

Ich bin keine zwanzig Kilometer von Lauterbrunnen im Berner Oberland aufgewachsen; das Tal leitet seinen Na- men von klaren, lauteren Quellen und Bächen her. Klares, frisches Wasser in Hülle und Fülle, im Frühjahr und Sommer als ungestüm reißendes Ge- wässer und als gewaltiger, dreihundert Meter hoher Wasserfall, ohne Ende, Tag und Nacht. Angesichts dieser Fülle ist es schwer zu glauben, dass Wasser zu den kostbarsten Gütern unserer Erde gehört. Allerdings sind mir auch andere Bilder gegenwärtig: Kinder auf Simbabwes Straßen sammeln in PET- Flaschen Wasser aus Pfützen; Trink- wasser, weil das Wasser aus der Quelle noch schmutziger ist. Kein Wunder, dass in diesem Land eine Cholera-Epi- demie ausgebrochen ist. Und zufällig lese ich in einem Bericht der UNICEF: »In Vietnam haben viele Menschen auf dem Land kaum sauberes Trink- wasser, obwohl es im Land zahlreiche Wasserläufe gibt. Wasserstellen und Brunnen sind oft schlecht ausgestattet und verschmutzt. In den ärmsten Pro- vinzen haben zwei von drei Menschen keinen Zugang zu unbedenklichem Wasser. Kinder und Erwachsene trin- ken das Wasser von den Reisfeldern, obwohl dort frischer Kot als Dünger eingesetzt wird … Infektionen, Durch- fall, Wurmerkrankungen sowie Haut- und Augenentzündungen sind die Folge.« Sprudelndes, überfließendes, frisches Wasser hier, Pfützen und fä- kalienverseuchtes Wasser von Reisfel- dern dort. Wo möchten Sie leben? Ist das überhaupt eine Frage?
Für die Menschen in Simbabwe und Vietnam gibt es keine Wahlmöglich- keit. Aber wir haben Wahlmöglichkei- ten, wenigstens in übertragenem Sinn. Vor mehr als 2500 Jahren warnte ein Mann seine Mitbewohner im Auftrag Gottes: »Mein Volk hat doppeltes Un- recht verübt: Mich, die Quelle frischen Wassers, hat es verlassen und stattdes- sen gräbt es sich Löcher für Regenwas- ser, die auch noch rissig sind und das Wasser nicht halten.«1 Das Bild von den Löchern mit Regenwasser, rissig und ohne Fähigkeit, das Wasser zu hal- ten, spiegelt auf erschreckende Weise die heutige Wirtschaftslage. Viele Anleger wären dankbar, hätten sie vor Jahren in Gefäße ohne Löcher inves- tiert. In der Warnung Jeremias geht es aber nicht um dicht oder leck. Er rech- net seinem Volk vor, dass es die Quelle frischen Wassers verlassen hat – Gott, der uns immer neu mit Leben versorgt! Menschen, die sich in der IVCG enga- gieren, stammen aus den verschie- densten Kirchen und Gemeinden. Was sie – in aller Verschiedenartigkeit und Vielfalt – verbindet, ist die Tatsache, dass sie von jenem frischen Wasser ge- kostet haben.2 Es ist darum nahe lie- gend, dass sie ihre Freunde auf diese Quelle hinweisen wollen. Alle Ange- bote der IVCG, Vortragsveranstaltun- gen, Seminare, auch diese Zeitschrift, sind auf dieses eine Ziel ausgerichtet. Die IVCG versteht sich als eine Art Fremdenführerin. Gute Fremdenfüh- rer teilen ihre Erfahrungen und führen zu Lieblingsplätzen. Allerdings geht es wie bei einer Erlebnisreise zu Fuß:
Wer etwas erleben will, muss selber Schritte tun! Und am Ende ist es wie bei einer Weinprobe. Wer die Qualität kosten will, muss selber das Glas in die Hand nehmen. Die Quelle frischen Wassers ist da! Heute wünsche ich Ihnen Durst – die Sehnsucht nach fri- schem, sprudelndem Wasser.
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1 Jeremia, Kapitel 2, Satz 13 in der Übersetzung ‘Gute Nachricht Bibel’. Ein anderer Prophet, Haggai, schreibt seinen Zeitgenossen ungefähr zur gleichen Zeit: »Ihr sät viel und erntet wenig; ihr esst und werdet nicht satt; ihr trinkt, aber zum Betrinken reicht es euch nicht; ihr zieht Kleider an, aber sie halten nicht warm und wer etwas verdient, verdient es für einen löcherigen Beutel.« Haggai, Kapitel 1, Satz 6
2 Jesus sagt: »Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird nie mehr Durst haben. Ich gebe ihm Wasser, das in ihm zu einer Quelle wird, die bis ins ewige Leben weitersprudelt.« Johannes, Kapitel 4, Satz 14