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Die IVCG

 
Ausgabe 02/00 

Globalisierung und Spiritualität

 

Kurzfassung

Die Welt ist zu einem globalen Dorf geworden. Nicht nur allerlei Güter und Waren werden vermehrt ausgetauscht, sondern auch Informationen und Ideen. Das Schlagwort «Multikulturelle Gesellschaft» macht die Runde. Allerdings zeigt die heutige Realität, dass wirkliche kulturelle Integration selten stattfindet. In einer zunehmend globalisierten Welt verschärft sich das kulturelle, gesamtgesellschaftliche und ethnische Bewusstsein.

Vergleicht man die Weltanschauungen miteinander, kann man feststellen, dass es zwar gewisse Ähnlichkeiten zwischen einzelnen Weltanschauungen gibt, aber auch klare Unterschiede. Deshalb sollte nicht behauptet werden, alle Weltanschauungen oder Religionen seien im Grunde genommen gleich.

Wo liegen unsere Chancen für die Zukunft? Wir brauchen Richtlinien oder einen Leuchtturm zur Wegweisung. Verschiedene Menschen bieten verschiedene Lösungen an. Führende Menschen unserer Zeit vertrauen auf den autonomen Menschen und versuchen, die anstehenden Probleme mit einer Mischung aus östlicher Mystik, Materialismus und Humanismus zu lösen. Andere führende Köpfe sind überzeugt, dass der Mensch aus sich selbst heraus die Probleme nicht bewältigen kann und auf Gottes Kraft angewiesen ist. Bei der Betrachtung solcher Vorschläge wird eines sehr deutlich: Die globale politische und wirtschaftliche Entwicklung steht in direktem Zusammenhang mit der zugrundeliegenden Weltanschauung oder Spiritualität.

Was könnte uns dazu führen, uns dem Gott der Bibel zuzuwenden? In der Bibel steht: «In Christus ist alles, was es an Weisheit und Erkenntnis Gottes geben kann» (Kolosser 2,3).

Wünschen wir uns nicht Weisheit und Erkenntnis in unseren vielschichtigen persönlichen, gesellschaftlichen und weltpolitischen Problemen? Die Bibel sagt aus, dass wir das in Jesus Christus finden können.

Jesus Christus ist nach den Aussagen der Bibel der Schlüssel zum Verständnis Gottes.

1. Der Kampf der Kulturen

Die Welt ist zu einem globalen Dorf geworden. Nicht nur allerlei Güter und Waren werden vermehrt ausgetauscht, sondern auch Informationen und Ideen. Das Schlagwort «Multikulturelle Gesellschaft» macht die Runde. Allerdings zeigt die heutige Realität, dass wirkliche kulturelle Integration selten stattfindet. Traurige Beispiele finden wir in Ländern wie Ruanda oder Jugoslawien, wo sich kulturelle und religiöse Gruppen bis aufs Blut bekämpfen. Dort heisst das Schlagwort nicht «multikulturell», sondern vielmehr «ethnische Säuberung». Die Zeitschrift Spiegel stellte 1997 eine ganze Nummer unter das Thema «Gefährlich fremd – Das Scheitern der multikulturellen Gesellschaft »1.

Wir erleben zwei entgegengesetzte Phänomene: Auf der einen Seite beobachten wir zunehmende Völkerwanderungen und einen enormen Austausch von Waren, Dienstleistungen und Information. Auf der anderen Seite bekämpfen sich benachbarte Volksgruppen auf brutalste Art. Auch in unserer Umgebung haben rechtsradikale Gruppierungen oder Parteien regen Zulauf, und das Wort «Ausländer» wird wie ein Schimpfwort gebraucht.

Wie lässt sich dieser Gegensatz erklären? Prof. Samuel Huntington hat einen Bestseller mit dem Titel Kampf der Kulturen geschrieben. Er meint: «In dem Masse, wie Kommunikationsmittel, Handel und Reisen die Interaktionen zwischen Kulturen vervielfachen, legen die Menschen ihrer kulturellen Identität zunehmend grössere Bedeutung bei.»2 Weiter zitiert er in seinem Buch: «In einer zunehmend globalisierten Welt (…) verschärft sich das kulturelle, gesamtgesellschaftliche und ethnische Bewusstsein.»3

Dies stimmt mit meinen eigenen Beobachtungen überein. Ich hielt an einer grossen Bank in Zürich ein Seminar, um Mitarbeiter auf die Arbeit in fremden Kulturen vorzubereiten. Zu Beginn fragte ich die Teilnehmer nach ihren Erwartungen. Ich bat sie, jede einzelne Erwartung auf eine Karte zu schreiben. Die Karten wurden an einer Pinwand nach Themenkreisen gruppiert. Allen fiel auf, dass die meisten Karten am Schluss unter dem Thema Eigene Identität zu finden waren.

Wer viel unterwegs ist und viel mit anderen Kulturen und Weltanschauungen zu tun hat, stellt sich vermehrt die Frage: «Wer bin ich eigentlich?» – «Wo sind meine Wurzeln oder mein Fundament, das mir in all den vielen Einflüssen und Möglichkeiten einen sicheren Standort und eine Orientierungshilfe bietet?» Was tun z. B. Schweizer in Kinshasa, im Herzen Afrikas? Sie gründen einen Schweizerklub mit Kegelbahn, wo sie sich treffen und zusammen Fondue oder Raclette essen können. Ein Jass darf auch nicht fehlen.

Die Frage «Wer bin ich?» führt dann zur Frage «Wer sind die anderen?». Die Abgrenzung zwischen der eigenen Gruppe und den anderen birgt ein grosses Risiko für Konflikte in sich. Deshalb lautet der Titel von Huntingtons Buch Kampf der Kulturen.

In der Zusammenfassung dieses Buches lesen wir folgendes: «Nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation wird die Weltpolitik nicht mehr von ideologischen oder wirtschaftlichen Auseinandersetzungen bestimmt werden, sondern von Konflikten zwischen den grossen Kulturkreisen.» Die kulturelle Landkarte unseres Planeten deckt sich mit der religiösen Landkarte. Die vorherrschende Religion ist das wesentlichste Merkmal einer Kultur. Warum bestehen grosse Vorbehalte, die Türkei in die EU aufzunehmen? Auch wenn es nicht laut gesagt wird, gründen sich die Vorbehalte auf kulturelle und religiöse Unterschiede. Im genannten Buch werden konkrete Entwicklungen vorausgesagt und mit Beispielen aus der Vergangenheit und Gegenwart illustriert. Länder, die getrennt sind, aber kulturell zusammengehören, werden sich früher oder später vereinigen. Beispiele dafür sind Deutschland und Korea. Wenn es in einem Land verschiedene kulturelle Gruppen gibt, werden diese eine Autonomie anstreben oder sich loslösen, z. B. Kosovo und Tschetschenien.

2. Weltanschauungen im Vergleich

Wie stark sind die verschiedenen Weltanschauungen in unserer Welt vertreten? Eine Tabelle, ebenfalls dem Buch von Huntington4 entnommen, zeigt uns folgendes:

  • Der Anteil der Christen hat insgesamt in unserer Zeit leicht abgenommen und wird voraussichtlich bis zum Jahr 2025 auf 25% sinken.

  • Der Islam befindet sich auf dem Vormarsch. Es wird angenommen, dass er nach der Jahrhundertwende das Christentum zahlenmässig übertreffen und im Jahr 2025 auf 30% der Weltbevölkerung anwachsen wird.

  • Der Anteil der Hindus bleibt recht konstant.

  • Der Anteil der Buddhisten nimmt ab.

  • Die chinesische Weltanschauung verschwindet mehr und mehr.

  • Stammesreligionen (Animismus) verschwinden ebenfalls.

  • Atheisten gab es früher noch nicht; heute bleibt deren Anteil recht konstant. Viele Menschen glauben heute, es sei nicht so wichtig, was man glaubt, solange man wenigstens noch einen Glauben hat.


Für jede Weltanschauung habe ich ein oder zwei Stichworte gesucht, welche die entsprechende Überzeugung beschreiben.

Magie und Angst im Animismus


Für die Stammesreligionen, die mit dem Begriff Animismus umschrieben werden, lauten diese Stichworte «Magie&Angst».

Die Menschen glauben an einen Schöpfergott, der allerdings fern und unnahbar sei. Die Welt werde von Geistwesen regiert. Einzelne Personen seien befähigt, mit diesen Geistwesen in Kontakt zu stehen. Diese Personen werden Magier, Priester, Hexen oder Schamanen genannt. Es wird geglaubt, sie könnten die Geister für gute oder für böse Zwecke nutzen. Man redet von weisser und schwarzer Magie. Dieses magische Verständnis finden wir auch bei uns, und zwar in Fabeln, in Sagen und im Aberglauben. Wenn man sich an einem Erfolg freut, könnten die Geister darauf neidisch werden; deshalb muss man rasch Holz anfassen. Die dreifache Anrufung des Teufels im «Toi toi toi» soll Glück bringen. Der direkte Umgang mit Geistern liegt heute wieder im Trend, z. B. beim Gläserrücken, Pendeln, Wahrsagen und bei der Totenbefragung.

Damit wächst aber auch die Angst vor übernatürlichen Kräften und davor, man könnte etwas falsch machen. Ich habe beobachtet, dass überall dort, wo das magische Denken stark ist, auch die Angst stark ist.

Nach einem Vortrag bei der IVCG in Bayern sass ich noch bei einem Ehepaar am Tisch. Sowohl der Mann als auch die Frau versicherten mir, sie würden alle wichtigen Entscheidungen für ihr Geschäft zuerst mit einer Wahrsagerin besprechen.

Der Schicksalsglaube im Hinduismus (Esoterik)


Der Hinduismus ist ebenfalls eine sehr alte Weltanschauung. Mein Stichwort dafür heisst «Schicksal». Das Wort Esoterik steht ebenfalls im Titel, weil das moderne esoterische Denken stark vom Hinduismus geprägt ist.

Obwohl mehrere Millionen Götter angebetet werden, gibt es keinen Schöpfergott, der über allem steht. Die Geschichten und Schicksale der hinduistischen Götter gleichen denjenigen der Menschen sehr stark. Diese Weltanschauung wird als «pantheistisch » bezeichnet, weil geglaubt wird, alles sei Gott, und Gott sei in allem.

Die Geschichte wird als Rad des Schicksals verstanden, das sich über viele Kreisläufe hin fortbewege. Auch unser Leben werde von endlosen Kreisläufen und verschiedenen Formen des Daseins bestimmt. Dies wird mit dem Begriff Reinkarnation beschrieben. Mein Leben, d. h. das Verhältnis von guten und schlechten Taten, bestimmten meine Zukunft und die Daseinsform meines nächsten Lebens.

Die hinduistische Weltanschauung hat das moderne esoterische Gedankengut stark geprägt. Dies hat konkrete Auswirkungen für unser Selbstverständnis. Wenn ich glaube, ich sei selber ein Teil des Göttlichen und es gebe keinen Schöpfergott, dann geht es vor allem darum, diesen göttlichen Funken in mir anzufachen und mein göttliches Potential zur Entfaltung zu bringen. Der Lebensmassstab liegt dann nicht mehr ausserhalb von mir, d. h. bei Gott, sondern in mir drin. Das wird bis in den täglichen Sprachgebrauch hinein sichtbar. Man fragt nicht mehr in erster Linie, ob etwas richtig ist, sondern man sagt Dinge wie: «Es muss für mich stimmen » oder «Für mich ist das richtig so». Da stellt sich dann eine ganz praktische Frage: «Kann ich für mich mein eigener Halt und mein eigener Massstab sein?»

Vergebung und Erlösung im Christentum


Das Christentum unterscheidet sich sehr wesentlich von den bisher beschriebenen Weltanschauungen. Die Begriffe «Vergebung » und «Erlösung» sind massgeblich, die wir bei keiner anderen Weltanschauung oder Religion finden.

Die Bibel spricht von einem allmächtigen Schöpfergott. Dieser ist nicht fern und unnahbar wie im Animismus, sondern er hat sich den Menschen mitgeteilt. Ja sogar noch mehr: Er hat in Jesus Christus menschliche Gestalt angenommen. Die praktische Lebensführung, die Lehrtätigkeit und die Wunder von Jesus stellen uns deutlich vor Augen, was Gott uns Menschen sagen möchte.

Durch Tod und Auferstehung von Jesus Christus wird uns die Möglichkeit geboten, Befreiung von der Last unserer Unzulänglichkeit und Schuld zu erfahren und mit dem allmächtigen Schöpfergott in eine persönliche Beziehung zu treten. Das ist etwas Einzigartiges! Wenn ich Probleme habe oder vor Entscheidungen stehe, dann schaue ich nicht in erster Linie in mich hinein und suche die Lösung in mir selbst, sondern ich schaue auf zu Gott und erbitte Weisung von ihm.

Die Unterwerfung im Islam


Islam bedeutet wörtlich «Unterwerfung». Es gibt einen allmächtigen Schöpfergott, der sich einem Menschen offenbart hat. Der Koran, das Buch der göttlichen Offenbarung im Islam, wurde während eines kurzen Zeitraums einem einzigen Menschen offenbart. Diese Offenbarung sei so endgültig, dass der Koran nicht in andere Sprachen übersetzt werden darf und von allen Muslims der Welt in Arabisch gelernt werden muss.

Der gläubige Muslim bringt seine Ehrfurcht Gott gegenüber darin zum Ausdruck, dass er seine religiösen Pflichten regelmässig erfüllt, d. h. das Glaubensbekenntnis, fünfmaliges tägliches Gebet, fasten im Monat Ramadan, Almosen geben und eine Wallfahrt nach Mekka (Hadj).

Die Sinnfrage im Materialismus


Wenn ich an Materialismus denke, dann kommt mir als erstes das Stichwort «Sinnfrage » in den Sinn.

Materialisten, seien sie nun kommunistischer oder kapitalistischer Prägung, glauben nicht an einen allmächtigen Schöpfergott. Das ganze Universum, mit unserem Planeten als winzigem Teil darin, sei aus sich selbst heraus entstanden. Damit wird auch der Mensch auf seine materielle oder mechanistische Funktion reduziert. Wenn ich nun nichts anderes bin als ein Produkt von Mutation und Selektion und wenn mein Körper nichts weiter ist als die Summe von vielen mechanischen, biologischen und biochemischen Abläufen, wo liegt dann der Sinn für mein Leben? Zur Wissenschaftlichkeit des Materialismus erklärt Prof. Wolfgang Kuhn aus Saarbrücken: «Der Glaube an die ‹Selbstorganisation der Materie› erfordert weit mehr Eifer und wissenschaftliche Voreingenommenheit als der Glaube an einen sinnvoll planenden Schöpfer.»5

Die Betonung des menschlichen Geistes im Humanismus


Der Mathematiker und Philosoph René Descartes (1596–1650) wird als Begründer des Rationalismus bezeichnet. Er kam zu einer inzwischen berühmt gewordenen Schlussfolgerung: «Cogito ergo sum.» – «Ich denke, also bin ich.» Der menschliche Geist wird zum Massstab aller Dinge.

Je mehr die Phänomene in und um uns herum durch Vernunft, Erkenntnis und Wissenschaft erklärt werden können, desto weniger braucht es einen Schöpfergott – oder etwa nicht? Einer der wichtigsten Begründer des Humanismus war der deutsche Philosoph Immanuel Kant (1724–1804). Er bezeichnete die Aufklärung als Ausbruch des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Er verfasste 1787 eine berühmt gewordene Schrift mit dem Titel Kritik der praktischen Vernunft. Darin schrieb er: «Der Mensch (…) existiert als Zweck an sich selbst, nicht bloss als Mittel zum beliebigen Gebrauche für diesen oder jenen Willen (…).»6

Kant löste die Moral von der Religion los. Er sagte, die Moral bedürfe keineswegs der Religion, sondern sie sei vermöge der reinen praktischen Vernunft sich selbst genug. Die Grundlage der Sittlichkeit sei die sittliche Autonomie des Menschen. Das Gewissen, das Pflichtgefühl und die Achtung vor dem Sittengesetz führten zum moralischen Verhalten.7

Dazu schrieb der Nobelpreisträger Herbert Simon: «Die Vernunft kann weder über unsere Ziele entscheiden noch in den Konflikten um diese Ziele vermitteln. Die Vernunft kann uns allenfalls helfen, diese Ziele zu erreichen.»8

3. Schöpfergott oder Autonomie des Menschen?


Nun kommen wir wieder zurück zur Frage: «Sind alle Religionen und Weltanschauungen gleichwertig?» Oder anders gefragt: «Ist es wesentlich, dass man etwas glaubt, aber nicht so sehr, was man glaubt?» Die Beantwortung dieser Frage betrifft nicht nur unser privates oder persönliches Leben, sondern auch unsere Gesellschaft, bis hin zur Weltpolitik.

Wir haben einige Weltanschauungen kennengelernt, die mit einem Schöpfergott rechnen. In diesen Religionen glauben die Menschen, dass der Massstab für ihr Leben ausserhalb ihrer selbst liegt.

Dies entspricht einer gewissen Verwandtschaft, welche auch praktische Folgen hat:

 

  • In Afrika finden viele Menschen den Weg zum christlichen Glauben, wenn sie erkennen, dass durch Jesus Christus ein direkter Zugang zum Schöpfergott geschaffen wurde, an den sie schon glauben. Die Botschaft, der magische Weg über die Geister, der mit viel Angst verbunden ist, sei nicht nötig, wird als echte Befreiung empfunden.

  • Im Islam wird unterschieden zwischen den Völkern des Buches (arab. Ahl al kitab) und den Heiden. Völker des Buches sind Muslims, Juden und Christen. Manche muslimische Eltern schicken ihre Kinder lieber an eine christliche als an eine öffentliche Schule, weil es ihnen wichtig ist, dass die Kinder etwas von Gott hören. Trotzdem lehnt der Islam das Christentum grundsätzlich ab und bezeichnet es als Irrlehre. Allerdings schreibt Prof. Huntington noch von einer anderen Kritik der Muslime gegenüber den Christen: «Zunehmend greifen Muslime den Westen nicht darum an, weil er sich zu einer unvollkommenen, irrigen Religion bekennen würde, (…) sondern darum, weil er sich zu überhaupt keiner Religion bekennt.»9


Menschen, die nicht an einen Schöpfergott glauben, glauben damit an die Autonomie des Menschen. Sie empfinden ebenfalls eine gewisse Verwandtschaft miteinander. In unserer Zeit können wir klar beobachten, wie Menschen, die humanistisch und materialistisch geprägt sind, sich vom esoterischhinduistischen Weltbild angezogen fühlen:

 

  • Arthur Schopenhauer (1788–1860), ein Nachfolger des Philosophen Kant, schrieb 1819 ein Werk mit dem Titel Die Welt als Wille und Vorstellung. Später wurde er Buddhist.10

  • Der Physiker Fritjof Capra (geb. 1939) schrieb 1976 ein Buch mit dem Titel Das Tao in der Physik.11 Die englische Ausgabe des Buches wird auf dem Umschlag folgendermassen zusammengefasst: «The bestseller that reconciles eastern philosophy and western science in a brilliant humanistic vision of the universe» (Der Bestseller, der östliche Philosophie und westliche Wissenschaft in einer brillanten humanistischen Vision des Universums verbindet). Besser könnte man die Verwandtschaft der Weltanschauungen nicht zum Ausdruck bringen! Materialistisch geprägte Naturwissenschaft und humanistisch geprägte Philosophie führen zu einer hinduistisch-esoterisch geprägten Weltanschauung.

  • Einen ähnlichen Weg ging der deutsche Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker (geb. 1912). Nach einer langen Zeit des Suchens hatte er ein Erleuchtungserlebnis am Grab eines indischen Gurus. Dieses Erlebnis beschrieb er eindrücklich in seinem 1977 erschienenen Buch Der Garten des Menschlichen.12


Aufgrund dieser Vergleiche können wir feststellen, dass es zwar gewisse Ähnlichkeiten zwischen einzelnen Weltanschauungen gibt, aber auch klare Unterschiede. Deshalb sollte nicht behauptet werden, alle Weltanschauungen oder Religionen seien im Grunde genommen gleich.

4. Perspektiven für die Zukunft

Für die Zukunft stellen sich wichtige Fragen:

  1. Wohin soll die Reise gehen? Dies ist die Frage nach der weiteren weltweiten Entwicklung. Aufgrund der heutigen Tendenzen liegt es nahe, dass kulturelle und religiöse Gegensätze zu weiteren Konflikten führen werden.

  2. Für welchen Weg will ich mich entscheiden? Auch wenn ich nicht die ganze Welt bewegen oder verändern kann, ist meine Überzeugung und Weltanschauung sehr wesentlich. Sie bestimmt mein Denken, mein Handeln und meine Zukunft. Wo liegen unsere Chancen für die Zukunft? Wir brauchen Richtlinien oder einen Leuchtturm zur Wegweisung. Verschiedene Menschen bieten verschiedene Lösungen an. Bei der Betrachtung solcher Vorschläge wird eines sehr deutlich: Die globale politische und wirtschaftliche Entwicklung steht in direktem Zusammenhang mit der zugrundeliegenden Weltanschauung oder Spiritualität. – Im September 1995 lud die Gorbatschow- Stiftung zu einem «State of the World Forum» nach San Francisco ein. Das Thema Auf dem Weg zu einer neuen Zivilisation diskutierten u. a. CNN-Chef Ted Turner, Bill Gates von Microsoft, Premierministerin Ciller aus der Türkei, Bischof Tutu aus Südafrika, Margaret Thatcher aus England, George Bush aus den USA. Die Botschaft der Veranstaltung war die Vorbereitung einer neuen Weltordnung durch Beendigung des Konfliktes zwischen Kapitalismus und Sozialismus, das Verschmelzen der «Neuen Linken» mit New Age (hinduistisch-esoterisches Weltbild) und das Zusammengehen von Materialismus und Mystik.13

Aus diesem Vorschlag ersehen wir einen klaren und deutlichen Zusammenhang zwischen globaler politischer und wirtschaftlicher Entwicklung einerseits und Weltanschauung oder Spiritualität andererseits.

  • Der berühmte Physiker Werner Heisenberg hat folgendes formuliert: «Wenn man in dieser westlichen Welt fragt, was gut und was schlecht, was erstrebenswert und was zu verdammen ist, so findet man doch immer wieder den Wertmassstab des Christentums auch dort, wo man mit den Bildern und Gleichnissen dieser Religion nichts mehr anfangen kann. Wenn einmal die magnetische Kraft ganz erloschen ist, die diesen Kompass gelenkt hat (...), so fürchte ich, dass sehr schreckliche Dinge passieren können, die über die Konzentrationslager und Atombomben hinausgehen.»14

  • In ähnlicher Richtung geht eine Aussage des Psychiaters und Psychologen Carl Gustav Jung (1875–1961): «Das Individuum, das nicht in Gott verankert ist, vermag der physischen und moralischen Macht der Welt (…) keinen Widerstand zu leisten.»15

  • Alexander Solschenizyn, geb. 1918, russischer Schriftsteller und Nobelpreisträger, schrieb kurz und knapp: «Die Menschen haben Gott vergessen. Daher kommt alles Unglück.»16


Aus diesen Zitaten wird wiederum deutlich, wie stark unsere Zukunft von der zugrundeliegenden Weltanschauung geprägt sein wird. Führende Menschen unserer Zeit vertrauen auf den autonomen Menschen und versuchen, die anstehenden Probleme mit einer Mischung aus östlicher Mystik, Materialismus und Humanismus zu lösen. Andere führende Köpfe sind überzeugt, dass der Mensch aus sich selbst heraus die Probleme nicht bewältigen kann und auf Gottes Kraft angewiesen ist. Was glauben Sie? Was könnte uns dazu führen, uns dem Gott der Bibel zuzuwenden? Dazu Zitate aus der Bibel: «In Christus ist alles, was es an Weisheit und Erkenntnis Gottes geben kann» (Kolosser 2,3). Wünschen wir uns nicht Weisheit und Erkenntnis in unseren vielschichtigen persönlichen, gesellschaftlichen und weltpolitischen Problemen? Die Bibel sagt aus, dass wir das in Jesus Christus finden können. «Christus ist das Abbild seines Vaters; in ihm wird der unsichtbare Gott für uns sichtbar» (Kolosser 1,15). Jesus Christus ist nach den Aussagen der Bibel der Schlüssel zum Verständnis Gottes.

Seit 20 Jahren bin ich mit vielen verschiedenen Überzeugungen und Weltanschauungen in Kontakt gekommen. Was hat mich persönlich vom christlichen Glauben überzeugt?

Als erstes ist für mich der Unterschied zwischen «tun» und «getan» sehr wesentlich! In den meisten Weltanschauungen wird dargestellt, was der Mensch alles zu tun hat, um das Leben zu meistern oder um Gottes Ansprüchen gerecht zu werden. Bei Jesus Christus heisst es: «Für dich ist alles schon getan!» Ich muss kein Held sein, auch nicht besonders intelligent oder stark. Vergebung für meine Schuld und Unzulänglichkeit sowie eine persönliche Beziehung zu Gott darf ich als Geschenk annehmen!

Zweitens ist für mich die Erfahrung des Glaubens im Alltag, gerade auch in den grossen Belastungen während der fünf Jahre in Afrika, zu einem wertvollen Schatz geworden, den ich nicht missen möchte. Die folgende Aussage von Jesus wurde für mich sehr bedeutend: «Wenn jemand tut, was ich sage, wird er erkennen, ob ich von mir selber rede oder ob meine Aussagen wirklich von Gott kommen» (nach Johannes 7,17). Es lohnt sich, das auszuprobieren!

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Das Referat zu diesem Thema ist auch auf Audio-Kassette erhältlich, welche Sie mittels Antwortkarte am Schluss des Hefts bestellen können.

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1 DER SPIEGEL, Hamburg, 16/97

2 Samuel P. Huntington, Kampf der Kulturen: Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert, 2. Auflage (München: Europa Verlag, 1998), S. 95.

3 Roland Robertson, Globalization Theory and Civilization Analysis, Comparative Civilizations Review 17 (1987), S. 22, in: Huntington, a. a.O., S. 96.

4 Huntington, a. a.O., S. 91.

5 Wolfgang Kuhn, Heute noch an Schöpfung glauben?: Pluralismus und Ethos der Wissenschaft, 1. Symposium des Professorenforums (Giessen: Verlag des Professorenforums, 1999), S. 159.

6
Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft (1781), in: Gottfried Meskemper, Falsche Propheten unter Dichtern und Denkern, 3. Auflage (Berneck: Schwengeler-Verlag, 1988), S. 176.

7 Ebd., S. 188.

8 Herbert A. Simon, Homo rationalis, in: Pluralismus und Ethos der Wissenschaft, 1. Symposium des Professorenforums, a. a. O., S. 179.

9 Huntington, a. a.O., S. 342.

10 Meskemper, a. a.O., S. 178.

11 Fritjof Capra, The Tao of Physics (New York: Bantam Books, 1984).

12 Carl Friedrich von Weizsäcker, Der Garten des Menschlichen. Beiträge zur geschichtlichen Antrhopologie, 2. Auflage (Frankfurt/Main: Fischer-Verlag, 1982), S. 443.

13 Siegfried Buchholz, Was morgen zählt, in: M. L. Landmesser, J. Sczepan (Hrsg.), Was morgen zählt, Zukunft in Wirtschaft und Gesellschaft erfolgreich gestalten (Neuhausen-Stuttgart: Hänssler, 1996), S. 95 f.

14 Pluralismus und Ethos der Wissenschaft, 1. Symposium des Professorenforums, a. a.O., S. 19.

15 Carl Gustav Jung, Lesebuch, S. 265, in: Pluralismus und Ethos der Wissenschaft, 1. Symposium des Professorenforums, a. a.O., S. 186.

16 Pluralismus und Ethos der Wissenschaft, 1. Symposium des Professorenforums, a. a. O., S. 74.


Der Autor

Peter Regez

Dr. Ing. ETH Peter Regez

D-Kandern

verheiratet mit Marianne Regez, vier erwachsene Kinder. Ausbilder und Berater für transkulturelle Einsätze und Leiter eines international tätigen christlichen Werkes (Janz Team).

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