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Die IVCG

 
Ausgabe 03/07 

Warum es die IVCG nach 50 Jahren noch gibt ...

 

Die Internationale Vereinigung Christlicher Geschäftsleute (so die etwas umständliche und erklärungsbedürftige Ausschreibung des Kürzels IVCG), ist Herausgeberin dieser Zeitschrift und Organisatorin von Vortragsveranstaltungen in rund 100 Städten des deutschsprachigen Europas; im Jahr 2007 feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen. Es gibt viele Gründe, dankbar in die Vergangenheit zu blicken. Und es gibt noch mehr Gründe, die Zukunft positiv zu erwarten.

Beginnen wir bei den Menschen Die IVCG wird geprägt und getragen von rund zweitausend Mitarbeitenden. Zweitausend Menschen stellen einen Teil ihrer Zeit und ihrer Kraft, ihres Wissens und Könnens zur Verfügung; fast alle arbeiten nicht nur unentgeltlich mit, sondern bezahlen ihre eigenen Spesen und finanzieren gleichzeitig die kleine Infrastruktur. Die IVCG kann nur existieren und Wirkung entfalten dank dieser Menschen.

Einige haben das Gesicht und die Geschichte der IVCG in besonderer Weise geprägt. Besonders zu erwähnen ist Dr. Ad. Guggenbühl (1921-2001), ein Zürcher Rechtsanwalt, der die IVCG – im Gehorsam gegenüber Gott, wie er immer wieder betonte – gründete und 35 Jahre lang leitete. Dr. Guggenbühl verband in seiner Person einige herausragende Charakterzüge: auf der einen Seite war er visionär, weit blickend, scharf analysierend, ein brillanter Denker. Und dann gab es die ganz andere Seite in seinem Charakter: ein demütiger Mann mit dienender Haltung, liebevoll und fürsorglich. Er wusste sich als ein Instrument in Gottes Hand: ein Christ mit auf Gott ausgerichteten Augen und Ohren und einem weiten Herzen für die Menschen seiner Zeit.

Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, der Wissenschaft und der Wirtschaft stellten sich (und stellen sich zum Glück noch heute) in den Dienst der IVCG, speziell als Referenten. Einige haben hunderte von Vorträgen gehalten, von Flensburg bis in die Südschweiz, von Wien bis Brüssel. Es ist kaum vorzustellen, wie viel Zeit und Geld sie für diese Sache eingesetzt haben!

Was verbindet die Mitarbeitenden der IVCG?

Es ist die Leidenschaft! Zum einen wissen sie sich – über alle kirchlichen Unterschiede hinweg – leidenschaftlich von Gott geliebt: Im Zentrum ihres Glaubens steht der allmächtige Gott, der seinen Sohn, Jesus Christus, leiden ließ, damit die Menschen seiner Zeit und aller späterer Generationen ein lebenswertes Leben bekommen (wenn sie es denn wollen!), ein Leben, das sogar über die irdischen Schranken hinaus ragt. In einer Zeit der konfessionellen Vielfalt, von Ab- und Ausgrenzungen ist es ein Wunder, wenn Menschen aus den verschiedensten Kirchen und Gemeinden friedlich und in Einheit zusammen arbeiten können.

Die IVCG-Mitarbeitenden wissen sich, so habe ich ausgeführt, von Gott leidenschaftlich geliebt. Solche Liebe ist ansteckend! Die IVCG hat von allem Anfang an und bis heute das Ziel, Menschen in Verantwortung zu zeigen, dass diese Liebe nicht nur einer kleinen Schar von Auserwählten gilt, sondern allen Menschen. Die Anlässe der IVCG sind deshalb keine Insider-Veranstaltungen, keine netten Zusammenkünfte von Vereinsmitgliedern. Sie sind auf das Ziel ausgerichtet, andere Menschen mit der befreienden Botschaft des christlichen Glaubens zu erreichen. Gleichzeitig haben sie unsere Gesellschaft im Blick. Sie wissen, dass durch die Hinwendung der Einzelnen zu Gott eine viel größere Zahl von Menschen positiv beeinflusst wird. Noch einmal: Liebe ist ansteckend.

Während die Botschaft der IVCG während der fünfzig Jahre gleich geblieben ist, haben sich die Methoden immer wieder etwas geändert: Feierliche Abendveranstaltungen im gehobenen Stil prägten lange Zeit das Bild. Vorträge wurden umrahmt von einem Bankett mit allem, was dazu gehört. Diese Veranstaltungen haben auch heute noch einen wichtigen Platz im Angebot der IVCG. Der Schwerpunkt hat sich aber verschoben: Im Zentrum stehen heute kommunikativere Formen, kleinere Anlässe; ganz besonders wichtig wurden «Gesprächsrunden», Kurzseminare, lockere Zusammenkünfte im kleinen Rahmen; neue Formen wie «Sinnbörsen» und Roundtable, werden regional mit großer Begeisterung durchgeführt. Aber immer stehen zwei Elemente im Vordergrund: Die Botschaft des christlichen Glaubens und die Begegnung zwischen Menschen, unabhängig davon, ob diese Menschen nun «gläubig in unserem Sinne» oder nicht seien!

Spannungsfelder

Die IVCG balanciert in einem labilen Gleichgewicht; oft scheint es, sie befinde sich auf einem Grat, und auf beiden Seiten des Grates gebe es einen Abgrund. Ich nenne einige Spannungsfelder:

Die IVCG-Mitarbeitenden sind sich über den Kern des Evangeliums einig. Das bedeutet aber gleichzeitig: Sie müssen liebevoll akzeptieren, dass ihre Freunde gewisse Dinge des Glaubens anders sehen als sie selber. Das wird manchmal als große Herausforderung erlebt. Ich bin dankbar, dass wir nie in Extremen gelandet, sondern nahe am Zentrum geblieben sind.

Die IVCG nimmt nur einen beschränkten Auftrag wahr. Manchmal wäre ein klares Wort in der Politik und in der Gesellschaft wichtig; zu gewissen Fragen drängt es sich geradezu auf – und die «offizielle» IVCG schweigt. Sie ermuntert und motiviert ihre Mitarbeitenden, im eigenen Namen zu sprechen; das Schweigen der offiziellen IVCG wird manchmal als schmerzlich erlebt. Dafür konnte die IVCG von keinen Parteien und Gruppierungen vereinnahmt werden.

Dafür sind wir dankbar.

Die IVCG bündelt die wirtschaftliche Kraft ihrer Mitarbeitenden nicht, um soziale oder gesellschaftliche Anliegen zu verwirklichen. In ihren missionarischen Anliegen sind die Mitarbeitenden eins, überlassen es aber der Verantwortung der Einzelnen, wie und wo sie handeln wollen. Allerdings investiert die IVCG mit ihrem «IVCG Young Professionals»-Programm heute in die jüngere Generation von Führungskräften in Wirtschaft und Gesellschaft.

Die IVCG will Menschen in Verantwortung ansprechen, weil über sie die Gesellschaft verändert werden kann. Die Beschränkung auf einen kleinen Teil unserer Bevölkerung wird manchmal kritisiert. Wir sprechen Menschen in Verantwortung (und damit jene, die in einer hierarchisch gegliederten Gesellschaft oben stehen) an, das heißt aber nicht, dass wir überheblich denken und handeln – wir erleben diese Menschen wie uns selber: als bedürftige, auf Gnade angewiesene Frauen und Männer.

Warum hat die IVCG Zukunft?

Es ist einzig das Vertrauen auf einen gnädigen und liebevollen Gott, der mich positiv stimmt. An der IVCG liegt es, immer wieder und in immer neuen Formen seine Botschaft an die Verantwortungsträgerinnen und -träger unserer Zeit weiter zu geben. Gott selber, Schöpfer dieses Universums, ist unendlich kreativ. Wenn es uns gelingt, auch nur einen kleinen Bruchteil dieser Kreativität in die Arbeit der IVCG zu übertragen, haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, und Sie, liebe Besucherinnen und Besucher der IVCG-Anlässe, noch Großes zu erwarten!

Der Autor

Christoph Wyss

Christoph Wyss

CH-Bern

Fürsprecher/Rechtsanwalt, Präsident der IVCG

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