AIDS, bei praktiziertem Spiritismus und bei Verbrechen an eigenen Kindern oder Enkeln. Schließlich haben auch politische Verbrechen, gerade im 20. Jahrhundert, schon dazu geführt, dass für längere Zeit unbeteiligte Nachkommen die Folgen zu tragen haben.
Aber jeder, der davon betroffen ist, darf wissen, dass Jesus Christus auch bei ihm diesen Teufelskreis durchbrechen und einen radikalen, neuen Anfang setzen möchte. Denn er will, dass allen Menschen geholfen wird, nicht nur besonders Privilegierten. Die Liebe Gottes ist von unbegrenzter Nachhaltigkeit.
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1 2. Mose 34, Satz 7 (Gute Nachricht Bibel)
2 Johannes, Kapitel 8