HOMEKONTAKTELINKS
Kopfbild
Themen

Termine












Die IVCG

 
Ausgabe 07/09 

Tabuthema Tod

‘Sinnbörse’ ist ein Kunstwort; es spiegelt aber präzise wider, was wir in einem Altstadtkeller in Bern (und inzwischen an verschiedenen Orten) einige Male pro Jahr anbieten. In einem lockeren Rahmen unterhalten wir uns eine Stunde lang über ein im Voraus bekannt gegebenes, hoffentlich allgemein interessierendes Thema. Einmal kommen in Bern fünfzehn Leute, ein anderes Mal nur sieben oder acht. Der Rahmen ist ungezwungen, die Sprache nicht fromm. Ich bin immer wieder begeistert von der Achtung, die sich Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund und sehr verschiedenen persönlichen Standpunkten entgegen bringen. Die Teilnehmenden wissen, dass ich einen christlichen Hintergrund habe. Ich muss ihnen deswegen nicht beweisen, wie unrecht sie haben. Warum erzähle ich von der ‘Sinnbörse’? Ich habe das Privileg, immer wieder die Themen für ‘unsere’ Sinnbörse in Bern vorzuschlagen. Glauben Sie mir: meine Spannung war groß, als ich zu ‘Tabuthema Tod’ einlud. Werden Leute kommen? Ist der Tod – oft haben wir jüngere Besucher – überhaupt ein Thema? Wir hatten Besucher, sogar einige mehr als üblich. Reger Austausch, Erfahrungen mit dem Tod naher Angehöriger; Angst vor dem Ungewissen. Ich erinnerte daran, dass der Tod auch etwas Barmherziges in sich trägt: schrecklich die Vorstellung, ohne Ende hier, in diesen Umständen weiter zu leben… Und dann fiel ein bemerkenswerter Satz. Ein Besucher sagte: »Ich habe einen Trost darin gefunden, dass es eine Reinkarnation – ein Wiederkommen, wenn auch in anderer Gestalt – gibt.« Der Moderator des Gesprächs fragte zurück: Welche Vorstellungen verbinden sich mit dem Gedanken der Reinkarnation? Dann versuchten wir das zusammenzutragen, was wir über die Todesvorstellungen im Buddhismus, im Islam, in einem radikalen Atheismus – und im christlichen Glauben wussten. Das Gespräch war so spannend, dass ich später, zuhause, den Fragen noch weiter nachgegangen bin. Der Kommentar eines anderen Besuchers habe ich nicht vergessen; er sagte: »Ihr Christen habt es eigentlich gut!«


Bern besaß früher einen großen Totentanz – gemalt von Niklaus Manuel Deutsch (wahrscheinlich 1484 geboren, 1530 in Bern gestorben). Das Bild war an prominenter Stelle angebracht und mit seiner Breite von hundert Metern unübersehbar! Manuel malte seine Zeitgenossen, in klarer Standesordnung. Auf den vorhandenen Kopien (das Original ist nicht erhalten) kommt die Botschaft klar zum Ausdruck: Der Tod lebt mitten unter uns, heute nimmt er den einen, morgen einen anderen, und irgendeinmal – mich. Die letzte Gestalt des Totentanzes ist ein Selbstbildnis! Manuel malt; von hinten schleicht sich der Tod heran, und auch der begleitende Satz ist an Eindeutigkeit nicht zu überbieten:


»Manuel, aller Wällt Figur
Hast gemalet an dise Mur.
Nun must stärben, da hilfft kein Fund,
Bist ouch nit sicher Minut, noch Stund.«


Manuel antwortet darauf:
»Hilff, einiger Heyland, drumb ich dich bitt!
Dann hie ist keines Blybens nit.
So mir der Tod min Red wirt stellen,
So bhüet üch Gott, mine lieben Gsellen!«

Haben wir in unserer Zeit den Tod zum Tabuthema gemacht, weil wir die beiden Dinge nicht mehr wissen? Dass der Tod mitten ins Leben gehört, aber jenen keine Angst machen kann, die sich zum helfenden Heiland bekennen?


Die IVCG bietet nicht nur Sinnbörsen, sondern eine Fülle von weiteren Angeboten – damit das Leben im Angesicht des Todes gelingen kann und lebenswert wird! Infos finden Sie am besten auf unserer Homepage www.ivcg.org.



_______________
Albrecht Kauw, Kopie des Totentanzes von Niklaus Manuel Deutsch, Der Tod holt den Maler, 1649; S: Stifterwappen. (Bern, Historisches Museum, Inv. Nr. 822)

Der Autor

Christoph Wyss

Christoph Wyss

CH-Bern

Fürsprecher/Rechtsanwalt, Präsident der IVCG

Download

200907_wyss_c.pdf

476 K

SERVICE


ABOfacebook

ARCHIV



__Zeitschrift 'reflexionen'

Leseproben

 > Brennpunkt

  • __Hintergrund

    __Monday Manna

    __IVCG-Podcast