

Vitalität ist mehr als Lebenskraft, mehr als Gesundheit und Fitness, mehr als Lebensfreude.Vitalität ist ganzheitlich zu verstehen, als Geheimnis erfolgreichen, erfüllten Lebens.Vielleicht wird sie am besten mit Lebendigkeit an Geist, Seele und Körper beschrieben.
Im Anforderungsprofil von Führungskräften fehlt sie nie und steht oft unausgesprochen ganz oben. Ausstrahlung und Persönlichkeit lassen sich kaum trennen, sie gehören zusammen.
Es ist die Art und Weise, wie ich mit einer Aufgabe, mit einer Herausforderung umgehe; wie ich mich präsentiere. Die Art, wie Menschen mit sich selbst und anderen umgehen, ist ein wesentliches Persönlichkeitsmerkmal. Vitalität ist wichtig für Menschen, die in Verantwortung stehen oder hineinwachsen wollen.
Ein Fallschirmjägeroffizier kommt mir da in die Gedanken. Ich hatte ihn mit anderen ausgewählt zu einer Überlebensübung in Norwegen. Er hatte im Gegensatz zu den anderen Offizieren unserer Gruppe keine besondere Sicherheit, sich auf Skiern fortzubewegen. Nun waren aber täglich ca. 40 km Skigepäckmarsch im hochwinterlichen und unwegsamen Mittelnorwegen zurückzulegen.
Wie schaffte er das? Trotz unzähliger Stürze mit schwerem Rucksack und bei eisigem Schneesturm kam er durch. (Jeder Skitourengänger weiß, was es heißt, sich mühsam aus dem Tiefschnee wieder aufzurappeln.) Er hatte «Biss», Überlebensmut und eine scheinbar nichtversiegende Energie. Er war am Ende der Übung der gefeierte Star bei den norwegischen Gastgebern.
Bei der Auswahl hatte ich seine große Willensstärke und den tiefen Wunsch, dieses Abenteuer bestehen zu wollen, erkannt. Außerdem hatte er großes Selbstvertrauen. Sein Einsatz war ein Erfolg. Er hatte mit seiner Vitalität die anderen Teilnehmer sogar noch angespornt, ebenfalls durchzuhalten. Er war ein Mensch, dem man später getrost größere Verantwortung übertragen konnte.
Auf der Suche nach Führungspersönlichkeiten erliegen wir oft äußeren Eindrücken. Papiere, gute Examina sind uns oft das Wichtigste. Jedoch entdecken wir immer mehr andere Kriterien, die schwieriger zu ermitteln und nachzuweisen sind. Neben der Sachkompetenz zum Beispiel die soziale und emotionale Kompetenz.
In der Bewährung, d.h. «on the job» zeigt sich häufig erst, was wirklich in den Einzelnen steckt. Führungskräfte im Amt haben die vornehme und schwierige Aufgabe, jüngeren Menschen frühzeitig Aufgaben zu übertragen und dabei hinter ihnen zu stehen.
Wir sprechen heute gerne von der «Davidgeneration», d.h. von jungen Menschen, die bereit sind, Aufgaben beherzt zu übernehmen. (In seiner Karriere vom Hirten aus dem Volk zum großen König war David der bekannte Gegenspieler von Goliath.) David hatte drei wichtige Eigenschaften, die seine Vitalität mitbestimmten. Er hatte Gottvertrauen, er hatte Sachkompetenz (er wusste mit seiner Steinschleuder bestens umzugehen) und er hatte das Vertrauen des Königs.
Führer von morgen, die heute gefunden und berufen werden, brauchen Vertrauen von oben, Anleitung und Begleitung. Was sie mitbringen und entfalten müssen, ist Vitalität. Wir dürfen ihnen dabei nicht im Weg stehen oder sie gar ausbremsen. Das pädagogische Prinzip bei Eltern und Erziehern, bei Professoren und Trainern liegt also in der Investition in Menschen. Frühzeitiges Erkennen, Freisetzen und Ermutigen ist die Voraussetzung für Vitalität.
Gerade hier werden häufig Fehler gemacht. Man nimmt lieber die «Schale für den Kern»; d.h. funktionieren, sich anpassen und einpassen wird viel zu hoch bewertet. Der Kardinalfehler liegt darin, dass wir eher Entmutigung oder gar Rebellion fördern, statt Vitalität zu fordern und zu fördern. Vitalität ist also beeinflussbar. Es gilt zu erkennen, wo Freiraum gewährt werden muss, wo nachgesteuert werden kann, ohne zu bevormunden.
Vitaplin ist keine hilfreiche Arznei, sondern eine Wortschöpfung für den Umgang mit Vitalität. Denn Vitalität und Disziplin widersprechen sich nicht; sie sind geradezu eine selbstauferlegte Ergänzung. Menschen in Verantwortung können sich selbst an diesen Kriterien prüfen. Von außen werden sie ohnehin daran gemessen und müssen dazu bereit sein.
Hier gibt es zunächst unsere Disziplin und Ordnung. Gordon McDonald schreibt hierzu in seinem Buch «Ordne dein Leben» folgenden Gedanken und Vorschlag: «Wenn meine innere Welt (Geist und Seele) in Ordnung ist, dann deshalb, weil ich täglich mein Leben und meine Zeit neu, dankbar aus der Hand Gottes annehme und damit verantwortlich umgehe. Weil ich täglich die Entscheidung treffe, den Stand der Ordnung zu überprüfen, weil ich mich als Gottes Haushalter sehe. Meine verborgene Welt ist deshalb in Ordnung, weil ich keine Angst habe, allein und still vor Gott, dem Schöpfer zu stehen.»
Es ist in zunehmendem Maße unser Egoismus und damit unser vermeintliches Recht auf Selbstbestimmung, die mich diesen Schlüssel aus der Hand legen lassen, nach dem Motto: «Ich schaffe das alleine.
Auch ich bin diesem Trugschluss jahrelang gefolgt. Ich schaffte es mit Hilfe von väterlichen, weitblickenden Freunden, umzudenken. Mit Entschiedenheit und froher Erwartung unterstelle ich mich seit meinem 42. Lebensjahr täglich neu der Führung Gottes, lade seinen Geist ein, mich zu leiten und zu inspirieren. Dadurch habe ich neue Freiheit, neue Sicherheit und neue Festigkeit gewonnen. Lebenskraft, Zuversicht und Lebensfreude entspringen dieser lebendigen Beziehung zu Gott. Ich habe meine Unabhängigkeitserklärung Gott gegenüber zurückgenommen und mache mich von ihm abhängig. Das sind neue Dimensionen des Lebens, gekrönt mit Vitalität.
Gott schenkt gerne und reichlich, wenn wir uns ihm anvertrauen. Bei ihm bin ich angenommen, ja bedingungslos geliebt. Das ist etwas, was niemand sonst geben kann. Meine Selbstrechtfertigung und meine Versuche, mir selbst Lebenssinn zu verschaffen, habe ich erkannt, bekannt und mich davon verabschiedet. Es gilt, Gott kennen zu lernen und damit auch seinen Plan für uns.
Für mich begann eine Entdeckungsreise ungeahnten Ausmaßes. Sie steht jedem offen. Ich nehme Jesus beim Wort. Z.B. in wichtigen Entscheidungen habe ich mir angewöhnt, ihn zu fragen, so wie er es angeboten hat. «Frage mich, so will ich dir antworten und will dir große und unfassbare Dinge mitteilen, von denen du nichts weißt.»2
Durch diese Art, mit Gott zu verkehren, habe ich meine Vitalität neu entfaltet. Seitdem fällt es mir leichter, Korrektur anzunehmen, Fehler einzugestehen und kühn voranzugehen.
Am Lebensstil ist erkennbar, ob Vitalität versiegt ist oder praktiziert wird. Oft verwechseln wir Vitalität mit Aktivität, ungezähmtem Draufgängertum und Erfolgreich-sein. Menschen mit Vitalität sind in sich gefestigt, bringen Erfrischung und haben das Staunen über Gottes Wirken nicht verlernt. Sie schöpfen aus nie versiegender Quelle, aus seinem Wort. Somit steht Vitalität gegen Routine und Monotonie, gegen Hektik und Stress wie auch gegen Unglauben und Aberglauben. Die Frage an mich ist: Wie weit bin ich bereit, mich zu verändern? Wie beweglich bin ich an Geist, Seele und Leib?
Ich traf eine Frau im Rollstuhl. Ich gebe offen zu, dass ich bis dahin immer Berührungsängste hatte mit Rollstuhlfahrern. Sie strahlte mich an und lachte. Sie hatte meine Befangenheit durchschaut. Sie lud mich zum Essen ein und dabei erfuhr ich ihre Geschichte. Ich bemerkte: diese Frau hatte ein Ja zu ihrem Leben, ein Ja zu ihrem Zustand. Sie hatte Vitalität. Ihr Glaube hatte sie durchgetragen und zu der Persönlichkeit werden lassen, die sie heute ist. Sie arbeitete in leitender Stellung an einer deutschen Universität. Sie war es, die mich ermutigte!
Es wird gesagt, bei Frauen finde man viel öfters Vitalität als bei Männern – einige schätzen das Verhältnis 3:1. Woran liegt das? Ein Grund könnte sein, dass Frauen eine größere Bereitschaft haben, sich voll hinzugeben und sich nicht scheuen, mit ganzem Herzen Gott zu vertrauen.
Wo bleibt denn dann die Vitalität bei Männern auf der Strecke? Hier bleibe ich eine Antwort schuldig.
Es sind drei mögliche Ursachen bekannt:
Solche Ursachen engen uns ein, ja sie bestimmen sogar unser Leben, können unsere Vitalität töten und prägen unsere Persönlichkeit.
In unseren Seminaren haben wir oft mit den Symptomen zu tun, die daraus entstehen. Es gilt, mit Gottes Hilfe im Gespräch und im Gebet die Ursachen zu entdecken und ans Licht zu bringen. Durch Bitte um Vergebung, Loslösung und Annahme der Befreiung durch die Versöhnungstat Jesu am Kreuz kann man Heilung erfahren.
Gottes Wort gilt: «Bittet, so wird euch gegeben.»3 Meine Persönlichkeit und Vitalität kann nur der Schöpfer selbst wiederherstellen beziehungsweise neu machen.
Vitalität ist gottgewollt, lebensnotwendig und durch ein Leben in Jesus Christus zu haben. «Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.»4
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1 Johannes 14,6
2 Jeremia 33,3
3 Matthäus 7,7
4 2. Korinther 5,17

D-Garmisch-Partenkirchen
erhielt seine Führungsqualitäten als Berufsoffizier bei der Bundeswehr; im Sport –
u. a. als Chef der Olympia-Mannschaft im Biathlon – wie auch durch seine Leitungsaufgabe in einer Kirche. Er und seine Frau Erika Steets waren in den letzten acht Jahren Seminarleiter bei einem überkonfessionellen Missionswerk in Imst/Österreich