

In früheren Generationen waren viele kluge Geister bemüht, eine Grundlage für die Werte zu finden, nach denen der Mensch sich richten kann. So hatte der Humanismus als höchste Werte das Gute, Schöne und Wahre postuliert und in ihnen das echte Wesen des Menschen gesehen. Der Versuch, die Menschheit durch Erziehung auf diese Werte hin zu veredeln, scheiterte jedoch kläglich. Denn es zeigte sich, dass die menschliche Natur außerstande ist, sie aus eigener Kraft zu verwirklichen. Trotz aller noblen Bemühungen konnten die Vertreter des Humanismus nicht die gigantischen Blutbäder unter Stalin, Hitler, Mao und anderen verhindern.
Die Völker wurden unter diesen Ideologien mit bestimmten Werten indoktriniert, zu denen Pflichterfüllung, Gehorsam, Treue, Selbstbeherrschung und ein übersteigertes Nationalbewusstsein gehörten. Dies schloss auch so genannte Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Sauberkeit und Ordnung mit ein.
Die geschichtliche Gegenreaktion ist bekannt. Da die genannten Werte von den Machthabern für furchtbare, böse Ziele missbraucht wurden, fühlte sich in Deutschland und Österreich eine ganze Generation missbraucht und verführt, wobei auf den Schlachtfeldern Millionen ihr Leben verloren oder Invaliden wurden.
So ist es verständlich, dass nach 1945 das neue Schlagwort Wertfreiheit hieß. Erziehung und Bildung sollten dem Jugendlichen keinerlei Werte mehr vorgeben. In absoluter Freiheit sollte der Einzelne sich selbst verwirklichen und seine Werte selbst bestimmen. Das Ergebnis war ein allgemeines Werte-Chaos. Viele, denen bei der Erziehung keine Grenzen mehr gesetzt wurden, kamen dann als Erwachsene mit dem Leben nicht zurecht. Auf der Suche nach vermeintlicher Freiheit gerieten sie in die zerstörerischen Fangarme von Haltlosigkeit, Genusssucht und Desorientierung.
Nicht nur die privaten Folgen waren verheerend, sondern auch die gesellschaftlichen. Die Kriminalität nahm zu, insbesondere die Wirtschaftskorruption. Viele Ehen zerbrachen, so dass Millionen von Kindern ohne liebevolle Zuwendung von Mutter und Vater aufwuchsen und schwere Persönlichkeitsschäden entwickelten. Und da die Ehe nicht mehr als Wert begriffen wird, erscheint sie heute vielen als ein Auslaufmodell, an dem sie sich nicht beteiligen wollen. Daher sind unsere Gesellschaften in Mitteleuropa nicht nur auf dem Weg in den moralischen Niedergang, sondern auch in einem weit fortgeschrittenen biologischen Aussterbeprozess, der bereits seine ersten wirtschaftlichen und sozialen Folgen zeigt. In dieser Situation ist seit etwa zehn Jahren die Frage nach Werten wieder neu aufgebrochen. Es spricht sich mehr und mehr herum, dass eine Gesellschaft ohne Werte wie ein Schiff ohne Navigation ist. Gerade unter den Führungskräften in Wirtschaft, Politik und Kultur ist die Frage nach sinnstiftenden Werten wieder aktuell, so dass entsprechende Kongresse und andere Veranstaltungen stark gefragt sind. Der Zeitgeist des Jahres 2007 fragt wieder intensiv danach, welche Werte nötig sind für ein Überleben unserer Kultur unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts.
Dass diese Wertediskussion an vielen Stellen in Gang gekommen ist, gehört mit zu den wenigen Lichtblicken dieses Jahrzehnts, der gegenwärtigen 00-Jahre.
Zweifellos steht sie erst am Anfang, und sie sollte intensiv weitergeführt werden, auch international. Man braucht ja nur daran zu denken, wie viele Menschenleben gerettet und wie viel Leid vermieden werden könnte, wenn sich der Verzicht auf Gewalt bei politischen, religiösen oder moralischen Meinungsverschiedenheiten als Wert mehr durchsetzen würde.
Wer von uns dazu die Möglichkeit hat, der sollte sich aktiv und einfühlsam an dieser Wertediskussion beteiligen. Denn ihr Ergebnis wird in den nächsten Jahrzehnten darüber entscheiden, ob unsere Nachkommen hier in Mitteleuropa in Freiheit überleben können. Jedoch hängt ein solcher Einsatz ummittelbar davon ab, ob wir für uns selbst die Frage nach den Werten in aller Tiefe beantwortet haben. So ist es bei einer Rückkehr zu den christlichen Werten selbstverständlich dringend, dass die Zehn Gebote wieder neu entdeckt und im öffentlichen Bewusstsein anerkannt werden. «Nicht stehlen» hat etwas mit Steuerehrlichkeit zu tun; «nicht morden» bezieht sich auch auf die Abtreibung, und «nicht lügen» hängt mit geschäftlicher oder journalistischer Ehrlichkeit zusammen. «Nicht die Frau des Mitbürgers begehren» bezieht sich direkt auf das heutige Sexualverhalten usw. Man kann daher solche Werte eigentlich nicht gegenüber anderen vertreten, ohne sie persönlich zu befolgen.
Es kommt noch hinzu, dass wir aus dem Neuen Testament wissen, wie Jesus Christus selbst diese Gebote verstanden hat. Seine grundlegende Bergpredigt erklärt, dass Gott nicht nur die faktische Einhaltung dieser Gebote von uns erwartet, sondern auch eine entsprechende Reinheit unserer Worte, Gedanken und Gefühle.
Aber wer von uns ist eigentlich imstande, solche hohen Maßstäbe einzuhalten? Hier rührt die Suche nach Werten an den Kern der christlichen Botschaft überhaupt. Wir brauchen nämlich eine radikale Veränderung unserer Persönlichkeit, um nach den Werten Gottes leben zu können. Bloße geistige und religiöse Bejahung reicht eben zu ihrer Verwirklichung nicht aus. Nur in unserer persönlichen Begegnung mit Jesus Christus, in der Hingabe des eigenen Willens an seinen, in der Annahme der Vergebung unserer persönlichen Schuld aufgrund seines Todes am Kreuz kommt jene Persönlichkeitsveränderung zustande, die zu dem erwähnten neuen Wertbewusstsein führt.
Ein solcher Glaube bedeutet – anders als der Humanismus und jeder andere Ismus – den Anschluss an eine Kraftquelle. Der höchste Wert ist eben die Totalbindung an Jesus Christus, und alle anderen Werte im Leben des Glaubenden sind Folgen, die sich aus ihm ergeben.
Übrigens ist dies im Prinzip das Programm der IVCG seit ihrer Gründung vor 50 Jahren: Führungskräften bei der Suche nach Werten für ihre persönliches und berufliches Leben behilflich zu sein. In unseren Vorträgen und Seminaren geht es oft um aktuelle Wertfragen, die heutigen Verantwortungsträgern auf den Nägeln brennen. Dabei zeigt sich jedoch immer wieder, dass die sachliche Behandlung dieser Themen, die selbstverständlich nötig ist, bei konsequenter Betrachtung eigentlich immer einmündet in die Frage nach Gott und unserem persönlichen Verhältnis zu ihm. Wer eine Veranstaltung der IVCG besucht, der kann spüren, dass er bei uns nicht nur einfach als Informationsempfänger betrachtet wird, sondern als Gesprächspartner, als «wertvolle» Person, die vielleicht nach Erfahrungen des Zerbruchs ungelöste Fragen hat und auf der Suche nach neuen Werten ist. Manche haben auf diese Weise schon den höchsten Wert gefunden, so dass ihr Leben neu und froh wurde.
Ausführliche Informationen über die IVCG und ihre Veranstaltungen findet man auch im Internet unter www.ivcg.org