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Die IVCG

 
Ausgabe 05/06 

Spannungsfeld Karriere

 

Herr Schmutz, wie definierten Sie als junger Mann Erfolg?

Von Erfolg im Sinn von Karrierestufen hatte ich keine feste Vorstellung. Dies im Gegensatz zum Sport, wo ich gewinnen und mich mit meinen Konkurrenten messen wollte. Mein Vater, selbst Spitzensportler, förderte mich, war stolz auf mich. Er wünschte sich, dass ich groß heraus kommen würde. Erfolg haben und ehrgeizig auf ein Ziel hinarbeiten kannte ich also vom Sport her.

Im Beruf war mir über viele Jahre vor allem wichtig eine interessante Arbeit zu haben, die mir lag und für die ich Anerkennung erhielt.

Frau Schmutz, Sie haben Ihren Mann jung kennen gelernt. Wie wichtig war Ihnen sein Erfolg?

Claude und ich waren ab dem 16. Lebensjahr verliebt und fest befreundet. Obwohl wir noch einige Jahre nicht heirateten, wusste ich, dass wir zusammen gehören.

Einen Karrieremann wünschte ich mir nicht. Ich stachelte Claude nie an. Im Gegenteil: Ich spürte später, dass wir als Familie immer weniger von ihm hatten, je höher er aufstieg. Ich empfand Claudes Veränderung negativ. Er war irgendwann nicht mehr derselbe Mann, den ich geheiratet hatte. Der Leistungsdruck und der Erfolg hatten einen negativen Einfluss auf Claude.

Weshalb war das so?

Claude: Mir war die Familie wichtig. Ich wollte aufrichtig ein guter Ehemann und Vater sein. Heute weiß ich, dass nicht die Quantität unserer Zeit mit der Familie zählt, sondern die Qualität. Ich konnte immer weniger abschalten. Meine beruflichen Herausforderungen wurden komplexer. Parallel dazu stieg die Verantwortung. Ich wurde härter. Dagegen bewegte sich Marianne weiterhin in ihrem lokalen und eher begrenzten Umfeld des familiären Alltags. Ich sage das ohne den geringsten diskriminierenden Unterton, denn ich bin sehr dankbar für Mariannes Einsatz für die Familie. Rückblickend bewegt uns, dass wir beide – ohne dies je ausgesprochen zu haben – unsere Ehe nicht zerbrechen lassen wollten. Das ist wohl mit ein Grund, dass wir noch zusammen sind. Heute wissen wir, dass Gott seine schützende Hand über unsere Ehe hielt.

Die Karriere brachte Sie nach Hongkong. Wie empfanden Sie das Leben dort?

Marianne: Die Kinder besuchten eine Tagesschule und kamen jeweils erst am Nachmittag zurück. Wir hatten eine Bedienstete, die sich um die Kinder kümmerte, wenn ich noch nicht da war. Solche Vorteile genoss ich natürlich. Ich hatte viel Zeit für mich, empfand das Leben jedoch als oberflächlich. Bereits damals war ich auf der Suche nach Gott. Ich beschäftigte mich mit verschiedenen Religionen, machte Akupunktur, Akupressur und Thai Chi (Schattenboxen). Ich wusste: Sobald ich den Sinn des Lebens gefunden habe, werde ich zur Ruhe kommen.


Kehrten Sie aus familiären oder beruflichen Gründen in die Schweiz zurück?

Claude: Unsere Rückkehr war eine Entscheidung von Marianne. Sie hatte einem ursprünglich auf vier Jahre begrenzten Auslandaufenthalt zugestimmt. Kurz vor Ablauf dieser Zeit wurde ich zum General Manager für mehrere Länder Asiens befördert. Als Familie fühlten wir uns zu diesem Zeitpunkt in Hongkong wohl. So blieben wir für weitere drei Jahre dort. Danach wollte Marianne unsere Töchter vor dem Erwachsenenalter wieder in der Schweiz integrieren. Nach der großen Freiheit, die ich in Hongkong genossen hatte, war für mich die Rückkehr und die Integration im Head Office sehr schwer. Ich durchlief meine erste Krise.


Haben Sie, Frau Schmutz, etwas von dieser Krise mitbekommen?

Marianne: Ich spürte, dass Claude Mühe mit der Situation hatte. Dass er nicht mehr die gleiche Anerkennung und Befriedigung bekam wie in Hongkong. Allerdings hatte ich, auch wenn dies merkwürdig klingt, irgendwie das Gefühl: Das muss so sein. Ich begann damals die Bibel zu lesen und bekam zunehmend eine innere Ruhe.


Claude:
Ich bemerkte diese erstaunliche Ruhe meiner Frau, war mir aber nicht bewusst, was die Quelle der Ruhe war.


Wie ging es weiter?

Marianne: Etwa drei Jahre nach unserer Rückkehr begannen die Töchter zu rebellieren. Claude kam mit seinen Problemen schwer zurecht, da konfrontierte ihn die Jüngere mit der Aussage: «Papi, du willst der beste Ehemann, der beste Vater, der beste Manager sein, immer noch gut im Sport und bei deinen anderen Aktivitäten. Gib doch endlich zu, dass du das nicht schaffst.»



Was veränderte sich für Sie persönlich und in Ihrer Beziehung?

Marianne: Ich hatte nach jahrzehntelanger Suche den Sinn des Lebens gefunden! Als Ehepaar wuchsen wir mehr und mehr in die Ordnung Gottes hinein und erlebten das Zusammensein schöner und intensiver als je. Dazu mussten wir einen schwierigen Prozess durchlaufen. Aber heute weiß ich: Je mehr wir uns einander unterordnen, unter anderem durch Verzicht auf Besserwisserei, Rechthaberei, Ich- Bezogenheit, umso mehr erleben wir unsere Ehe nicht mehr als ein Nebeneinander, sondern als ein Miteinander, ein sich Ergänzen.


Claude:
Zuerst rollten Tonnen von schweren Steinen von meinen Schultern: ein Gefühl der Befreiung. Aber auch meine weltanschauliche Sicht veränderte sich. Was ich über den christlichen Glauben las, empfand ich als einleuchtend und logisch. Heute weiß ich, dass die Bibel wirklich wahr ist. Marianne und ich haben Gottes Liebe in einem bewegenden Maße real erlebt. Ich konnte meine einseitig leistungsorientierte Sicht und Arbeitsweise Schritt für Schritt ablegen und erkennen, dass ich für Gott nichts leisten muss, um angenommen zu sein. Der Prozess dauerte Jahre, aber Gott erhörte meine Gebete und befreite mich von meinem übersteigerten Getriebensein.


Wie definieren Sie Erfolg heute?

Claude: Erfolg bedeutet, dass ich das erreiche, was ich mir vorgenommen habe. Zunehmend wird Erfolg materiell definiert. Der Slogan «Geiz ist geil» widerspiegelt diese Mentalität. Die Bibel spricht, vor allem im Alten Testament, oft von Erfolg. Sie verknüpft solche Aussagen aber immer mit der Bedingung, dass wir in Gottes Ordnung leben. Dies zum Nutzen jedes Einzelnen sowie der ganzen Gesellschaft was letztlich Befreiung, inneren Frieden und gesunde Beziehungen bedeutet. Erfolg – auf das Leben angewandt – hat deshalb für mich eine umfassende, ganzheitliche Bedeutung. Das Evangelium umschreibt als Ganzes wie «erfolgreiches Leben» zu verstehen ist.

Was raten Sie jungen, ehrgeizigen Hochschulabgängern für deren Karrierestart?

Claude: Angehende Führungskräfte sollten die Prioritäten und Ziele für ihr Leben und alle Lebensbereiche bewusst niederschreiben und sie in ihrem Umfeld, als Partner, in der Familie, ehrlich kommunizieren. Zudem sollten sie einen erfahrenen, objektiven Mentor suchen, bei dem sie immer neu ganz offen Rat holen können. Manches Scheitern könnte durch die Beachtung dieser Ratschläge verhindert werden.

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Interview: Ursula Costa

Buchtipp: «Die fünf Sprachen der Liebe», Gary Chapman

Der Autor

Claude R. Schmutz

Lic. rer. pol. Claude R. Schmutz

CH-Rheinfelden

verheiratet mit Marianne Schmutz, zwei erwachsene Töchter Internationale Karriere in einem Basler Pharmakonzern; heute Berater, Referent und Autor Gründer und Präsident der «Leaders’ Integrity Foundation»

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