

Wir sind gut trainiert. Wir sind belastbar und flexibel. Wir sind stressfähig und stolz darauf. Wir, das sind Menschen wie du und ich in Verantwortung.
Auch ich hatte meine Belastbarkeit immer weiter ausgebaut. Eines Tages stiess ich im Hochleistungssport und durch persönliche Schwierigkeiten auf das Phänomen «Auszeit».
Im Volleyball gilt die Regel, dass der Trainer mitten im Spiel eine Auszeit verlangen kann, das heisst eine Unterbrechung, bei der die Spieler auf dem Spielfeld aufeinander zugehen, die Köpfe zusammen stecken und … Keiner weiss, was da gesprochen wird, auf jeden Fall hält das Team vor dem Publikum und Gegner eine kurze Zeit inne. Der Hundertmeterläufer schafft seine Strecke mit nur 3 mal atmen. Er geht dabei eine grosse Sauerstoffschuld ein. Er braucht nach dem Zieleinlauf eine Erholungsphase. Er ist in dieser Phase für einen kurzen Moment nicht ansprechbar. Es ist seine Auszeit.
Ich selbst hatte nach 37 turbulenten Jahren als Berufsoffizier und 6 intensiven Jahren in der Leitung eines Missionswerkes wiederholt Eheprobleme.
Ich ging in die Stille, um zu prüfen, was ich falsch machte. Zugegeben, es fiel uns anfänglich sehr schwer abzuschalten und innerlich zur Ruhe zu kommen. Ich konnte mich schlecht konzentrieren. Ich hatte viel geschafft, gelernt und gelehrt, aber stille- und innehalten, das musste ich erst neu lernen.
Ich suchte die Einsamkeit und fand sie fast unerträglich. Meine Gedanken und meine «innere Uhr» jagten weiter.
Erst nach einigen Anläufen, Kämpfen und Übungen lernte ich die «Auszeit» als eine wohltuende, absolut notwendige Massnahme schätzen. Heute ist mir die Auszeit zur hilfreichen, auferbauenden Gewohnheit geworden.
Ich führe nachfolgend einige Gedanken zu dieser Art des Aufatmens als Hilfestellung und Anregung für Menschen in Verantwortung aus.
Top-Führungskräfte sind wöchentlich 60 bis 80 Stunden im Einsatz. Davon 1/3 der Zeit mit Verkehrsmitteln unterwegs. Von Termin zu Termin, von Ort zu Ort, von Hotel zu Hotel. Die Zwischenzeiten werden am Laptop, mit Handytelefonaten und Arbeitsgesprächen im Flugzeug genützt. Der Erfolg verpflichtet! Keine Zeit: Ein Fluch unserer modernen Gesellschaft!
«Eines Tages entschloss sich der Mensch, in sich zu gehen und war überrascht, dort niemanden anzutreffen. » Wir sind leer, ausgepowert und einsam – Verdrängungskünstler und daher arbeits- und actionsüchtig.
Mut zur Auszeit ist kein Bekenntnis zur Bequemlichkeit, zu Unproduktivität und Faulheit. Mut zur Auszeit wird mehr und mehr im Anforderungsprofil von Menschen in Verantwortung gefordert. Mut zur Auszeit zeigt Weitblick und eine Portion Demut. Es kann und wird passieren, dass ich dabei durch folgende Fragen überführt werde:
Auszeit wird zu einer Herzensangelegenheit, zu einer geistigen Aufgabe.
Eine wohlmeinende Freundin schickte uns, meiner Ehefrau Erika und mir, zwei Miniaturliegestühle. Sie stehen seitdem mit je einem Foto von uns beiden als Mahnmal auf dem Fensterbrett in meinem Arbeitszimmer. Der Liegestuhl oder die Gartenbank kann ein nützliches Möbelstück sein, einmal nichts zu denken, nichts zu programmieren und zu entwickeln, sondern Ruhe zu empfangen.
Das Krankenbett und die Kurklinik sind erzwungene Auszeiten. Manchmal begreifen wir erst hier ein Stück Lebenswahrheit und Weisheit. Soweit muss es nicht kommen.
In Gottes Wort erfahre ich meine Stärkung und Wegweisung. Gott sagt zu Josua: «Mache dich nun auf und ziehe über den Jordan!» Die Israeliten waren 40 Jahre in der Wüste. Eine Generation war bereits gestorben. Josua war der neue Führer, ihm gibt Gott den Auftrag Neuland zu betreten. Mir scheint dieses alttestamentliche Beispiel von vor 3000 Jahren hochaktuell. Mache dich nun – jetzt auf. Jetzt ist die Zeit der Überwindung, deiner Entscheidung. Gott will, dass wir im Vertrauen und Gehorsam ihm gegenüber Neues wagen und uns auf seine Bestimmung, seine Absicht für unser Leben besinnen.
Wenn Sie an einem Punkt in Ihrem Leben angekommen sind und sich fragen: «Ist das wirklich alles, Geldverdienen, Erfolg haben, keine Zeit haben; um Annahme kämpfen, in kaputten Beziehungen leben; und die Jahre vergehen?» Dann ist es höchste Zeit in die Ruhe zu kommen, Auszeiten einzuplanen.
Ich werde gefragt: «Wie oft, wann und wo ist Auszeit angemessen?»
Ich habe alle vier Möglichkeiten ausprobiert, durchlebt und genossen. Dabei habe ich mir sogenannte Auszeitübungen angewöhnt:
«Wir müssen Gott finden! Aber das geht nicht inmitten von Lärm und Rastlosigkeit. Gott ist ein Freund der Ruhe! Sieh nur wie die Natur – die Bäume, die Blumen, das Gras – in Ruhe wächst. Schau dir die Sterne an, Mond und Sonne, wie sie sich in der Stille fortbewegen ...
Je mehr wir im Gebet in der Stille erfahren, desto mehr können wir in unserm Aktivleben geben. Wir brauchen Stille, um Seelen zu berühren. Die Hauptsache ist nicht das, was wir sagen, sondern das was Gott uns und durch uns zu sagen hat. All unsere Werke werden nutzlos sein, ausser wenn sie von innen kommen. Worte, die nicht das Licht Jesu Christi widerstrahlen machen nur die Dunkelheit grösser.»
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Ein Zitat von Mutter Teresa, die in Kalkutta regelmässig mehr als 80 Stunden in der Woche segensreich gearbeitet hat. Ohne Auszeit!

D-Garmisch-Partenkirchen
erhielt seine Führungsqualitäten als Berufsoffizier bei der Bundeswehr; im Sport –
u. a. als Chef der Olympia-Mannschaft im Biathlon – wie auch durch seine Leitungsaufgabe in einer Kirche. Er und seine Frau Erika Steets waren in den letzten acht Jahren Seminarleiter bei einem überkonfessionellen Missionswerk in Imst/Österreich