

Eine fröhliche Schar bei Tisch. Plötzlich fällt ein Krug zu Boden, zerbricht. Allen ist es peinlich, alle sind erschrocken und betroffen – aber wer ist schuld? Wir alle kennen das Spiel: wenn etwas schief geht, ist immer «der Andere» verantwortlich. Das Spiel hat Tradition und ist altersunabhängig. Ich kenne zwar die Jahrzahl des ersten Mals nicht, aber das Ereignis ist überliefert. Die Szene: ein Baum, zwei Menschen mit klebrigen Fingern und Fruchtresten zwischen den Zähnen, eine Schlange – und Gott, der ruft: «Adam, wo bist du?» – «…Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast…» – «…Die Schlange hat mich verführt…» Es ist die Geschichte der ganzen Menschheit, die hier gespielt wird. Wenn etwas schief geht, lehnt jeder die Verantwortung ab.
Jim Collins arbeitet im Buch «Der Weg zu den Besten»1 die Faktoren heraus, die dazu führen, dass einzelne Unternehmen erfolgreicher als andere sind. Punkt 1: Entscheidend ist, wer das Unternehmen leitet! Dabei geht es weniger um einzelne Management-Fähigkeiten als um Charakter. Im Zusammenhang mit Verantwortung verwendet Collins ein eindrückliches Bild: Die erfolgreichen Führungskräfte weisen aus dem Fenster: «Diese Menschen, jene Umstände führten dazu, dass…» Wenn allerdings etwas schief geht, schauen sie in den Spiegel. Nicht diese oder jene anderen, sondern sie selbst haben die Situation falsch eingeschätzt! – Die wenig erfolgreichen Manager schauen in den Spiegel, wenn alles gut geht: «Spieglein, Spieglein an der Wand; wer ist der Schönste, Beste, Erfolgreichste…?» Sie suchen jedoch die limitierenden Faktoren nie bei sich selber. Es sind die anderen, die versagt haben!
Was Collins mit einem Team von Wissenschaftern bei großen, börsennotierten Unternehmen herausgearbeitet hat, wiederholt sich auf allen Ebenen. Wer seine limitierenden Faktoren kennt, zu Fehlern steht, Verantwortung auch da übernimmt, wo etwas schief geht, gewinnt. Alle bemerken dies, und oft ist dann zu hören: «Er zeigt wahre Größe.» Das Gegenteil: Mit einigem Schrecken lese ich Schuldzuweisungen im Wirtschaftsteil der Tageszeitung. Offenbar waren es jene anderen, die den entscheidenden Fehler gemacht haben ...
Was macht uns solche Mühe, Verantwortung für unser Handeln (und unsere Unterlassungen) zu übernehmen? Weshalb ist es so schwierig, zu Fehlern zu stehen? Es mag sein, dass wir befürchten, in den Augen der anderen schlechter, weniger wertvoll dazustehen. Oder wir stellen so hohe Anforderungen an uns selbst, dass wir diesen Ansprüchen gar nicht genügen können – und sind dann trotzdem enttäuscht, dass ausgerechnet uns «solche Dinge» passieren.
Sich selber in seiner Fehlerhaftigkeit annehmen, zu Fehlern stehen kann eigentlich nur, wer sich angenommen, geliebt weiß: und zwar unabhängig von seinem Wohlverhalten. Dies ist ein zentraler Teil des Evangeliums: Gott kennt mich durch und durch und liebt mich trotzdem! Er kennt meine Fehlentscheidungen, meine falschen Motive, meine Unterlassungen und Lieblosigkeiten. Er weiß darum, dass ich manchmal den Durchblick nicht hatte, dass ich Dinge vergaß, dass ich zu langsam war, zu wenig wach. Er sah meine vergeblichen Bemühungen und Anstrengungen. Und er liebt mich trotzdem!
Dies den Menschen in Verantwortung klar und deutlich zu sagen, ist das Grundanliegen der IVCG: Die Liebeserklärung Gottes gilt nicht einzelnen, auserwählten Menschen; sie gilt allen, die es hören wollen. Die Botschaft ist bereits zweitausend Jahre alt; das Problem liegt in der Kommunikation. Wie sagen wir es so, dass unsere Freunde – Menschen aus Wirtschaft und Gesellschaft – uns verstehen? Die Veranstaltungen der IVCG finden in guten Hotels oder Restaurants statt. Wichtiger als die Umgebung ist uns die Möglichkeit des Gesprächs.
Über die vielfältigen Angebote der IVCG informieren Sie sich am besten im Internet, unter www.ivcg.org. Ich bitte Sie freundlich: nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, es lohnt sich!
_______________
1 siehe Seite 29f , Beitrag von Peter Regez