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Die IVCG

 
Ausgabe 07/03 

Wenn Dämme brechen

 

Im August 2002 traten Donau und Elbe über ihre Ufer. Betroffen waren neben Tschechien und Österreich hauptsächlich Gegenden in Ostdeutschland, insbesondere der Raum Dresden.

Durch sintflutartige Regenfälle stieg das Wasser um viele Meter. Stadtteile und Dörfer wurden überflutet, Brücken, Straßen und Bahngleise zerstört, Inventar von Fabriken, Büroräumen und Privathäusern fortgeschwemmt oder durch die Wirkung des Wassers unbrauchbar gemacht. So haben manche innerhalb von Minuten oder Stunden alles verloren, was sie sich in Jahren oder Jahrzehnten angeschafft und aufgebaut hatten.

Gewiss erinnern sich die Älteren unter uns an noch größere Katastrophen:

Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg, bei denen ganze Städte in Schutt und Asche versanken, Zehntausende umkamen und Hunderttausende ihr Hab und Gut verloren. Aber diese Schäden waren von Menschen verursacht. Naturereignisse von solchem Ausmaß hat es dagegen in den letzten Jahrhunderten in Deutschland nicht gegeben.

Erfreulich war die Reaktion der Bevölkerung. Überall gab es prompte Hilfsbereitschaft. Zehntausende fuhren spontan in die Flutgebiete, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen. Technische und karitative Hilfsorganisationen, Militär und private Kräfte retteten Menschen mit Booten von den Dächern oder aus den oberen Etagen ihrer Häuser, richteten Notunterkünfte für die Obdachlosen ein und versorgten sie mit dem Notwendigsten. In den weiter nördlich gelegenen Ortschaften entlang der Elbe versuchten sie, vor dem Eintreffen der Flutwelle die Dämme durch Sandsäcke zu verstärken. Leider hatte dies nicht überall Erfolg. Wo Dämme brachen, wurden ganze Landschaften von den reißenden, braunen, aufgewühlten Wassermassen überflutet.

Wer nicht selbst von der Flut betroffen war, nahm Anteil und spendete Geld. So zeigte sich in Deutschland eine Welle der Solidarität. Hatte also diese Katastrophe auch irgendwo eine ermutigende Seite?

Ja, materielle Schäden, selbst wenn sie in die Milliarden gehen, lassen sich beheben, solange der gute Wille und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür vorhanden sind. Was mich jedoch in diesem Zusammenhang bewegt, ist eine ganz andere Sorge. Denn ich muss unwillkürlich an eine noch viel schlimmere Flut denken, die unsere D-A-CH-Länder bedroht: an den Strom des Zeitgeistes, dessen stark verschmutzte Fluten gegenwärtig beängstigend steigen: an die immer frecher werdende Abkehr der Gesellschaft von Gott und seinen Normen – im öffentlichen wie im privaten Leben. Ihr fallen nicht Möbel, Maschinen und Häuser zum Opfer, sondern Ehen, Familien, ungeborene Kinder wie auch die psychische Gesundheit und die geistige Leistungskraft einer Gesellschaft. Diese Flut zeigt sich darin, dass heute – anders als noch vor wenigen Jahren – üble Perversitäten legalisiert sind und immer mehr praktiziert werden – bis in die führenden Kreise hinein. Sie zeigt sich in brutaler Gewalt in Schulen und in riesigen sexuellen Massenorgien.

Eine der Auswirkungen ist, dass seit einer Generation nur noch wenige Kinder geboren worden sind, was zu einem rapiden Aussterbeprozess bei der einheimischen Bevölkerung unserer D-A-CH-Länder führt – mit verheerenden gesellschaftlichen und sozialen Folgen für die nächsten Jahrzehnte. Vor allem ist dies eine Flut der voranschreitenden Gottlosigkeit – wie früher im Lauf der Geschichte bei morbide gewordenen Hochkulturen in der Phase ihres beginnenden Untergangs.

Nur noch eine Bewegung der Umkehr der Menschen zu Jesus Christus kann diesen Untergang aufhalten. Sonst wird diese Flut weiter ansteigen und eine Kultur, eine Lebensordnung hinwegschwemmen, die über tausend Jahre lang weithin von christlichen Werten einschließlich der öffentlichen Anerkennung der Zehn Gebote geprägt war. Wenn aber bei dieser Flut weitere Dämme brechen sollten, wird der Schaden für alle Zukunft irreparabel sein, anders als an Elbe und Donau.

Der Autor

Bodo Volkmann

Prof. Dr. rer. nat. Bodo Volkmann

D-Möglingen

verheiratet mit Waltraut Volkmann, vier Töchter, sieben Enkelkinder, Emerit. Ordinarius für Mathematik der Universität Stuttgart

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