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Die IVCG

 
Ausgabe 03/10 

Die große Kunst der Gelassenheit

Ich bin als Anwalt tätig. Immer wieder muss ich auf ein Gerichtsurteil warten. Oft habe ich ein Vorgefühl, kann mir vorstellen, wie es ausgehen wird. Trotzdem bleibt die Unsicherheit. Habe ich alles durchdacht, richtig gemacht, keine Zeichen übersehen, keine versteckten Botschaften überhört?


Schlimmer ergeht es den Klienten. Sie haben erst Gewissheit, wenn das Urteil gefällt, kommuniziert und rechtskräftig geworden ist.


Das wünschen wir uns doch: Mitten in der Unsicherheit gelassen den Ausgang erwarten – beileibe nicht gleichgültig, aber in der Haltung: ‘Was auch immer kommen mag…’


Ein abgeklärter Mensch mag einem Schüler, der auf seine Prüfungsresultate wartet, sagen: »Nur wegen dieses Resultats wird die Welt nicht untergehen.« Sinngemäß meint er: Das Weiterleben ist gesichert. Umstände können sich etwas verändern, aber die wichtigen, fundamentalen Dinge werden nicht anders. Häufig ist dies richtig.


Was aber, wenn genau dies nicht stimmt? Wenn wir nicht auf Prüfungsresultate, sondern zum Beispiel auf einen medizinischen Befund warten? Weder Vertröstungen noch weise Sprüche helfen. Dann geht es um Leben oder Tod eines lieben Angehörigen oder um unser eigenes Schicksal. Erst unter solch dramatischen Umständen erkennen wir wirklich, ob wir unserer ungewissen Zukunft gelassen entgegengehen oder nicht.


Deshalb die Frage: Wie stellen wir uns zur unsicheren Zukunft (oder einmal sehr persönlich gefragt: Wie stellst Du dich Deiner unsicheren Zukunft)? In der antiken Literatur stoßen wir auf den Begriff Indifferenz, Gleichgültigkeit.




Gleichgültigkeit? Ich muss in ein Gebet fassen, was dies bedeutet: »Gott, liebender Vater, ich weiß es: Du meinst es grundsätzlich gut mit mir. Ich möchte darum beides dankbar aus Deiner Hand annehmen: was ich als schön, aber auch das, was ich als schwierig erfahre. Ich traue es Dir zu, dass Du den Überblick hast und keine Fehler machst. Was auch immer aus Deiner Hand kommt, soll mir willkommen sein.« Wer so betet, hat vermutlich schon die Erfahrung gemacht, dass Ereignisse oft eine Umwertung erfahren. Eine schwierige Erfahrung erweist sich im folgenden als besonders fruchtbar. Was uns zuerst als Glücksfall entgegengekommen ist, wird zu einer großen Herausforderung.


Die ganz große Kunst der Gelassenheit besteht deshalb darin, Dinge am richtigen Ort zu lassen: bei jenem Gott, der den Überblick hat und der für uns sorgen will. Persönlich hat mir dabei der Hinweis im Brief eines Zeitzeugen von Jesus geholfen: »Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.« In einer englischen Übertragung dieses Textes heißt es: »Live carefree before God; he is most careful with you.« Was sollen wir uns sorgen, wenn wir einen Gott kennen, der unglaublich sorgsam, sorgfältig, liebevoll mit uns umzugehen weiß?


Diese Aussage ist herausfordernd. Widerspricht vielleicht Ihrer bisherigen Erfahrung. Wie auch immer: Verstehen Sie es als eine Einladung zum Gespräch. Die IVCG bietet sich als Gesprächspartnerin an. Wir wissen uns dazu legitimiert, weil wir selber mitten in den Stürmen des Lebens stehen und nicht in einem Elfenbeinturm leben. Sie werden bei der IVCG nicht auf Menschen treffen, die auf alle Fragen eine rasche und umfassende Antwort haben, aber auf solche, die erste gute Erfahrungen gemacht haben und darum überzeugt sind – wer kann es uns verdenken: diesen liebevollen Gott gilt es neu zu entdecken.



Der Autor

Christoph Wyss

Christoph Wyss

CH-Bern

Fürsprecher/Rechtsanwalt, Präsident der IVCG

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