

Kürzlich war ich intensiv mit Mitbewerbern und einem insolventen Kunden beschäftigt.
Es begann am Dienstag um 17.30 Uhr: Ein Mitbewerber mit einigen Lkw’s steht vor dem Aus! Sein ganzes privates Vermögen hat er in seine Vision investiert. Wenn er dem Finanzamt nicht bis zum nächsten Tag 20’000 Franken bringt, verliert er auch das Haus, sein Elternhaus! Ihm klar zu machen, dass eine weitere Aufstockung des bestehenden und schon mehrmals angepassten Darlehens sein Unternehmen jetzt nicht mehr retten kann, ist nicht ganz einfach. Wohl aber ist es unsere Pflicht, sein Wohnhaus zu retten.
Mittwoch, 14 Uhr: Einer meiner schlimmsten Konkurrenten hat nach ersten Übernahmegesprächen ein erstes Treffen mit mir. Er sieht die Zukunft nicht mehr so rosig; im Alleingang sei es kaum mehr zu schaffen. «Ausgerechnet er», geht es mir durch den Kopf. Er, der mich seit Jahren bei allen möglichen Kunden verunglimpfte, will nun gemeinsame Sache machen. Eine Situation, die man nach einer langen und so intensiven Konkurrenzphase gerne etwas auskosten würde. Ich antworte ihm in dem Sinne, dass wir bestimmt gut zusammenarbeiten werden und ich mich über sein Kommen freue. Die Vergangenheit sei Vergangenheit, wir müssten nach vorne schauen. Sein Zutrauen zum 'bösen Schöni' konnte gestärkt werden.
15 Uhr: Der nächste Mitbewerber aus derselben Branche sitzt mir gegenüber.
Der bald 90-jährige Patron will einfach nicht glauben, dass nach 70 19Jahren Zusammenarbeit einer seiner beiden Hauptkunden einfach ausgestiegen
ist, ohne Vorankündigung. Ich versuche ihm die Marktsituation zu erklären, ohne Erfolg. Er kann und will es wohl nicht verstehen!
Am Abend sitze ich einem Kunden gegenüber, der seit letztem Jahr keine Transportrechnungen mehr bezahlt hat. Mittlerweile schuldet er mir über 500’000 Franken. Dass es dem Unternehmen nicht gut geht, wissen wir seit Wochen. Wir versuchen seither, eine Lösung für die Angestellten, Kunden und Lieferanten zu finden. Der bald 70-jährige Chef übergibt mir ein Dokument, auf dem er die Werte seines Unternehmens aufgelistet hat. Ich streiche, ohne viele Worte zu verlieren, einzelne Positionen durch. Er schaut mich an und fragt: «Willst du damit sagen, dass mein ganzes Lebenswerk keinen Wert mehr hat? Was ist mit meinen Angestellten, das ist doch ein eingespieltes Team! Was ist mit unserer IT, die eine Million gekostet hat? Was ist mit unserem Kundenstamm?» Ich muss ihm klar machen, dass unter den heutigen Voraussetzungen alle diese Dinge eigentlich keinen richtigen Wert mehr darstellen.
Und dann sehe ich mitten in dieser Sitzung vor meinem inneren Auge den Unternehmer Schöni, der am Jüngsten Tag vor Gott steht und versucht, die 'Werte' seines Lebens hervorzuheben. Wird Gott meine Werte in meinem Sinn beurteilen, oder liege ich völlig falsch? Schaffen meine Werke und mein Leben auch wirklich Werte für die Ewigkeit?
Bei längerem Studium kommen mir, wie Ihnen wohl auch, einige Tatenund Werke in den Sinn, die doch vor Gott sicherlich Werte darstellen müssten. Doch werden diese ausreichen? Was wäre, wenn an der Himmelspforte eine Waage installiert wäre und Gott unser Leben nach menschlichen Maßstäben abwägen würde? Wie schwer wiegt dann alles Versagen und Unterlassen? Auf welche Seite würde wohl der Zeiger ausschlagen? Gott sei Dank, dass wir die Ewigkeit nicht durch Werke erlangen müssen! Gott sei Dank, dass wir nicht permanent eine Bilanz und eine Erfolgsrechnung erstellen und durch Auswerten der wichtigsten Kennzahlen in Erfahrung bringen müssen, wie denn aktuell unsere Aktien beim himmlischen Vater stehen? Dank Jesus, der auf Golgatha mit seinem Leben für all unsere Fehler, Unterlassungen und Fehltritte bezahlt hat, ist der Weg zum Vater ohne vorheriges Abwägen frei. Auch wenn unsere irdische Bilanz beim Konkursrichter landen sollte, behalten unsere Aktien als Mensch beim Schöpfer den Wert! Manch ein gestrandeter Unternehmer wird demnach einst im Himmel mehr Lohn erhalten als gefeierte Manager, die es auf Erden zu viel Reichtum und Ansehen gebracht haben. Bei Gott zählt nicht unser Kontostand oder unsere Wertsammlung, sondern unsere Herzenseinstellung zu ihm und seinem Sohn Jesus Christus.