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Die IVCG

 
Ausgabe 05/08 

Nachhaltigkeit – eine Erfindung der Menschen?

Wikipedia, ein viel verwendetes Internet-Universallexikon, spiegelt das Populärwissen wider, ist unterhaltsam, oft einleuchtend und vor allem unentgeltlich. Fragt man dort die Bedeutung des Wortes Nachhaltigkeit ab, bekommt man eine rührende Geschichte vorgesetzt:

«Dieser ursprüngliche Wortsinn wurzelt im forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsdenken. 1661 formulierte erstmals ein Verwalter der Stadt Reichenhall unter dem Begriff ‘ewiger Wald’ einen derartigen Ansatz. Zur Salzgewinnung wurde dort Sole verdampft, wozu viel Brennholz benötigt wurde. In den Wäldern um die Saline sollten nur so viele Bäume geschlagen werden, wie im gleichen Gebiet jedes Jahr nachwachsen. Die Salinenverwaltung erstellte sogar entsprechende Holzeinschlagspläne, doch hielt sich damals niemand daran.»

In einem Punkt haben die Autoren vermutlich recht: Der Begriff ist eine Erfindung von Menschen und wird auf eine Publikation von Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713 zurückgeführt. Der dahinter liegende Gedanke jedoch ist viel älter. In einer der ältesten Gesetzessammlungen der Menschheit, im fünften Mosebuch, heißt es nämlich: «Wenn du unterwegs ein Vogelnest findest auf einem Baum oder auf der Erde mit Jungen oder mit Eiern und die Mutter sitzt auf den Jungen oder auf den Eiern, so sollst du nicht die Mutter mit den Jungen nehmen, sondern du darfst die Jungen nehmen, aber die Mutter sollst du fliegen lassen, auf dass dir’s wohl gehe und du lange lebest.»1

Moses beansprucht nicht, selber Autor dieses Gesetzes zu sein. Die Vorschrift gehört zu den Ausführungsgesetzen jenes elementaren, einfachen Grundgesetzes, das auf einer einzigen Steintafel Platz hatte und bloß zehn kurze Artikel umfasste. Gott ist der Autor dieses Gesetzes – in den großen Zügen wie in den Details.

Ich bin begeistert von diesem Gesetz. Es fällt auf, wie modern es ist. Tötet man die Vogelmutter, ist die Nachhaltigkeit nicht mehr gewährleistet; nimmt man der Vogelmutter jedoch die Jungen oder die Eier, wird sie im nächsten Jahr wieder Eier und Junge hervorbringen. Gott sorgt sich schon im Alten Testament um Nachhaltigkeit in der Natur.

Auf eine Besonderheit muss in diesem Zusammenhang auch hingewiesen werden. Die heutigen Gesetzgeber verbinden mit Gesetzen Strafandrohungen, negative Konsequenzen. «Der willentlich herbeigeführte Tod der Vogelmutter wird mit Haft oder Geldstrafe bis … (nun muss ein erschreckend hoher Betrag eingefügt werden) bestraft.» Aber das entspringt nicht Gottes Haltung gegenüber den Menschen! Ein bekannter Theologe spricht im Zusammenhang mit Gottes Geboten und Gesetzen von ’Seligpreisungen‘. Er sagt, vor jedem einzelnen Gebot müsste man eigentlich sagen: «Mensch, es tut dir ausgesprochen gut, wenn du ... dieses oder jenes tust ... wenn du dieses oder jenes unterlässt.» In einem Punkt ist die biblische Nachhaltigkeit viel konsequenter und radikaler als ökologische und politische Nachhaltigkeitsforderungen. Jedes menschliche Nachdenken über Nachhaltigkeit endet nämlich mit dem Tod; mit dem Tod des Individuums, mit der Endlichkeit der Ressourcen – selbst die Sonne wird einmal erlöschen. Gott denkt jedoch in anderen Kategorien. Er bietet den Menschen die Möglichkeit, aus der Endlichkeit in die Unendlichkeit, von der Zeitgebundenheit in die Ewigkeit zu gelangen.

Und noch ein Gedanke: Dass wir heute mit den Folgen mangelnder Nachhaltigkeit, mit Raubbau an der Natur und Zerstörung der Umwelt zu tun haben, ist direkt darauf zurückzuführen, dass viele Menschen gott-los leben; sei es, dass sie Gott als solchen nicht anerkennen, sei es, dass sie ihn zu kennen meinen, ihm jedoch nicht gehorchen.

Weshalb weiß ich von diesen Zusammenhängen? Ein Referent hat darüber auf einer IVCG-Veranstaltung berichtet. Das Beispiel hat mich beeindruckt, und seither zitiere ich es manchmal. IVCG-Veranstaltungen erweitern den Horizont, regen zum Nachdenken und letztlich zur Nachhaltigkeit im oben erwähnten Sinn an. Die IVCG bietet eine der verschiedenen Möglichkeiten, sich mit Gottes Gedanken über die Welt und die Menschen auseinanderzusetzen, wiederum nicht mit einem Drohfinger, sondern mit der Einladung Gottes zum (nachhaltigen, sogar ewigen) Leben.

Wenn Sie mehr zur IVCG wissen wollen: Im Internet unter www.ivcg.org finden Sie Informationen oder noch besser: Machen Sie sich auf und besuchen Sie einen der öffentlichen Anlässe der IVCG – völlig unverbindlich! Oder lesen Sie auch den letzten Artikel in der nächsten Ausgabe von ‘reflexionen’; das wird Sie wieder auf etwas hinweisen, was den IVCG-Verantwortlichen am Herzen liegt.

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1 5. Mose, Kapitel 22, Sätze 6 und 7

Der Autor

Christoph Wyss

Christoph Wyss

CH-Bern

Fürsprecher/Rechtsanwalt, Präsident der IVCG

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