

Sie sind wieder unterwegs, die USamerikanischen Nominierungsskandidaten für die Präsidentschaftswahlen des kommenden Jahres, auf der Suche nach Zustimmung und Applaus. Die Wahlen gewinnen wird wohl jener Kandidat, der am meisten Hoffnungen auf sich vereinen kann: Hoffnungen auf eine Veränderung; auf wirtschaftliches Fortkommen und mehr Gerechtigkeit; eine starke Hand in der Lösung der weltpolitischen Fragen, gleichzeitig eine sanfte, verständnisvolle, weise, nachsichtige, humorvolle, liebevolle Art, um mit den schwierigen Fragen zurecht zu kommen. Der Kandidat mit den meisten Stimmen soll gleichzeitig kompromissloser Polizist und Liebling der Massen sein – und alles zum Nulltarif; ein Prophet, der alles voraussieht – und immer Lösungen präsentiert, die niemanden etwas kosten.
Während ich mit Lust zum Fabulieren die verschiedenen wünschbaren Eigenschaften der Präsidentschaftsanwärter aufschreibe, werde ich an Jesus erinnert. Sein Auftreten muss für seine Zeitgenossen ein richtiger Schock gewesen sein: Jesus wird im Neuen Testament als ein Mann geschildert, der tat, was er sagte. Einfach so. Nicht nur ein bisschen, nicht neunzig Prozent. Sondern ganz. Einmal heißt es von ihm: «Das Volk entsetzte sich über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.»1 (Schriftgelehrte waren die religiösen Schnorrer jener Zeit. Heute finden wir ähnlich begabte Menschen oft in der Politik oder in den Medien).
Er tut, was er sagt. Damit wird Jesus zum Vorbild eines jeden Menschen, der integer sein will. Er erfüllt wie kein anderer in seiner Person die Definition von Integrität, wie zum Beispiel in Wikipedia ausgeführt: «Ein integrer Mensch lebt in dem Bewusstsein, dass sich seine persönlichen Überzeugungen, Maßstäbe und Wertvorstellungen in seinem Verhalten ausdrücken. Persönliche Integrität ist als Treue zu sich selbst umschrieben worden. Das Gegenteil von integer ist korrumpierbar, also sich in seinem Verhalten nicht von inneren Werten und Prinzipien, sondern von äußeren Drohungen und Verlockungen leiten zu lassen.»2 Nein, das kann man Jesus sicher nicht vorwerfen. Er lässt sein Verhalten nicht von äußeren Drohungen und Verlockungen bestimmen. Am Ende geht er den Weg schnurgerade – auch wenn dieser in den (unverdienten) Tod führt!
Jesus ist darum das Vorbild eines integren Menschen. Er fordert uns heraus. Wie wollen wir mit ihm umgehen? Wir können ihm den Platz als Vorbild aus einer gewissen inneren Distanz überlassen (und uns sagen: An Jesus sehen wir, wohin Integrität am Ende führt: nämlich in die Verurteilung durch die Herrschenden).
Andere versuchen, die Verhaltensweise von Jesus zu imitieren. Vielleicht reicht die Kraft für die erste Wegstrecke, vielleicht auch nicht (wer kritisch in sein eigenes Herz schaut, merkt bald, dass wir zumindest versucht sind, Integrität um kurzfristiger Vorteile willen zu verraten).
Wie haben die Menschen um Jesus zur damaligen Zeit reagiert? Die einen schockiert; andere fasziniert. Einige haben sich auf den Weg gemacht, sind mit Jesus gegangen. Das sind die gleichen Männer, die dann die Welt förmlich umgekrempelt haben. Andere haben sich gegen ihn zusammengerottet und nicht Ruhe gegeben, bis sie ihn der Besatzungsmacht übergeben und zum Tod verurteilt sahen.
Maria hatte auch unter den damaligen Menschen eine Sonderstellung (sie war die erste, die mit dem Mensch gewordenen Gottessohn in Berührung kam). Von ihr sind nur wenige Sätze überliefert. Einmal antwortet sie Gott: «Mir geschehe nach deinem Willen.»3 Den Menschen, die mit Jesus in Berührung kommen, rät sie: «Tut, was Jesus sagt.»4 Dem ist nichts zuzufügen.
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1 Matthäus, Kapitel 7, Sätze 28 und 29
2 http://de.wikipedia.org/wiki/Integritaet
3 Lukas Kapitel 1, Satz 38
4 Johannes Kapitel 2, Satz 5