

Diese Frage kommt immer wieder in Gesprächen auf. Meistens ist sie verbunden mit der Aussage: Warum passiert das unbedingt mir oder einem meiner Freunde?
Die Lebenserfahrungen scheinen uns Recht zu geben, dass Gott keine gerechte und faire Macht ist, die Gutes und Schlechtes gleichmäßig auf die Menschen verteilt. Einigen scheint es gut zu gehen. Sie haben Erfolg, ein gutes Einkommen, Gesundheit, eine glückliche Familie. Andere scheinen vom Pech verfolgt zu sein. Alles, was sie anpacken, geht schief, bringt nichts, und es liegt nur Versagen in der Luft.
Sicher ist diese Polarisierung übertrieben. Die meisten Menschen erleben Gutes und Schwieriges. Beides gehört zum Leben. Und doch: Ist es nicht berechtigt, dass wir diese Frage nach der Fairness Gottes stellen?
Ein Erstaunen erlebte ich einmal, als mir jemand in einer schwierigen Situation sagte: »Warum nicht ich? Warum sollen Krankheit und Leid nur andere Menschen treffen und nicht mich?« Können wir bestimmen, wo wir, wann und von wem geboren wurden? Sind wir in Europa bessere Menschen als ein Baby, das in einer armen Familie in Bangladesch geboren wurde? Vieles in unserem Leben passiert einfach, ohne dass wir erst zustimmen müssen. Deshalb ist »Warum nicht ich?« eine sehr gute Frage. Diese Person schaute über den Tellerrand hinaus und verglich ihre schwierige Erfahrung mit dem Los von Millionen Menschen, die es viel schlechter haben – z.B. Menschen ohne ausreichende Nahrung und oft ohne ein Dach über dem Kopf.
In meinem Wörterbuch fand ich unter dem Stichwort ‘fair’ folgende Aussage: »sich an die Spielregel halten, ehrlich, anständig«. Die Frage nach der Fairness Gottes bedeutet: Wer bestimmt die Spielregel oder wer entscheidet, was gut und schlecht ist? Wenn Gott der Schöpfer dieser Welt ist, dann weiß er, was das Beste für jeden Menschen ist. Ich kann als begrenztes Wesen dies nur schwach und nur nach meinen Kriterien entscheiden. Wenn ich es wüsste, wäre ich Gott oder so intelligent wie er.
Bei einem Gerichtsverfahren erwarte ich einen fairen Richter. Ein Richter ist fair, wenn die Zuschauer – soweit sie objektiv sind – beim Gerichtsurteil sagen: »Das war fair.« So habe ich festes Vertrauen in die Fairness Gottes. Ich muss als Geschöpf ihn nicht verstehen. Ich muss in diesem Leben nicht alles verstehen. In der Gebrauchsanleitung Gottes steht ein Satz, der mich bei dieser Frage oft ermutigt: Gottes Wege sind höher als unsere Wege und seine Gedanken höher als unsere Gedanken.1
Auf einem Grabstein ist zu lesen: »Lebendiger Gott, ich verstehe Dich nicht, aber ich vertraue Dir.« Dieses Vertrauen wünsche ich Ihnen bei der Frage: Ist Gott fair?
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1 Jesaja, Kapitel 55, Satz 9