

Man spricht vom Werte-Fundament. Werte sind für mich unumstößlich, unanpassbar und unveränderlich. Auf das Wertesystem baut sich auch die Ethik des Menschen auf. Werte sind etwas Grundsätzliches.
Die Frage ist, was man unter Spaßgesellschaft versteht. Werte sind nicht das Gegenteil von Spaß. Sie können durchaus lustvoll sein. Entscheidend ist, wie kurzfristig jemand leben und sich amüsieren will. Mir scheint, dass der Zyklus des schnellen Genießens überschritten ist; von einer Kehrtwende würde ich allerdings nicht sprechen. Das reine Konsumieren und unüberlegtes in den Tag hinein Leben scheinen zunehmend weniger populär. Gleichzeitig gewinnt die Besinnung auf Werte wieder an Gewicht.
Ich bin jetzt 41 und hatte etwas Zeit zum Nachdenken. Mir ist klar geworden, dass Spaß nicht nur für den Moment zählen kann, sondern mit der Überlegung zusammenhängt, welcher Spaß welche Konsequenzen nach sich zieht. Natürlich ist es so, dass man sich mit zunehmendem Alter mehr Gedanken darüber macht.
Ein Trugschluss wäre die Meinung, dass Menschen, die sich auf Werte abstützen, weil sie von deren Wahrheit überzeugt sind, keinen Spaß mehr haben. Leider wird dies teilweise – auch in christlichen Kreisen – so vorgelebt.
Mir macht es Spaß, wenn der Alltag funktioniert. Wenn Menschen im Geschäft mich anlachen – eine friedliche Symbiose herrscht. Wenn meine Frau zufrieden ist, wenn die Kinder Erfolg haben in der Schule – das Wohlergehen macht mir Spaß.
Dabei muss auch möglich sein, dass ich im Kollegenkreis über Dinge einfach und unbegründet lachen kann, die vielleicht sonst niemand lustig findet.
Wichtig ist, den Menschen in den Vordergrund zu stellen. Jedes Unternehmen, und sei es noch so technisch, beschäftigt Menschen oder hat mit Menschen zu tun. Unternehmen sollten zudem nicht auf maximale Rendite getrimmt werden. Natürlich ist der Zweck eines Geschäftes, Geld zu verdienen, aber die Ausgewogenheit darf nicht verloren gehen. Alle Beteiligten müssen einen Gewinn daraus ziehen. Diese Balance zu finden ist eine wichtige unternehmerische Aufgabe.
Bei Familienbetrieben ist wichtig, dass der Übergang zwischen den Generationen klappt. Die abgebende Generation muss dies gerne tun und der nachfolgenden Freiraum geben, sie auch Fehler machen lassen.
Es ist sicher eine Herausforderung, Vorbild zu sein, weil man gezwungen ist, bei sich selbst zu beginnen. Ich muss mich fragen: Wie wirke ich? Wie sitze ich am Bürotisch? Wie bin ich gekleidet? Bin ich heute rasiert oder nicht? Es ist anstrengender, sich selbst im Spiegel zu betrachten und etwas zu ändern, als zuerst die Mitarbeitenden zu kritisieren. Indem ich dem Mitarbeiter sage: «Tu, was ich mache, und nicht, was ich sage», spiele ich mir den Ball selbst zu. Das ist herausfordernd. Nicht weil ich seine Arbeit erledigen muss, sondern weil ich von der Haltung her Vorbild sein will. Meine Mitarbeitenden nehmen dies ernst und schauen genau hin. Natürlich ist auch die Haltung möglich, als Vorgesetzter zu fordern: «Tu, was ich sage.» Ich bin jedoch überzeugt, dass unser Weg der dienenden Führung der bessere ist, weil Vertrauen entsteht.
Ein ganz einfaches Beispiel ist dasjenige mit Papierchen und Unrat auf dem Fußboden. Wir haben die Devise, aufzuheben, was auf dem Fußboden liegt und nicht dorthin gehört. Meine Mitarbeitenden achten sehr wohl darauf, ob ich mich als Chef auch nach einem Stückchen Papier bücke und es in den Kehricht werfe oder nicht.
Orientierung in einer orientierungslosen Welt. Unveränderliche Werte, wie wir sie in der ersten Frage angesprochen haben. Natürlich kann ein Kritiker sagen, dass dies zu einfach sei und etwas für Dumme, die nicht denken können. Ich habe jedoch in meinem Leben viel nachgedacht und ausprobiert und bin zum Schluss gekommen, dass es besser ist, im Glauben etwas anzunehmen. Ich akzeptiere deshalb die Bibel als Wort Gottes. Gott hat sie für uns schreiben lassen. Er hat uns geschaffen und gibt uns mit der Bibel Richtlinien zum Leben.
Dazu ein einfaches Beispiel aus unserem Berufsalltag: Ein Koch kreiert ein neues Gericht. Damit es perfekt schmeckt, fügt er 50 Gramm Zucker bei. Er schreibt sein Rezept genau auf. Wenn jemand das Rezept nachkocht, dann muss es genau so zubereitet werden, sonst gelingt es nicht.
So sehe ich das mit der Schöpfung. Gott gibt uns in der Bibel seine «Rezepte ». Wir Menschen haben die Wahl, ob wir sie annehmen wollen oder nicht. Ich habe diese Wahl getroffen und versuche, danach zu leben.
Sie ist eine extrem große Hilfe! Ich bin oft zu Managementseminaren eingeladen und besuche ein bis zwei solche Anlässe pro Jahr. Dabei lerne ich Interessantes. Schließlich lerne ich jedoch mehr, wenn ich am Sonntag den Gottesdienst besuche und genau hinhöre. Da werden wahre, anwendbare Werte vermittelt. Die dienende Führung ist beispielsweise etwas, was Jesus uns vorgelebt hat. Menschen schätzen eine solche Führung. Sie schätzen es, wenn der Chef vor ihnen in die Knie geht, um das Stück Papier vom Boden aufzuheben, mit der Aufforderung, es beim nächsten Mal auch zu tun. Dienende Führung funktioniert!
Die Frage ist, wo ein Wert abgestützt ist. Wir wissen heute, dass die Erde rund ist, weil wir sie vom Satelliten aus ansehen können. Vor nicht allzu langer Zeit wusste man dies noch nicht. Abgestützt sein ist deshalb immer relativ. Die Meinungen und die Wissenschaft verändern sich. Bis vor kurzem wurden alle Thesen der Evolutionstheorie als «wissenschaftlich» und damit unanfechtbar gehandelt. Heute weiß man, dass viele ursprüngliche Annahmen keinen Bestand hatten und durch andere ersetzt wurden. Die Frage bleibt: Worauf sind diese Annahmen abgestützt? Ich stütze mich deshalb auf die bleibenden Werte der Bibel ab.
Interview: Ursula Costa