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Die IVCG

 
Ausgabe 06/08 

Bereit zur Adoption?

Der Brief ist schon fast 2000 Jahre alt. Johannes, der ihn schrieb, kannte Jesus noch persönlich. Er wendet sich vermutlich an einen örtlich begrenzten Kreis christlicher Gemeinden. Er schreibt ihnen: «Kriegt ihr das mit, wie riesengroß die Liebe ist, die Gott für uns hat? Wir dürfen uns nicht nur seine Kinder nennen, wir sind es auch tatsächlich!»1 In dieser ungewohnten Übersetzung schwingt etwas vom Erstaunen und von der Begeisterung mit: Gott hat sich für Sie und mich entschieden, und zwar nicht aufgrund von Heldentaten und Wohlverhalten, besonderer Schönheit oder anderer Eigenschaften. Nein, einfach so! Das Besondere dieser Botschaft entdecke ich erst, wenn ich Gegenpositionen betrachte. Jean-Paul Sartre, französischer Existenzialist, hält seine Philosophie fest: «Der Mensch ist, was er vollbringt.» Ein Anbieter von Luxusgütern könnte sagen: «Der Mensch ist, was er (mir an materiellen Vorteilen) bringt.» Für Politiker zählt im Zeitpunkt der Wahl einzig die Wählerstimme eines Menschen. Werber unterteilen die Menschen in zu erreichende Zielgruppen. Nach Altersgruppe, Geschlecht, Bildung, wirtschaftlichem Umfeld eingeteilt, gelten Menschen nicht als liebenswerte Individuen, sondern als zu beeinflussende Konsumenten. Im Bereich staatlicher Finanzen bin ich primär Steuersubjekt. Bei Katastrophen ist es besonders schwierig: ‘145 verschüttete Bergarbeiter’ haben für den Empfänger von Nachrichten keine Gesichter, keine Individualität, selbst dann nicht, wenn im Fernsehen deren verzweifelte Frauen und Mütter gezeigt werden.

Und nun diese Aussage von Johannes: Wir dürfen uns nicht nur Kinder Gottes nennen – wir sind es auch! Jeder mit seinem eigenen Gesicht, seiner Biografie, mit liebenswerten und weniger liebenswerten Eigenschaften: Kinder Gottes. Kinder des Allerhöchsten, Kinder des allmächtigen Schöpfers des Universums.

Ich höre den gewichtigen Einwand: Die allermeisten Menschen merken von diesem (Gott-)Vater/Kind- Verhältnis nichts, wollen es vielleicht gar nicht. Gilt das, was Johannes sagt, auch für sie? Ich stelle mir vor, was Gott auf diesen Einwand sinngemäß antwortet: «Ich bin bereit, euch alle zu adoptieren, jeden Einzelnen. Du darfst deinen alten Namen ablegen und ab sofort meinen Namen tragen; ich setze dich als Erben ein. Allerdings: Ich will nicht über dich bestimmen; die Adoption ist freiwillig. Entscheide selbst – mein Angebot gilt!»

Hirngespinste oder Wirklichkeit? Die in der IVCG mitarbeitenden Menschen sind von der Wirklichkeit einer solchen ‘Adoption’ überzeugt. Mehr noch: Sie haben persönlich entsprechende Erfahrungen gemacht. Diese sind so positiv, dass sie sie nicht für sich behalten wollen. Die Angebote der IVCG (Vorträge – oft verbunden mit einer Mahlzeit; Seminare, andere Orte der Begegnung), sind auf das Ziel ausgerichtet, anderen den Zugang zu dieser ‘Adoption’ zu erleichtern.

Die IVCG spricht in ihrem Stil eher Führungskräfte an. Andererseits ist ihr wichtig, keine Schranken aufzurichten: Wer Anlässe der IVCG besucht, soll von ihr nicht vereinnahmt werden. Theologischen Einseitigkeiten geht sie aus dem Weg; es soll sich lohnen, mit der IVCG Kontakt aufzunehmen. Schließlich soll eine Botschaft den Alltag prägen: «Kriegt ihr das mit, wie riesengroß die Liebe ist, die Gott für uns hat? Wir dürfen uns nicht nur seine Kinder nennen, wir sind es auch tatsächlich!»



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1 1. Johannesbrief, Kapitel 3, Satz 1 (Volxbibel)

Der Autor

Christoph Wyss

Christoph Wyss

CH-Bern

Fürsprecher/Rechtsanwalt, Präsident der IVCG

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